Forum

 

Zum registrieren, bitte hier klicken.

Du musst dich anmelden um Beiträge und Themen zu erstellen.

Trinity - #01

Getreu dem Motto - was lange währt, wird endlich gut - steigen wir hiermit endlich wieder ins RPG ein.

Der Übersichtlichkeit halber kommt hier in Kürze noch der Link zu weiteren, die neue Mission "Trinity" betreffenden Informationen rein.

Ansonsten bleibt mir nur, uns einen guten Neustart mit entsprechend viel Spaß am Schreiben zu wünschen.

SD 2417.198, 19:17, Werftkomplex New Aberdeen Shipyards, Aldebaran

Vor zwanzig Minuten war die USS Acheron in relativer Nähe zu den äußeren Docks der Werftanlage im Orbit von Aldebaran III unter Warp gegangen. Nun drehte die Sovereign Klasse längsseits zum Dock IX bei und ermöglichte so einen wunderbaren Ausblick auf das darin befindliche Schiff.
Tief durchatmend und mit einem Anflug von Zufriedenheit musterte Fvienn Suval die anmutigen Konturen der USS Iowa von außen, wie es ihr sonst nur selten vergönnt war, und verspürte das intensive Gefühl des Heimkommens.

Zwei Monate war sie fort gewesen ... die Zeit ihres ausgedehnten Landurlaubs hatte sie, wie die beiden Male zuvor, auf Vulkan verbracht, allerdings weniger um ihre Adoptiveltern oder alte Wirkungsstätten zu besuchen. Dafür fehlte Suval jegliche sentimentale Ader. Stattdessen hatte sie die Zeit genutzt, um ihr intensives persönliches Training fortzusetzen, insbesondere jenes mentaler Art, und einigen Dingen auf die Spur zu kommen, die sie seit Jahren beschäftigten. Zwar hatte sie nun im Nachgang den Eindruck, als habe sie in den vergangenen zwei Monaten kaum eine Sekunde geschlafen, doch ihr Geist war nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen hellwach und hoch konzentriert.

Zwei Monate war sie fort gewesen ... eine Zeit, welche die Iowa hier in den auf die Akira Klasse spezialisierten Docks zugebracht hatte, um Hardware und Software auf den neuesten Stand zu bringen, einige größere Bauteile entsprechend den Wartungszyklen auszutauschen und, wie die Kommandantin überrascht feststellte, ein völlig neuartiges Zusatzmodul anzukoppeln. Die allgemeinen Ausmaße unterschieden sich nur unwesentlich von den sonstigen Modulen, jedoch war lateral eine ganze Reihe von Luken, nur unwesentlich größer als jene von Rettungskapseln und nach erster Zählung insgesamt zwölf, zu erkennen, von denen Suval spontan vermutete, dass es sich um die Abdeckung von Startrampen handelte. Ganz offensichtlich war in den letzten Jahren ein Jägermodul entwickelt und konstruiert worden, welches dem Charakter der Akira als Trägerschiff einerseits und dem neuen Jägertypus der Venatrix Klasse andererseits Rechnung tragen sollte und beides versuchte, auf einen optimalen Nenner zu bringen.

Zwei Monate war sie fort gewesen ... wie fast die gesamte Besatzung auch. Die Werftcrew hatte der Mannschaft der Iowa klar zu verstehen gegeben, selbige mindestens vier Wochen nicht an Bord sehen zu wollen - nicht nur, weil das grundlegende Reinigungsprozedere für jedes Lebewesen tödlich war und somit niemand an Bord verweilen durfte. Sondern auch, um in Ruhe und stringent arbeiten zu können, ohne ständig gestört zu werden. Dennoch, so mutmaßte die Rihanna, würde es einige Crewmitglieder gegeben haben, die bereits vor zwei oder drei Wochen an Bord zurückgekehrt waren - beispielsweise um die Fortschritte der Arbeiten zu begutachten. Der größte Teil jedoch war wohl im Laufe der vergangenen zwei Tage und im Rahmen einer logistischen Herausforderung angekommen...

Vor ziemlich genau drei Tagen war sämtlichen Besatzungsmitgliedern der USS Iowa durch das Starfleet Command der Befehl zugekommen, dass zu Sternzeit 2417.199 um 4 Uhr Einsatzbereitschaft herzustellen sei. Suval hatte darüber hinaus die Information erhalten, dass die Crew von bisher 400 auf 520 Personen aufgestockt werden würde. Der Grund für diese Maßnahme war ihr mit Verweis auf die noch folgenden Einsatzbefehle nicht genannt worden, was zu einer gewissen Verstimmung ihrerseits geführt hatte.

"An alle Crewmitglieder der USS Iowa. Hier spricht Captain Faddew. Wir erreichen in wenigen Minuten den Transferpunkt im Orbit von Aldebaran III, um Sie an Bord Ihres Schiffes zu beamen. Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Flug und wünsche Ihnen alles Gute auf Ihrem bevorstehenden Einsatz." Ein leises Klicken verdeutlichte, dass der schiffsinterne Kanal wieder geschlossen worden war. Suval hatte indes ihre Tasche geschultert und das Gastquartier verlassen, um sich auf den Weg zum Transporterraum zu machen - nur um festzustellen, dass einige mit der eben erfolgten Ansage Angesprochenen bereits vor selbigem warteten. Dass die Acheron neue Besatzungsmitglieder für die Iowa transportierte und ein Teil derer sogar bis zum heutigen Tage auf der Sovereign Klasse ihren Dienst verrichtet hatte war ihr bekannt - verwundert jedoch nahm sie in Ermangelung einer aktuellen Crewliste ihrer eigenen Einheit zur Kenntnis, während sie an der Schlange im Flur vorbei schritt und das grüßende Nicken jedes Einzelnen quittierte, das geschätzte siebzig Prozent der hier Wartenden eine grüne Uniform trugen.
Profundes Unbehagen breitete sich in ihr aus.

SD 2417.198, 19:25, USS Iowa, Transporterraum auf Deck 6

Das Flimmern der Transfersäule war kaum verschwunden und hatte die ersten sechs Personen an Bord der Iowa rematerialisiert, als Suval ihren Ersten Offizier und den Quartiermeister im Transporterraum wartend besah.
"Guten Abend, Captain, und willkommen zurück an Bord", grüßte Momoa in gewohnt militärisch korrekter Haltung. Der Quartiermeister schloss sich schweigsam und mit einem Nicken dem Gruß an und kümmerte sich postwendend um die anderen fünf Angekommenen.
"Guten Abend, Commander", entgegnete die Rihanna den Gruß, stieg die beiden Stufen von der Plattform hinab und begab sich sogleich in Richtung Ausgang, "schön, wieder hier zu sein." Obwohl ihrem Gesicht keine Regung zu entnehmen war, meinte sie diese Worte, wie sie sie sagte - so, wie sonst auch. "Auch wenn die augenscheinliche Eile ein wenig... irritierend wirkt", setzte sie hinzu und bemerkte aus dem Augenwinkel das zustimmende Nicken ihres Stellvertreters.
"Da Sie es ansprechen...", der groß gewachsene Mensch neben ihr reichte ihr einen elektronischen Notizblock, während sie auf den Gang hinaus traten.
"Unsere Einsatzbefehle?"

"Nein, Ma'am." Ein Anflug von Verwunderung ließ sie in Ansätzen die Stirn runzeln. "Die aktuelle Crewliste sowie in Zusammenfassung einige notwendige Personaländerungen. Über alles weitere informieren uns die Abteilungsleiter in der anstehenden Einsatzbesprechung." Suval bekam den Eindruck, dass hier irgendetwas nicht so lief, wie es sollte. "Botschafterin Talera hat darum gebeten, dass das Briefing stattfindet, sobald Sie an Bord sind..." Momoa unterbrach sich, als er bemerkte, dass seine Vorgesetzte wohl schon zu Beginn des Satzes stehen geblieben sein musste und nun einige Meter hinter ihm verharrte. "Kennen Sie die Botschafterin?" fragte er, sich umgewandt, da er hierin den Grund für ihr Innehalten vermutete - immerhin handelte es sich um eine Vulkanierin.
"Nein, das nicht. Mich überrascht nur der Umstand, dass uns ein Botschafter zugewiesen wurde ... und Starfleet Command es nicht für nötig befand, uns im Vorfeld darüber zu informieren." Das Unbehagen hatte einen Grund gefunden, es sich in ihr gemütlich zu machen, während allmählich eine Ahnung über die Art des bevorstehenden Einsatzes erwuchs.
"Allem Anschein nach scheint irgendetwas so dringend zu sein, dass man sich nicht einmal mit Erklärungen aufhält." Es war ein Punkt, der aus Sicht des ehemaligen Marine kein gutes Licht auf die Sternenflotte warf, doch auch Suval störte sich massiv an dieser Offensichtlichkeit. Nichtsdestotrotz bestand bis zur Unterredung mit der Botschafterin nicht die Möglichkeit, diese Unklarheiten zu beseitigen.

"Das heißt, die Besprechung beginnt in...", Suval blickte auf ihren Chronometer, als Momoa mit "sechs Minuten", antwortete. Die absolute Pünktlichkeit der Acheron, die Effizienz der vulkanischen Botschafterin und die Fähigkeit ihres Ersten Offiziers, ein nahezu perfektes Zeitgefühl zu besitzen, konnten in ihrer Gesamtheit beeindruckend wirken und hinterließen dennoch in der aktuellen Situation einen faden Beigeschmack - als übernahm jemand anderes als sie selbst die gegenwärtigen Planungen. Der Vergleich von Schachfiguren, die vor einem Match auf dem Spielbrett positioniert wurden, drängte sich auf.

Angesichts der dargelegten Eile schließlich bat die Rihanna Petty Officer Qwiaa, die gerade an den beiden Offizieren vorbei kam und auffällig desinteressiert zu wirken versuchte, ihre Tasche zu ihrem Quartier zu bringen, um sich selbst zum großen Konferenzraum auf diesem Deck zu begeben. Traditionell fanden die Missionseinsatzbesprechungen aufgrund der größeren Teilnehmerzahl als nur der Senioroffiziere in dieser Räumlichkeit statt.
"Seit wann ist die Botschafterin an Bord?" erfragte sie beiläufig, während sie die Crewliste überflog und die vorgeschlagenen Änderungen für einige Posten zur Kenntnis nahm.
"Auch erst seit einer Stunde."

SD 2417.198, 19:31, USS Iowa, großer Konferenzraum auf Deck 6

Obwohl noch vier Minuten bis zum anberaumten Termin Zeit waren, nahm die Kommandantin beim Eintreten wohlwollend zur Kenntnis, dass alle geladenen Teilnehmer bereits am Tisch saßen - ausgenommen jene Besatzungsmitglieder, deren Ankunft sich aufgrund einer umfänglicheren Anreise vom Urlaubsort angekündigt bis in die Nacht verzögern würde. Die Botschafterin selbst war auch noch nicht zugegen, was Suval nutzen wollte, vor dem offiziellen Startschuss eine crewinterne Angelegenheit abzuarbeiten.
"Guten Abend, meine Damen und Herren", begrüßte sie die Anwesenden, während sie an der schmalen Stirnseite Platz nahm und die ausgeruht wirkenden Gesichter musterte. "Ich bedaure, dass Sie alle aus Ihrem wohlverdienten Urlaub geholt wurden", was außerhalb von Krisenzeiten nur extrem selten geschah und aus diesem Grund bei allen eine mehr als übliche Ernsthaftigkeit hervorrief. "Ich hoffe jedoch, dass uns die Botschafterin Aufschluss über die Gründe hierfür geben kann." Ein leises Murmeln setzte vereinzelt ein und ließ auf dieselbe Überraschung wie ihre eigene schließen.
"Zuvor jedoch etwas in eigener Sache... Chief Mancuso", die Aufmerksamkeit der meisten richtete sich auf den Angesprochenen, der gegenwärtig als alleiniger Vertreter der Sicherheitsabteilung am Tisch saß und sich gedankenverloren in der neuen und ungewohnten Gesichtsbehaarung kratzte. Mäßig interessiert blickte er auf. "Da Lieutenant Commander von Ennien aufgrund eines stattgegebenen Versetzungsgesuchs der Iowa nicht mehr zur Verfügung steht übergebe ich Ihnen hiermit die Verantwortung über die Sicherheitsabteilung." Schweigen schloss sich an, während dem die Worte ihre Wirkung entfalteten und Suval den mittlerweile recht deutlich ergrauten Mann aufmerksam musterte.
Das einsetzende Spiel seiner Gesichtsmuskeln verriet, dass ihm etliche Gedanken auf einmal durch den Kopf schossen, begonnen bei "Gibt's niemanden sonst für den Job?" über "Muss ich jetzt etwa noch mehr Schreibkram erledigen?" bis hin zu "Wenn mich einer zum Offizier macht, quittiere ich umgehend meinen Dienst!" Schlussendlich holte er Luft und öffnete den Mund, um das aus seiner Sicht Angemessenste zu entgegen.
"Den größten Meckerköppen gibt man die größte Verantwortung" erwiderte er angesichts der offenkundigen Erwartungshaltung, um nur Augenblicke später zu begreifen, dass er soeben jeden der Anwesenden, ihres Zeichens ausschließlich Offiziere, beleidigt hatte. Die mimischen Reaktionen bewegten sich im Spektrum zwischen ansatzweise konsterniert und absolut entsetzt.
"Ich hoffe in Ihrem Interesse, dass Sie uns gerade ein Beispiel Ihrer Gewandtheit in der höflichen Sprache geben wollten, Master Chief!"
"Selbstverständlich, Commander, Sir", erwiderte Mancuso zackig die implementierte und im erstklassigen Marine-Corps-Tonfall dargebrachte Zurechtweisung des Ersten Offiziers, als die Tür mit ihrem charakteristischen Zischen aufging und die Botschafterin nebst Attaché eintrat. Dem Anstand entsprechend erhoben sich alle, bei dem frischgebackenen Sicherheitschef sorgte für diese Reaktion eher ein antrainierter Reflex.
"Frau Botschafterin, ich heiße Sie herzlich willkommen an Bord der USS Iowa", ergriff die Kommandantin das Wort, dem Attaché lediglich zum Gruße zunickend, und deutete den beiden Neuankömmlingen, an der ihr gegenüberliegenden Stirnseite Platz zu nehmen. Talera nahm den Gruß typisch vulkanisch - emotionslos - mit einem Nicken entgegen, verzichtete auf die Vorstellung ihres Begleiters und setzte sich dem Protokoll entsprechend als erste.
"Ist Ihr Schiff einsatzbereit, Captain?" kam sie unumwunden zum Kern ihrer Anwesenheit.
"Noch nicht. Es fehlen noch einige Besatzungsmitglieder und das Dock hat noch keine Startfreigabe erteilt." Sicherlich würde es das rechtzeitig, wenngleich der Aufenthalt der Iowa ursprünglich zwei Wochen länger hatte dauern sollen.
"Ich muss Sie sicher nicht an unseren Abreisetermin erinnern." - "Keineswegs, Frau Botschafterin. Im Zuge dessen wäre es jedoch sicherlich angemessen, wenn Sie uns den Grund für unseren übereilten Aufbruch mitteilen könnten." Die Rihanna bemühte sich, der Vulkanierin nicht nur protokollarisch sondern auch im Habitus etwas entgegen zu kommen - wenngleich sie vermutete, dass Talera der Umstand bekannt war, es ihrerseits nicht mit einer Angehörigen ihres eigenen Volkes zu tun zu haben und diese Mühe vielleicht gar nicht zu schätzen wusste.
"Die USS Iowa wird zur Sternzeit 2417.201 um 10 Uhr Standardzeit auf Tzenkethi Prime erwartet."
Mit einem Mal herrschte Totenstille im Raum und Suval hatte das Gefühl, dass ihr inneres Gleichgewicht zu wanken drohte. Doch es ging nicht nur ihr so, wie sie feststellen musste, als die Stille von einzelnen akustischen Regungen, die Missfallen zum Ausdruck bringen sollten, durchbrochen wurde... die meisten ihrer Untergebenen hatten vermutlich bis eben gehofft, für den Rest ihres Lebens nie wieder einen Tzenkethi sehen zu müssen.

Während Suval sich zügig und erfolgreich bemühte, die spontan über sie hereinbrechende Fülle von Gedanken und Emotionen zu bändigen und die auf ihr ruhenden Blicke mancher zu ignorieren, hielt sie mit ausdrucksloser Miene das Gesicht von Talera fixiert, die sich schließlich genötigt sah, weitere Erklärungen anzufügen.
"Nach nunmehr neun Jahren der vollständigen Isolation hat sich die politische Situation der Tzenkethi augenscheinlich stabilisiert. Dem bisherigen Regenten Kostan sind umfassende gesellschaftliche Umbrüche gelungen, denen auch eine wirtschaftliche Verbesserung der Lage folgte. Vor kurzem schließlich wurde Kostan nach der fortschreitenden Demokratisierung seines Volkes zum ersten Kanzler der Tzenkethi Konföderation gewählt." Die Botschafterin gab die Fakten bekannt, als würde sie aus einem Geschichtsbuch vorlesen. "Gegenwärtig findet die Regierungsbildung statt und zum bereits erwähnten Zeitpunkt soll die Regierung schließlich vereidigt werden. Zu diesem historisch bedeutenden Ereignis sowie zur Wiederaufnahme von Verhandlungen wurden Vertreter der früheren Besatzungsmächte eingeladen."
Mancuso räusperte sich übertrieben und zog einige Blicke auf sich, winkte aber scheinbar entschuldigend ab. Suval konnte es ihm nicht verdenken, Zweifel an der dargestellten Situation waren noch die harmloseste Beschreibung dessen, was wohl nicht nur ihr durch den Kopf ging. Etliche Fragen drängten sich förmlich auf und die drängendste wollte sie umgehend beantwortet haben.
"Warum wird ausgerechnet die Iowa geschickt?"
Dem Oberkommando war die persönliche Befangenheit etlicher Offiziere an Bord, allen voran der Kommandantin, bekannt und dennoch sah man über jedes potentielle Risiko hinweg und entsandte ausgerechnet ihr Schiff. 'Wenigstens grob fahrlässig', wie Suval gedanklich befand, 'oder Kalkül'. Doch die Antwort Taleras verblüffte sie ehrlich.
"Die Tzenkethi haben die Anwesenheit der Iowa ausdrücklich erbeten", setzte sie an und bewies ein Händchen für Theatralik, als sie in einer Pause ihre Worte kurz wirken ließ, ehe sie fortsetzte. "Sie messen der Iowa in Bezug auf ihre eigene Geschichte eine hohe Bedeutung bei und ihnen sind die Unannehmlichkeiten sehr bewusst, welche das Schiff und seine Besatzung im Rahmen vor allem des letzten Einsatzes vor dem Zugeständnis der Unabhängigkeit durch die Föderation hier erdulden musste." Die Rihanna fragte sich unwillkürlich, wie viel dieser 'Unannehmlichkeiten - welch Euphemismus' - der Botschafterin persönlich bekannt war. "Deshalb möchte die neue Regierung der Tzenkethi diese Gelegenheit ihres eigenen Neuanfangs nutzen, sich mit der Iowa stellvertretend für die Föderation auszusöhnen."

Beteiligte: Momoa und Mancuso direkt; alle Senioroffiziere, Abteilungsleiter und ihre Stellvertreter (soweit schon an Bord) indirekt

 

SD 2417.199, 00:00, Werftkomplex New Aberdeen Shipyards, Aldebaran

Irini stieg erschöpft und mit leicht zitternden Knien von der Transporterplattform und betrat damit das Ziel ihrer Reise, die Iowa. Sie wischte sich mit einer anmutigen Handbewegung symbolischen Schweiß von der Stirn und ließ ihre Tasche fallen, dabei vernehmlich seufzend.

"Uff, das war ganz schön knapp."

"Allerdings, Madam, in der Tat, kann man so sagen." ließ sich der Posten neben der Steuerkonsole vernehmen, der offensichtlich die Nachtschicht und damit die undankbare Aufgabe hatte, zu dieser unchristlichen Zeit die Nachzügler der Besatzung in Empfang zu nehmen. Er freute sich, dass etwas passierte und er nicht nur stur herumstehen musste.

"Sie sind die Vorletzte, Miss Irini. Wir haben Order, in vier Stunden abzulegen, aber das ist Ihnen ja bereits bekannt. Wie war Ihre Anreise?" erkundigte er sich neugierig, ein stolzes Blitzen in den Augen.

"Anstrengend, hektisch, kompliziert, unbequem, lang und äußerst schnell" fasste die Barkeeperin der Iowa ihren Reiseweg zusammen und stellte dabei fest, dass der Mann aufrichtig froh war, dass sie es pünktlich geschafft hatte. Ja, die Besatzung der Iowa mochte ihre Barkeeperin nicht mehr missen, stellte sie doch so etwas wie einen Ruhepol in den rastlos kreisenden Mühlen des täglichen Geschäfts dar.

Er reichte der Elaurianerin ein Padd und fügte erläuternd hinzu: "Hier haben Sie Ihre nächsten Termine, Miss Irini, und ich soll Ihnen vom Quartiermeister ausrichten, dass Sie Ihre Kabine wie gewünscht vorfinden werden."

"Vielen Dank, Pete." Irini nahm das Padd und sah, dass der Posten nun strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Es fehlte nicht viel und er hätte ihr angeboten, sie zu ihrem Quartier zu begleiten und dabei auch noch die Tasche zu tragen. Aber Dienst war Dienst…

Sie schenkte dem jungen Mann noch ein freundliches Lächeln, der noch ein paar Stunden Dienst vor sich hatte.

"Gute Nacht, Pete, ich finde mein Quartier schon, keine Sorge."

Sie griff nach ihrer Tasche, schlang sich die Henkel über die Schulter, winkte zum Abschied mit dem Padd und verließ den Transporterraum.

Vor dem Schott war ihr plötzlich, als liefe sie gegen eine Wand. Ihre Beine waren plötzlich steif wie Stelzen und ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken.

Leicht beunruhigt schüttelte sie ihre schwarzen Locken. Was soll das, ermahnte sie sich jedoch, du bist bloß übermüdet und erschöpft. Was ja schließlich auch kein Wunder war, wenn man den Ablauf ihrer Rückreise betrachtete, nachdem vor drei Tagen der Befehl zur Rückkehr auf das Schiff ergangen war. Sie schmunzelte in sich hinein, wenn sie an das logistische Meisterwerk dachte, das ihre Reiseroute darstellte. Fünf Stunden hatte sie gebraucht, um unter Berufung auf ihren Status als Zivilangestellte der Sternenflotte und den dringenden Rückkehrbefehl diverse Schiffsbewegungsregister durchforsten zu dürfen und ihre Rückreise zu planen. Dabei hatte nichts schief gehen dürfen, wirklich nicht die kleinste Kleinigkeit, so knapp waren alle Übergänge zwischen den Teilstrecken. Letztendlich hatte sie etwas über 20 Schiffe und eine etwas mehr als doppelt so lange Strecke zurückgelegt, deren verrückte Umwege durch die Geschwindigkeiten des einen oder anderen nicht ganz legal getunten Schiffs weitestgehend wettgemacht wurden.

Außer einigen Sternenflottenschiffen, Kurierbooten (mit sehr beengtem Ambiente), Postschiffen (äußerst unbequem, da nicht für einen länger dauernden Transport von Passagieren eingerichtet), regulären Frachtern und Handelsschiffen (die immer ein paar Gastkabinen frei haben), einem todschicken Siebensterne-Tiefenraumkreuzfahrtschiff (dessen Kapitän sie mehr oder weniger mit sanfter Gewalt und reichlich Kredits dazu überreden konnte, seine Triebwerke endlich mal ordentlich auszufahren und dessen Chefingenieur deswegen mehr als begeistert war) waren auch ein korellianischer Schmuggler und die Yacht eines freien Agenten dabei. Der Flug auf letzteren beiden würde ihr wohl auf ewig in Erinnerung bleiben, so interessant waren diese Reisebegleiter gewesen.

Unter ihren Gedanken hatte sie ihre Kabine erreicht, löste das per Stimmaktivierung fixierte Siegel mit einem bekannten elaurianischen Sprichwort und trat ein. Sofort umfing sie der vertraute Geruch nach dem feinen vulkanischen Kräuterparfüm, den sie so liebte.

Sie fühlte sich zu Hause angekommen. In den vergangenen neun Jahren war ihr dieses Schiff tatsächlich ein Zuhause geworden. Sie fühlte sich dieser Crew zugehörig, ja, sie gehörte wahrhaftig dazu.

Zu müde, um sich weiteren Gedanken hinzugeben, ermattet von der strapaziösen Reise und der heißen Dusche, kuschelte sie sich unter die weiche Decke, sagte die Weckzeit an und schloss die Augen. Sanft dämmerte sie in den Schlaf, während ganz sachte etwas an ihrem Unterbewusstsein nagte.

‚Morgen‘, murmelte sie, ‚nicht jetzt‘.

SD 2417.198, 22:47, USS Iowa, Besprechungsraum neben der Krankenstation

„Sie spinnen wohl!“ Home hatte die Worte die in seinem Geiste schon lange da waren, bewusst ausgesprochen. Der Formhalber schob er noch ein „Sir.“ Hinterher.

Loreks Mimik blieb weitestgehend unberührt, lediglich wanderte seine rechte Augenbraue weiter gen seiner Stirn.

„Ich wusste nicht das sie auch Psychiater sind. Deswegen glaube ich auch nicht das sie qualifiziert genug sind meinen mentalen Gesundheitszustand zu beurteilen.“ Emotionslos und typisch vulkanisch parierte Lorek Home’s Offensive. Geoffrey konnte den leitenden medizinischen Offizier mit vulkanischem Ursprung, zur eigenen Verwunderung, trotzdem gut leiden. Er war jemand der zielstrebig und mit einer gewissen Arroganz agierte. Ihm selbst nicht gerade unähnlich, obwohl Home sich zu oft von seinen Gefühlen leiten ließ. Eine Eigenschaft die er aber auch sichtlich genoss.

„Nun gut. Wie vorhin schon angedeutet gibt es eine hohe Personalrotation. Bis zum Abflug und die ersten Tage darüber hinaus müssen alle neuen Crewmitglieder sich laut Sternenflottendienstvorschrift einer Eingangsuntersuchung unterziehen. Zudem müssen einige Crewmitglieder zusätzliche zu ihrer Routineuntersuchung. Diese stehen in der Priorität jedoch hinten an. Wir werden ab heute in drei Schichten zu je acht Stunden mit den Eingangsuntersuchungen beginnen. Dazu habe ich bereits einen Personal- sowie Ablaufplan erstellt.“ Lorek nickte dabei allen zu und deutete zugleich auf die PADD’s welche er ausgeteilt hatte.

„Machen Sie sich mit den Details bitte vertraut. Zudem muss ich Ihnen leider mitteilen das noch nicht das gesamte medizinische Personal an Bord ist. Durch die Unterbesetzung werden sie zusätzlich noch Bereitschaftsdienste absolvieren müssen. Dieser Zustand wird jedoch in den nächsten Tagen ausgeglichen.“

Genervt und gereizt stütze Home seinen Kopf auf seine beiden Hände, welche auf seinem Gehstock ruhten.

„Ich weiß ich bin zwar kein Psychiater aber auch kein Fließbandarbeiter. Und mit Sicherheit werde ich nicht acht Stunden lang am Tag mir das unwichtige Geplapper von neuen, Milchgesichtigen Crewmitglieder anhören.“ Gewohnt grimmig und beißend hatte er seine Worte präsentiert.

„Dr. Home ich muss sie wohl nicht daran erinnern das sie an Bord der Iowa Pflichten haben. Zudem, ich möchte es so ausdrücken, ist die Iowa auch ihr Gnadenbrot.“ Ungewohnt scharf hallten die Worte von Lorek durch den Besprechungsraum der direkt an die Krankenstation grenzte.

„Beiße nicht die Hand, die dich füttert. Ich verstehe“. Home zwängte sich behebe nach oben und kam langsam in den Stand. Seine Augen funkelten vor kalter Wut, jedoch unterdrückte er den Drang noch etwas zu sagen und die Kuh damit auf noch dünneres Eis zu schieben.

„Es freut mich zu hören das sie es verstanden haben. Sie beginnen mit der ersten Schicht Dr. Home. Allen anderen wünsche ich eine gute Nacht.“ Lorek erhob sich elegant und schritt die wenigen Schritte bis zur Tür in erhabener Eleganz ab und war kurz danach verschwunden.

„So welches arme Schwein darf mit mir arbeiten und wer ist der erste auf der Liste.“ Home sprach mehr mit sich selbst und humpelte Richtung Ausgang zur Krankenstation.

 

SD 2417.195, kurz nach 16 Uhr, Erde, Schottland, Highland- Park- Stadium

Alan war nie ein Fan des Rugbys gewesen, es war sicherlich über viele Jahrhunderte der Gentlemans Sport. Aber irgendwie fehlte ihm immer der Biss. Er war sehr froh darüber, dass Sportarten die eigentlich schon als ausgestorben galten in den letzten Jahren eine Renaissance erlebten. So auch der American Football. Als Jugendlicher war er davon schon fasziniert und mit ein wenig Mühe gelang es ihm noch mehrere von dem Sport zu begeistern. So nutzte er die Chance mit seinen „Jungs“ während des Landurlaubs sich gepflegt im Dreck zu suhlen und einem Ei aus Kunstleder hinterher zu jagen.

Der Pass kam hoch und weit, Alan sprang nach oben öffnete seine beiden Hände um den Ball in Empfang zu nehmen als er einen gewaltigen Hit von der rechten Seite spürte. Jimmy Kallguhon, mehr Bulle als Mensch, hatte ihn über den Haufen gerannt und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der Schmerz zog beißend durch seine rechte Flanke und nahm Alan für kurze Zeit den Atem.

„Sorry Double- A, wir sind hier aber nicht beim Damen- Cricket.“ Jimmy schmunzelte, was trotz seines Helmes und Gesichtsmaske deutlich zu sehen war. Er streckte Alan seinen rechten Arm entgegen und halt ihm wieder auf die Beine.

„Du hast ja recht.“ Auch Alan entglitt ein schwaches Lächeln. Zumindest war es ihm gelungen vier Yards gut zu machen.

„Alan. Dein Kommunikator hat schon mehrfach gepiept und nach dem Treffer von eben ist es eh besser, wenn Du kurz pausierst.“ Larry Haggen brüllte ihm die Worte von der Ersatzbank zu.

„Ich komme.“ Behutsam und mit einem leichten Schmerz verließ er das Spielfeld. Wenig später wohl wissend das er es nicht mehr betreten würde. Prioritätsnachricht vom Starfleet Command, sie war knapp aber eindeutig sich an Bord der USS Iowa innerhalb der nächsten drei Tage einzufinden.

 

SD 2417.198, 19:35, USS Iowa, großer Konferenzraum auf Deck 6

Aufmerksam hatte er den Worten der Botschafterin gelauscht. Überraschender war jedoch die Reaktion der meisten Anwesenden. Natürlich kannte auch er die Tzenkethi, natürlich würde er keinen von ihnen auf einen Scotch und ein gutes Steak einladen, aber die Offiziere der Iowa schienen besondere finstere Erlebnisse gehabt zu haben. Er würde Toni Bretano später um genauere Informationen bitten. Die beiden hatten in den vergangenen Monaten der gemeinsamen Arbeitszeit auf der Iowa eine gute kollegiale Beziehung aufgebaut, er würde sogar fast so weit gehen und es eine Freundschaft nennen.

Der Umstand, dass die Iowa erbeten wurde, war auch für ihn auch ohne die Vorkenntnisse zu haben recht merkwürdig und er gewann den Eindruck das er nicht der einzige war dem es so ging.

Beteiligte Personen: Direkt: Lorek und Bretano.

SD 2417.197, 02:45 Uhr, USS Iowa, Luftschleuse auf Deck 8

 

„Halt, wer da? Parole!“ erschallte es durch den Verbindungsgang zwischen dem Werftkomplex und dem Schiff der Akira-Klasse.

Mancuso rollte mit den Augen, als ihm die voluminöse Stimme Jalak Kars in den Ohren klingelte.

„Was für eine verdammte Parole? Das Schiff liegt im Dock. Haben Sie Angst, dass es geklaut wird?“ raunzte der stellvertretende Sicherheitschef seinen Untergebenen an.

„Identifizieren Sie sich!“ schnauzte dieser noch weniger freundlich zurück und hob den Phaser.

‚Offenbar hat er gut aufgepasst, als das Thema Wache und Umgang mit widerspenstigen Personen besprochen worden war‘, freute sich Mancuso insgeheim, dass seine Leute in seiner Abteilung ordentlich auf Zack waren. Allerdings…

„Master Chief Mancuso, stellvertretender Sicherheitschef USS Iowa, und dass wissen Sie ganz genau, Petty Officer Second Class Jalak Kar. Woher zum Geier soll ich die Parole kennen? Wer hatte denn die Schnapsidee eine Parole auszugeben während der Anreisephase der Besatzung?“ Mancusos Laune war nicht die beste, da er die letzten Stunden in einem sehr kleinen, dafür aber geruchsintensiven Zubringerflug gesessen hatte.

 

Er war auf dem Aldebaran geblieben und hatte den Urlaub über vier Wochen am Strand verbracht.  Das schummrig-dämmerige Licht des roten Riesen verbreitete selbst zur Mittagszeit immer den Eindruck, dass der Sonnenuntergang unmittelbar bevorstand. Zusätzlich dominierte die rote Farbe. Generell konnte man sich eine Urlaubswelt kaum fremdartiger vorstellen. Aber er hatte seinen Spaß gehabt. Sein Hotelzimmer bot ihm weißes Licht der Sonne, die Bar jede Menge Drinks und der Strand jede Menge Gelegenheiten, Kontakt zu knüpfen. Alles war erholsam und entspannend. Zu erholsam, weswegen er nach zwei Wochen das Zimmer kündigte und auf Tour ging. Zwei Wochen Wildnis auf Aldebaran waren spannend, aufregend und sehr, sehr männlich.

Bis auf den Flug mit dem Orbitalzubringer. Die Sardinendose war klein, eng und schlecht klimatisiert, sodass die männlichen Folgen der zwei Wochen Wildnis zum Tragen kamen.

Eine Dusche stand ganz oben auf Wunschliste, gefolgt von seiner Matratze.

 

„Sie sind nicht Master Chief Mancuso, zumindest sehen Sie nicht so aus. Legen Sie die Tasche ab und heben Sie die Hände, sofort!“ Die Waffe richtete sich sehr bedrohlich auf Mancuso. „Jalak Kar an Sicherheit. Möglicherweise haben wir einen unberechtigten Betretungsversuch. Ich benötige Verstärkung.“ – „Hören Sie mit dem Quatsch auf und…“ – „Halten Sie den Mund. Auf den Boden legen, Arme seitlich ausstrecken, Handflächen nach oben. Beine übereinander legen.“

Mancuso hatte keine Lust auf diese Spielchen. Er kratzte sich am Kopf, wodurch ihm bewusst wurde, dass er eine Kappe trug. Gleichzeitig bemerkte er den doch eher stattlichen Bart. Dazu keine Uniform. Es war nachts kurz vor drei… ‚Scheiße‘, dachte er.

 

Kurz darauf waren Zito Mora und Qwiaa sowie zwei ihm unbekannte Crewman in Uniform der Sicherheit aufgetaucht. Noch ein wenig später war Mancuso mit den Händen auf dem Rücken gefesselt, festgehalten und bedroht – dafür heftig schimpfend – im Büro der Sicherheit in einer Arrestzelle gelandet.

Er war sich völlig sicher, dass seine Leute, insbesondere Qwiaa, ihn erkannt hatten. Spätestens in dem Moment, als sie ihm besonders liebevoll ins Kreuz trat, nachdem das Anlegen der Fesseln kommentiert hatte.

„Darauf habe ich mich schon lange gefreut, auch wenn der Ort in meiner Fantasie ein anderer war.“

Jetzt zogen sie das Ding nach Vorschrift durch, und zwar so genau, dass man das Lehrbuch erkennen konnte. Das letzte, was Zito und Qwiaa wollten, war es dem Master Chief die Möglichkeit zu geben, ihnen eine Verletzung der Pflichten vorzuwerfen.

Nachdem der Retina-Scan – der offenbar auf maximaler Leistung, also knapp vor Supernova, durchgeführt wurde – seine Identität offiziell bestätigte, wurde er frei gelassen.

„Ha ha, sehr witzig. Ich bin zu müde, um Euch jetzt meine Meinung über diese Nummer mitzuteilen. Das holen wir morgen nach. Und Ihr zwei Grünlinge, lasst Euch von den drei angeblich erfahrenen Mitgliedern meiner Abteilung erklären, welche Folgen es hat, mich zu verärgern.“

 

Beteiligte Charaktere: NPCs der Sicherheitsabteilung

 

 

SD 2417.198, 19:58 Uhr, USS Iowa, großer Konferenzraum auf Deck 6

 

Da Suval nicht den Eindruck machte, über ihre Entscheidung, ihn zum Sicherheitschef zu machen, diskutieren zu wollen, und Momoas Reaktion auf seine eher flapsige Bemerkung eher heftig ausfiel, sowie die Anwesenheit einer außerhalb der Crew stehenden Botschafterin, unterließ es der neue Sicherheitschef, noch einmal den Mund zu öffnen.

 

‚Tzenkethi-Prime also‘, dachte sich Mancuso und juckte sich den Bart.

Er hatte am Morgen erst einmal Abstand davon genommen, seine Gesichtsbehaarung zu stutzen oder zu entfernen. Tatsächlich hatte ihn der Blick in den Spiegel eine Erklärung geliefert, warum Jalak Kar die Gelegenheit ergriff, ihn nicht erkennen zu wollen, aber er konnte sich der Faszination nicht entziehen. Er fand, dass er durch den dichten Vollbart anders wirkte. Seine Mimik war nicht mehr so leicht zu erkennen, was er als deutlichen Vorteil erkannte, außerdem war der eine oder andere Blick Qwiaas durchaus interessant gewesen, sodass sich gewisse Optionen ergeben konnten. Außerdem sah es sehr erhaben aus, wenn Mancuso sich am Bart kratzte, dabei in die Ferne starrte und so den Eindruck vermittelte, nachdenklich zu sein. Aber der Bart juckte wirklich, störte beim Essen und wies mehr graue Abschnitte auf als Mancuso lieb war. Eine abschließende Entscheidung war noch nicht gefallen. Potential war in jedem Fall vorhanden, womit sich die Frage stellte, wieso er nicht eher auf die Idee gekommen war, sich einen Bart wachsen zu lassen.

 

Die  Botschafterin hatte gesagt, was sie sagen konnte, oder wollte. Suval hatte die Besprechung beendet, den Befehl zum Abflug erteilt und die Abteilungsleiter losgejagt, sich um ihre Abteilungen zu kümmern.

„Damit meine ich auch den Sicherheitschef“, sagte Suval, ohne von ihrem PADD aufzusehen, auf dem sie sich offenbar Notizen machte.

„Ich hätte deswegen noch Gesprächsbedarf, Captain.“ – „Gesprächsbedarf? Oder wollen Sie meckern?“ Mancuso schniefte hörbar durch die Nase und erreichte damit, dass Suval mit dem Schreiben innehielt. „Keine Ahnung, was Sie meinen, Ma’am.“ – „Natürlich nicht.“ Sie legte demonstrativ alles aus der Hand. „Also, Master Chief?“ – „Mein Stellvertreter.“ – „Schlagen Sie jemanden vor.“ – „Ein administrativer Assistent.“ – „Was?“ – „Eine Sekretärin für den Papierkram.“ – „Von mir aus.“ – „Sicherheitseinweisung für das Botschaftspersonal?“ – „Mit jedem Quäntchen Respekt, dass Sie irgendwo zusammenkratzen können. Ich will keine Klagen von der Botschafterin hören.“    „Mehr Geld und Urlaub?“ – „Vergessen Sie’s.“ – „Ich geh dann an die Arbeit.“ – „Tun Sie das. Spätestens morgen Mittag will ich Ihre Vorschläge hören.“

 

Mancuso stapfte aus dem Konferenzraum. „Zum Glück bin ich ja ein sonniges Gemüt, sonst könnte ich auf die Idee kommen mir über das Dasein als Chef Sorgen zu machen. Mal sehen, wie sehr sich die Truppe darüber freut…“

 

Beteiligte Charaktere: Suval, Momoa, alle Senioroffiziere

SD 2417.198, 21:58, USS Iowa, auf dem Weg zum Hangarmodul

Wie sonst auch unmittelbar vor dem Start zu einer neuen Aufgabe gab es viel zu tun an Bord. Die logistische Maschinerie rund um das Schiff lief auf Hochtouren und die Iowa selbst glich einem Bienenstock, den jemand durch heftiges Schütteln zum Summen gebracht hatte. Und während ihr Erster Offizier sämtliche noch ausstehenden Arbeiten von der Brücke aus koordinierte, nutzte Suval die Gelegenheit, einen Rundgang durchs Schiff zu absolvieren und sich die Situation jeweils vor Ort zu besehen. An Schlaf war in dieser Nacht ohnehin nicht zu denken.

Im Maschinenraum ging es dabei gegenwärtig noch am ruhigsten zu. Wie nicht anders angenommen hatte die technische Abteilung nicht erst mit dem eingehenden Befehl des Oberkommandos die Arbeit aufgenommen. Ein Großteil der gelb Uniformierten verweilte bereits länger wieder an Bord und hatte den Technikern des Docks wenigstens über die Schultern gesehen. Sie mochten es einfach nicht, wenn fremde Hände in den Eingeweiden ihres Schiffes herum pfuschten und im besten Ansinnen womöglich irgendetwas noch verschlimmerten, dessen Optimierung Monate, Jahre - ach was, Äonen - gedauert hatte. Natürlich wurden die Schiffe einer Klasse nach einem einheitlichen Bauplan zusammen geschraubt, nichtsdestotrotz entwickelte sich jedes einzelne im Laufe seiner Einsatzzeit zum Einzelstück - dank äußerst findiger Techniker und Ingenieure, die für unvorhergesehene Probleme kreative Lösungen entwickelten. Und die Iowa war in den nunmehr sechzehn Jahren ihrer Dienstzeit schon etlichen unvorhergesehenen Problemen begegnet...

Ganz anders sah es in der Sicherheitsabteilung aus. Tatsächlich war der überwiegende Teil des neuen Personals hier untergekommen, wodurch die Abteilungsgröße fast verdoppelt wurde. Angesichts ihres mittlerweile bekannten Ziels nicht ganz überraschend, jedoch aus Suvals Sicht nur bedingt beruhigend. Hauptaufgabe der Grünhemden bestand nun in den kommenden zwei Tagen darin, sich gegenseitig zu beschnuppern und dabei adäquat auf den Einsatz vorzubereiten. Erfahrungsgemäß würde Mancuso hierfür die eine oder andere Trainingssequenz durchführen.
Dem inbegriffen war die Sicherheitsplanung für die diplomatische Delegation. Suval hatte sich unmittelbar nach der Einsatzbesprechung die Zusammensetzung der Abordnung und die Dossiers der einzelnen Mitglieder angesehen. Botschafterin Talera selbst war in Bezug auf die Tzenkethi ein eher unbeschriebenes Blatt - eine gewisse Unbefangenheit konnte sicherlich Vorteile bieten. Mögliche Unkenntnis im Umgang mit den Tzenkethi konnte sie hingegen dadurch ausgleichen, dass zwei ihrer Mitarbeiter aus dem ehemaligen Stab Botschafterin Almorits stammten, die während der Besetzung die Vertretung der Föderation auf Tzenkethi Prime geleitet hatte. Besonders aufgefallen war Suval jedoch der Pressesprecher der Botschafterin - ein viel zu bekannter Andorianer namens Breel mit einem aus ihrer Sicht zweifelhaften Ruf, dessen Anwesenheit an Bord Ärger versprach. Doch diesem würde sie sich später widmen...

Schließlich erreichte sie die sekundäre Flugkontrolle im Hangarmodul, grüßte den anwesenden Flugleitoffizier und blickte durch das breite Fenster auf das eine Ebene unter ihr befindliche Landedeck. Der Zeitpunkt des Erscheinens war günstig - soeben passierten zwei der Venatrix-Jäger das terminale Hangarschott, um mit beachtlichem Fingerspitzengefühl der Piloten auf der Nachladevorrichtung der Katapulte zu landen. Ein insgesamt gut durchdachtes Konzept, das in diesem neuen Modul verwirklicht worden war, wie sie befand.
"Ah, Captain. Bewundern Sie unsere neueste Errungenschaft?" Matthew Rua hatte soeben den Raum betreten und gesellte sich kurzerhand zu ihr.
"Bewunderung trifft es durchaus, Commander. Die technische Umsetzung ist simpel wie konsistent und die taktischen Möglichkeiten, die eine Verdopplung der Jägeranzahl mit sich bringt, sind unschätzbar."
"Wollen wir hoffen, dass wir sie nicht brauchen."
Suval nickte stumm, teilte sie doch die Hoffnung des jungen Ingenieurs. "Wie kommt es aber, dass Sie hier sind, Commander? Gibt es Probleme bei der Implementierung des Moduls?"

SD 2417.199, 00:32, auf dem Weg zur Krankenstation

"Was für ein Arschloch!" Frust lag in diesen Worten, die Suval schon vernehmen konnte, noch bevor sie den Aussprechenden um die Gangbiegung kommen sah. "Der hat doch allen Ernstes..."
"Ich hab's gehört. Wie so ein Typ überhaupt Arzt in der Sternenflotte..." Die beiden Crewman kamen während ihres emotional aufgeladenen Dialogs immer näher, verstummten jedoch in dem Augenblick, als sie der Rangabzeichen Suvals ansichtig wurden. Ganz offensichtlich waren die beiden neu an Bord und hatten ihren kommandierenden Offizier bisher noch nicht kennen gelernt - nun hatten sie dies hinter sich und es hätte nicht viel unangenehmer laufen können. Beide nickten grüßend und mit einer dezenten Verlegenheit im Blick. Die Rihanna nahm jedoch an dem Gesagten an sich keinen Anstoß - viel relevanter war für sie die offensichtliche Ursache für die Äußerungen. Da sie aber ohnehin auf dem Weg zur Krankenstation war, konnte sie dem Problem sogleich auf den Grund gehen. Sie erwiderte den Gruß und ging an den beiden vorbei, nur wenige Schritte später das medizinische Zentrum der Iowa betretend.
Sich kurz umblickend bemerkte sie drei weitere, gelangweilt wirkende Crewmitglieder, die augenscheinlich schon länger auf ihre Eingangsuntersuchung warteten - doch niemand des medizinischen Personals war in Sichtweite. Sie erkundigte sich bei den Wartenden, wer gegenwärtig der leitende medizinische Offizier war und wandte sich nach gegebener Auskunft schließlich dem Büro des Diensthabenden zu.

"Warten Sie draußen, bis Sie dran sind. Ich mach' gerade meine zehn Minuten Pause, die mir laut Arbeitsvertrag alle zwei Stunden zustehen", maulte Geoffrey Home, tief im bequemen Stuhl vor dem Schreibtisch versunken, die Beine auf selbigem übereinander drapiert, die Hände hinter dem Kopf gefaltet, als sich die Tür wieder schloss. Er sah nicht, wer eingetreten war, denn er hatte die Augen geschlossen und saß sowieso mit dem Rücken zur Tür.
"Dann bringe ich den hiesigen Zeitplan ja nur unwesentlich durcheinander", entgegnete Suval mit einer Autorität in der Stimme, die seine Haltung absolut konterkarierte. Die Kommandantin hatte in ähnlichen Situationen schon verschiedene Reaktionen erlebt - von peinlicher Berührtheit, dem Stammeln einer Entschuldigung bis zum hektischen Haltung annehmen. Home bildete da nicht nur heute eine Ausnahme - er rutschte noch tiefer in den Stuhl, um bequem den Kopf in den Nacken zu legen und hievte mühsam das eine Bein vom anderen. "Machen Sie sich bitte keine Mühe, aufzustehen, Doktor", setzte sie mit ihr untypischem Sarkasmus hinzu und kniff leicht die Augen zusammen, während sie um ihn herum und in sein Blickfeld trat.
"Hatte ich ohnehin nicht vor." Er neigte den Kopf wieder nach vorn und legte, den erwartungsvollen Blick nun auf sie gerichtet, die Hände in den Schoß. "Was verschafft mir denn die Ehre, Captain? Wieder Schlafprobleme?" - "Höchstens Ihretwegen, aber nicht einmal das. Weshalb?" - "Nun ja, eingedenk der Uhrzeit..." - "Sie wissen, dass wir in weniger als vier Stunden ablegen." - "... und dann auf dem Weg zu Ihren besten Freunden sind."
Urplötzlich geriet die von Home taktisch klug geführte Konversation ins Stocken und die dezente Mischung aus Enervierung und Verärgerung in ihrem Gesicht wurde kurzzeitig von einem dunklen Schatten überlagert, um anschließend völliger Ausdruckslosigkeit zu weichen.
Nach einem Moment des schweigsamen Beobachtens nahm er den Anfang der Unterhaltung wieder auf und bewies, dass ihm die mimische Änderung keineswegs entgangen war - und er sie, anders als sonst, auch nicht zu ignorieren gedachte. "Alternativ wollen Sie einfach nur meine Arbeit kontrollieren."
"Nachdem, was ich eben auf dem Gang zu hören bekam, erscheint das dringend nötig", entgegnete sie, nicht undankbar für den Themenwechsel. Die Ausdruckslosigkeit jedoch blieb.
"Das sind doch alles Weicheier..."
"Doktor Home", unterbrach sie ihn in einem Tonfall, der selbst bei ihm ganz tief im Unterbewusstsein eine Alarmglocke zum Klingeln brachte.
"Ja, schon verstanden. Respekt und so...", entgegnete er mit zurückhaltender Ergebenheit.
Suval wunderte es einmal mehr, dass der Arzt wieder an Bord war. Nach jedem Landurlaub in den vergangenen neun Jahren rechnete sie damit, dass er dem Schiff fern blieb. Seine Bewährungszeit war längst vorbei, ihm stand die Möglichkeit offen, ohne Konsequenzen an seinen alten Arbeitsplatz auf der Erde zurück zu kehren. Und doch tat er es nicht. Offenbar faszinierte ihn irgendetwas an der Iowa - vielleicht hatte er hier so etwas wie eine Familie gefunden, was er sicherlich nie zugeben würde. Vielleicht auch empfand er es als eine Herausforderung - nicht im medizinischen Sinne, sondern vielmehr im sozialen. Oder er betrachtete sich als Herausforderung an seine Kollegen, in ihrer homogenen gesellschaftlichen Struktur selbst eine so anstrengende Individualität wie ihn zu akzeptieren. Für Suval schien die letzte die wahrscheinlichste aller Erklärungen, war sie wohl am ehesten mit seinem Ego vereinbar und hatte er ihr gegenüber zumindest einmal die Meinung vertreten, dass die vermeintliche Individualität hinter der Uniform bei den meisten Sternenflottenangehörigen keineswegs so ausgeprägt schien, wie viele gern glaubten. Aber das war seine Sicht der Dinge.

"Und jetzt machen Sie sich an die Arbeit, Doktor. Ich glaube, Ihre zehn Minuten sind um." Mit einem Grummeln begann er behäbig seine Beine vom Tisch zu sammeln, als ihr das in seinem Gesicht langsam entstehende, wie entrückt wirkende Lächeln auffiel.
"Und ich glaube, Ihre Routineuntersuchung steht noch aus." - "Ich komme darauf zurück, wenn Doktor Lorek mir einen Termin hat zukommen lassen." - "Aber Captain, SIE müssen doch nicht auf einen Termin warten. Wenn Sie schon einmal hier sind..." Das Lächeln wuchs in die Breite und schürte Misstrauen. Doch obgleich Geoffrey Home den Eindruck erweckte, Respekt nicht einmal buchstabieren zu können und im zwischen"menschlichen" Kontakt nahezu als inkompetent galt, ließ er es zumindest in seiner Tätigkeit als Arzt nie an professioneller Einstellung mangeln. Zumindest dahingehend hatte Suval nichts zu befürchten. Aber woher kam diese plötzliche Bereitschaft, versuchte er doch erfahrungsgemäß, sich vor den notwendigen, aber aus seiner Sicht langweiligen Routineaufgaben an Bord zu drücken?
Eine gewisse Neugier ihrerseits bahnte sich den Weg an die Oberfläche. Das den Gedankengang begleitende, anhaltende Schweigen interpretierte der Arzt schlussendlich und folgerichtig als Einverständnis. Vielleicht ließ sich ja etwas über seine Intention bezüglich seines plötzlichen Sinneswandels herausfinden.
"Behandlungsraum zwei. Gehen Sie schon mal vor... bitte." Und Suval wandte sich um. Den angedachten Kommentar, dass vor der Tür bereits drei Personen seit längerem zu warten schienen, strich sie umgehend - er wäre ohnehin auf taube Ohren gestoßen.

SD 2417,199, 3:48, Brücke der Iowa

Vor weniger als einer Stunde waren vom Oberkommando unter höchster Geheimhaltung die Einsatzbefehle eingetroffen und zu diesem Zweck hatte sich das Führungsduo in den Bereitschaftsraum zurückgezogen.
Die Botschafterin hatte bereits angedeutet, dass das Interesse der Tzenkethi, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, für den zivilen Teil der Föderation recht überraschend gekommen war. Selbiges galt wohl für den militärischen Teil - dementsprechend hatte man sich bis zuletzt die Zeit genommen, die Befehle zu Papier zu bringen. Erwartungsgemäß und selbstverständlich lag das Hauptaugenmerk der Sternenflotte nicht auf der Diplomatie - dafür hatten sie die Botschafterin an Bord - sondern in der sinnvollen Ergänzung dieser. Die Iowa sollte die Gelegenheit nutzen, sich möglichst unauffällig umzusehen. Zwar gab es einige Informationen aus einzelnen Spionageeinsätzen, doch diese waren spärlich und ein umfassendes Bild der Entwicklung gaben sie schon gar nicht ab - wenngleich es genügte, um das, was Talera mitgeteilt hatte und eine offizielle Darstellung der neuen Regierung der Tzenkethi war, als Lügen zu straften. Der Bevölkerung schien es alles andere als gut zu gehen und inwieweit die Demokratisierung tatsächlich das gesamte Volk umfasste, war fraglich. Aber zumindest die Tzenkethi selbst schienen zu glauben, was ihre Regierung deklamierte. Ob man der Iowa während ihrer offiziellen Anwesenheit auch nur ein Märchen präsentierte oder inwieweit es ihr gelingen würde, hinter diese Fassade zu schauen und den tatsächlichen Zustand der Situation zu erfassen, würde sich zeigen.
Zumindest hatte man quasi einen Fuß in der Tür und die vorliegenden Order eröffneten einen beträchtlichen Handlungsspielraum.
Im Rahmen der Diskussion hierüber waren auch einige andere Fragen und Anmerkungen auf dem Tisch gelandet, welche die beiden kommandierenden Offiziere in den vergangenen Stunden bewegt und jetzt einander mitgeteilt hatten.

Gemeinsam mit ihrem Ersten Offizier betrat die Kommandantin nun die Brücke - Bretano hatte kurz zuvor die Meldung des Docks weitergeleitet, dass die Arbeiten an der Iowa beendet seien und einem Start nichts mehr im Wege stehe. Überraschenderweise wartete Botschafterin Talera bereits, als wolle sie sicherstellen, dass der Starttermin nicht verpasst würde. Doch Suval ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und nahm in ihrem Sessel Platz, um das Startprotokoll durchzugehen, zu welchem trotz unorthodoxer Uhrzeit sämtliche Offiziere der Alphaschicht die Stationen besetzten.
"Status?"
"Die Crew ist vollzählig", meldete Momoa als erster. "Die medizinische Abteilung gibt jedoch zu Protokoll, dass die Feststellung der Raumdiensttauglichkeit noch nicht komplett erfolgt ist."
"Beladung und Betankung abgeschlossen."
"Impuls und Warp stehen zur vollen Verfügung, Trägheitsdämpfung und strukturelle Integrität bei einhundert Prozent."
"Primäre Offensiv- und Defensivsysteme in Standby."
"Alle acht Jägerstaffeln inklusive Ersatzmaschinen sind an Bord."
"Kurz- und Langstreckensensoren funktionieren nominal."
"Sämtliche sonstigen Systeme arbeiten einwandfrei. Keine Fehlermeldungen bei den abschließenden Tests."
Die Kommandantin nahm die Meldungen nacheinander mit einem Nicken zur Kenntnis.
"Abdockerlaubnis einholen."
"Liegt bereits vor, Captain." Suval quittierte den vorauseilenden Gehorsam mit einer gewölbten Braue in Richtung Bretano. "Man wünscht uns guten Flug."
"Lieutenant Varella, aufgrund der gebotenen Eile wurde Transwarpgeschwindigkeit genehmigt." Die junge Denobulanerin schien mit einem Mal in ihrem Stuhl zu wachsen, da dieser Befehl ein Novum für sie darstellte. "Abdocken und Kurs setzen."

Und während tief im Inneren das vertraute Brummen einsetzte, mit dem die Iowa sprichwörtlich wieder zum Leben erwachte, machte sich Suval eine gedankliche Notiz, Irini am Morgen zu bitten, für denselben Abend ein Dinner für die Botschafterin zu organisieren, an dem auch die Senioroffiziere teilnehmen sollten. Dem Protokoll musste schließlich Genüge getan werden.

Beteiligte: Rua, Home, Momoa und eine gemeinschaftliche Kekstüte für alle

SD 2417,199, 6:55, Irinis Quartier
Knapp 7 Stunden hatte die Elaurianerin geschlafen und sie fühlte sich erholt. Alle Verspannungen hatten sich gelöst und sie träumte noch einige Minuten mit geschlossenen Augen vor sich hin. Sie gab sich einer Beschäftigung hin, die sie in den vergangenen Jahren an Bord diverser Schiffe zur Perfektion gebracht hatte. Sie nannte es „Lauschen am Bienenstock“. So wie der Imker durch diese Handlung die Gesundheit eines Bienenstocks prüfen konnte, so war sie in der Lage, die Grundstimmung einer Schiffsbesatzung am mentalen Rauschen zu erkennen.
Sie lauschte, vorerst nur unfokussiert. Doch allmählich störte sie etwas und ihr fiel eine Wahrnehmung von kurz vor ihrem Einschlafen wieder ein, die sie mit „Morgen. Nicht jetzt.“ kommentiert und in den Stack geschoben hatte.
Jetzt war morgen.
Und sie lauschte konzentrierter.
Etwas war anders.
Etwas fehlte.
Es fühlte sich an… als ob… die… Stimme der Königin… verstummt war.
Eigenartig, neuartig, fremdartig.
Abrupt schlug sie die Augen auf.
‚Na gut. Das wird sich klären lassen. Zu gegebener Zeit.‘ Zumindest interpretierte sie es vorerst nicht als bedrohlich.

Irini genoss wie üblich ihre morgendliche Dusche und ein leichtes Frühstück. Dann packte sie die mitgebrachten Schätze aus ihrer voluminösen Tasche aus und sortierte sie in mehreren Stapeln auf ihre Liege.
Dabei kommentierte sie murmelnd ihre Handlungen.
„Das für Dr. Troxop, dies für die Replikatoren in der Bar und im Offizierskasino, diverse Soloreplikatoren, die Beratungs- und Imbissräume in den Abteilungen, das für mein Logbuch.“
Ein zufriedenes Lächeln umspielte die Lippen der Barkeeperin, als sie an den Erfolg der vergangenen Wochen dachte. Einem großen Ziel war sie näher gekommen, oder besser, eigentlich war es fast geschafft, was viele, viele Jahrzehnte Arbeit gekostet hatte. Die Sicherheit, dass ihre Spezies trotz des Verlustes der Heimatwelt überleben würde, gab ihr Kraft. Knapp 2 Millionen Elaurianer auf Außenmissionen hatten den brutalen Vernichtungsschlag der Borg überlebt. Sie waren zerstreut in allen Quadranten der Galaxis, was es enorm erschwert hatte, sie aufzufinden und Kontakt herzustellen. Aber über eine Art Netzwerk, das die verschiedensten Techniken nutzte, waren letztendlich alle gefunden worden. Sicher, sie würden sich weiterhin in die Gastgebervölker integrieren und letztendlich in ihnen aufgehen. Aber alle hatten einstimmig beschlossen, das Erbe in jeder Form zu bewahren.
Zwei Teile davon hatte Irini zur Iowa gebracht. Den Teil für Dr. Troxop und den Teil für ihr Logbuch.
Sie würde davon einen ausführlichen Beitrag für die Archive in Memory Alpha aufbereiten. Und wie sie den denobulanischen Biologen kannte, würde er sich über ihre Mitbringsel enorm freuen.

2 Stunden später, Blueberry Bar
Irini war gerade dabei, die Tagesvorräte zu inspizieren, als sie mit halbem Ohr das zarte Summen-Quietschen der Bartür vernahm.
‚Das ist also immer noch da, wie hübsch‘ kommentierte sie mental den Ton.
Dann aber richtete sich ihr Blick wie von selbst nach oben, ausgelöst durch eine körperliche Annäherung, und sie erschrak leicht.
Vor dem Tresen stand die Kommandantin des Schiffes, mit obsidiangleich glänzenden Augen im unbewegten Gesicht. Und ohne ihre seit Jahren zu spürende Aura.
‚Da ist also die verstummte Königin‘ dachte Irini und erkannte den Grund und das Ausmaß der Veränderung. Erleichterung machte sich in ihr breit und sie lächelte der Rihanna verhalten zu.
„Guten Morgen, Fvienn“ grüßte sie und benutzte dabei wie gewohnt in ihrem Ambiente den Vornamen der Frau. „Und willkommen zurück.“ ‚Woher auch immer.'
„Guten Morgen Irini. Ich freue mich, Sie zu sehen.“ Das unbewegte Gesicht strahlte jetzt eine Freude aus, ohne dass sich ein einziger Muskel bewegt hatte. „Und ich bringe Grüße.“
Irini hob eine Braue und bedeutete Suval, ihr zu folgen.
Die beiden Frauen bogen um mehrere Ecken der an den Außenwänden eingerichteten Nischen und Inseln bis in die hinterste Abteilung. Auf dem von vier bequemen Sesseln umrahmten Tisch stand ein angefangenes Kal-toh, eines jener kryptischen, extrem schwer lösbaren und viel Zeit verschlingenden vulkanischen Puzzles, die bis zur Vollendung einer wirren dreidimensionalen Ansammlung von Stäbchen glichen. Irini hatte es vor neun Jahren dort aufgestellt und damit quasi ein „Reserviert"-Schild installiert. Hierher kam nur jemand, der allein sein wollte, hier saßen nie die Geselligen beim Trinken und Schwatzen. Und allen Neulingen wurde dies beizeiten beigebracht.
Die beiden Frauen ließen sich nieder und Irini schaute Fvienn fragend an. Neugier regte sich, wer mochte sie grüßen.
„Ich bringe Grüße von den Herren des Hohen Berges über der Blauen Quelle.“
‚Da war sie also gewesen.‘ Und Dankbarkeit durchströmte sie.
„Ich danke den Alten Meistern für Ihre Genesung“ sagte Irini förmlich.
„Sie beendeten nur, was Sie begannen, Irini. Und dafür bin ich Ihnen dankbar. Es hat einiges für mich erleichtert.“
Irini bezweifelte das zwar, aber sie freute sich dennoch. Wie oft und wie lange in den vergangenen Jahren hatte sie versucht, diesen zutiefst verletzten Geist zu beruhigen, dass sie ihn nicht heilen konnte, hatte sie früh erkannt.
Wie oft war sie mit Feindseligkeit seitens der Menschen konfrontiert gewesen, die ihre Inkompetenz bei diesem Problem nicht einsehen wollten und andererseits Irinis Hilfe ablehnten. Über die Jahre hatte sie den Geist der Rihanna zusammengehalten und mitgeholfen, ihre Diensttauglichkeit zu bewahren. Nun war es vollbracht.
Ein Seufzer der Erleichterung entflog ihren Lippen und sie schloss kurz die Augen.
‚Gelobt seien die Elemente.‘
„Und ich soll Sie von S‘kal grüßen.“
Überrascht riss Irini ihre schwarzen Augen auf.
„S‘kal?“ ‚Bei den Elementen, wie lange war das her? Ewig!‘
„Ja“ entgegenete Suval trocken. „Sie gewährten mir die Erlaubnis zu einem kurzen Kontakt in der Halle der Gedanken. Sie haben offensichtlich bei den Alten Meistern einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“
„Das glaube ich gern“ schmunzelte Irini und dachte an diese Zeit zurück, die Äonen in der Vergangenheit zu liegen schien. Sie hatte damals für einigen Trubel gesorgt, aber die Meister hatten nach einigem Zögern die Herausforderung angenommen.
Suval formulierte einige Worte auf altvulkanisch, nicht ganz korrekt ausgesprochen, aber verständlich.
„Was so nennen sie mich? Der leuchtende Geist aus der Fremde?“ sie lachte herzlich, denn das hatte sie nicht gewusst, und wurde abrupt wieder ernst.
„Ich fühle mich geehrt“ sprach sie die traditionelle Formel, die trotz des Wortes nicht wirklich mit Gefühlen zu tun hatte.

Einen Moment ließ Irini das Gehörte einsinken, dann reichte Suval ein PADD über den Tisch.
„Ich habe eine Aufgabe für Sie als Protokollbeauftragte. Alle nötigen Informationen finden Sie hier. Soviel nur vorab, wir haben eine vulkanische Botschafterin mit ihrem diplomatischen Stab an Bord und ich möchte heute Abend einen informellen Botschafterempfang geben. Ich dachte an ein Dinner im großen Konferenzraum. Der Ort erscheint mir passend. Wenn Sie dazu andere Vorstellungen haben, lassen Sie es mich bitte wissen.“
„Der große Konferenzraum erscheint mir etwas nüchtern, auch wenn er als Offizierscasino gedacht ist. Das würde zwar der vulkanischen Mentalität entsprechen, aber die Ausgestaltung wäre etwas kompliziert in Anbetracht der Zeit. Ich weiß aber, dass die Vulkanier die irdische Form eines Galadiners schätzen, solange es nicht zu pompös und überladen daherkommt, obwohl sie es nie, nie zugeben würden. Sie sind allesamt Ästheten, die so etwas durchaus zu würdigen wissen. Ich würde also ein Holodeck vorschlagen, vielleicht mit andalusisch-maurischer Ausstattung. Barock erscheint mir zu schwülstig und Rokoko ist zu verspielt.“
Suval erhob sich. „Ich lasse Ihnen wie immer freie Hand, Irini.“
Die Elaurianerin nickte. „Danke. Die Teilnehmerliste?“
Ein kurzer Wink Suvals zeigte auf das PADD.
Nun stahl sich doch noch ein leichtes Grinsen in Suvals Gesicht. „Und bitte erschrecken Sie Mancuso nicht.“
Sprachlos starrte Irini der Kommandantin hinterher. ‚Wie meint sie das denn?‘

Irini erhob sich und ging wieder nach vorn.
Dann betrat sie die Pantry hinter der Bar, wo sie auf Mr. Beddoes traf.
„Hallo Mr. Beddoes, wie schön Sie gesund und munter zu sehen. Wie war ihr Urlaub?“
Der Alte murmelte etwas von zu kurz, mieses Wetter und Rugby wäre auch nicht mehr das, was es mal war.
„Oh das tut mir leid.“
„Ach was, ich muss nur hin und wieder ein wenig Dampf ablassen. Nehmen Sie es bitte nicht so wörtlich, Miss Irini. Ich freue mich auch, Sie gesund und munter zu sehen. Ich hoffe, Ihr Urlaub war besser als meiner.“
Er schmunzelte, als Irini murmelte: „Nicht wirklich, abgesehen von Rugby.
Mr. Beddoes, wir werden für heute Abend ein Botschafterdinner vorbereiten. Mir schwebt auch schon so einiges vor. Hätten Sie etwas dagegen, sich den Gästen intensiver als gewöhnlich zu widmen?“
„Natürlich nicht, Miss Irini. Aber das wissen Sie doch.“
„Natürlich weiß ich das Mr. Beddoes. Sie sind für mich der Inbegriff des englischen Butlers in Vollendung. Und deswegen frage ich. Das wird unsere Überraschung des Abends, abgesehen vom Essen.“
Irini erläuterte kurz ihre Idee und Bedoes errötete tatsächlich ob des Lobes und der Idee.
„Ich fühle mich geehrt.“
„Also stimmen Sie zu?“
„Selbstverständlich, es wird mir zudem ein Vergnügen sein.“ Ja, das versprach es tatsächlich zu werden.
„Ich gehe dann mal, die Einladungen zu formulieren. Bis später, Mr. Beddoes.“

Beteiligt: Suval

SD 2417.199, 07:45 Uhr, USS Iowa, Hauptquartier der Sicherheit (Mancusos Höhle)

 

Mancuso musterte den Deckplan, welcher auf den großen Schreibtisch projiziert wurde und kratze sich am Bart, beziehungsweise am Kinn, das unangenehm juckte.

„Also, Commander? Ich möchte von Ihnen gern wissen, WIE wir das machen und nicht, warum es nicht geht.“ Der neue Sicherheitschef wirkte ein wenig gereizt.

„Vorausgesetzt, Captain Suval stimmt zu…“ – „Kein Problem“, unterbrach Mancuso den Chefingenieur unhöflich, wovon sich dieser aber nicht aus der Ruhe bringen ließ unter einfach fortfuhr. „…und ist bereit, den normalen Ablauf auf drei Decks lahmzulegen, eine Explosion an Bord zu gestatten und dazu möglicherweise die Botschafterin zu nerven, dann kriegen meine Leute das hin. Zwei Stunden Vorbereitung.“ – „Das wollte ich von Ihnen hören.“ – „Sehen Sie das nicht ein wenig optimistisch hinsichtlich der Explosion, Chief?“

 

Mancuso kniff die Augen zusammen. „Wenn wir damit aufhören würden, es ‚Explosion‘ zu nennen, wäre es um vieles einfacher.“ Seine Augenbrauen hoben und senkten sich um das Wort Explosion herum. „Ein Knall, ein wenig Rauch, viel Leuchten, mehr will ich gar nicht. Ich will kein Loch im Rumpf, Feuer im Schiff oder Dekompression in Wirklichkeit.“

Rua seufzte. „Diesmal nicht, Chief. Meine Beobachtungen der letzten Jahre zeigten, dass Sie dazu neigen, gewisse Dinge … eskalieren zu lassen.“ – „Ich würde nie das Schiff gefährden.“ – „Deswegen sage ich es Ihnen. Eine Verbrennung mit einer Geschwindigkeit von mehr als eintausend Meter pro Sekunde nennt man nun mal Explosion. Der Captain ist da ein wenig reserviert.“ – „Und der XO eigen, ich weiß… Deswegen möchte ich ja, dass Sie diese Vorrichtung bauen. Ich will das nicht, der Captain will das sicher nicht und Sie, Commander, wollen es mit absoluter Sicherheit nicht, dass ich anfange zu basteln.“

Zum Seufzen gesellte sich ein Kopfschütteln. „Hören Sie, ich verstehe ja, dass Sie unter realistischen Bedingungen üben wollen. Mir ist auch bewusst, dass die Iowa für die ganzen Neulinge im wahrsten Wortsinn Neuland ist. Aber gleich eine Explo…“ Rua unterbrach sich. „Eine Simulation eines Treffers mit Hüllenbruch. Eigentlich sind wir damit beschäftigt, den Mist wieder gerade zu biegen, den die Wertftheinis angerichtet haben.“

 

„Commander, wir fliegen in einen Einsatz, in dem wir tatsächlich von einem Torpedo getroffen werden könnten. Ich will doch nur, dass die ganzen Frischlinge an Bord wissen, wo die Schutzanzüge, die Luftschleusen und Jeffries-Röhren verlaufen.“ – „Diplomatische Mission, Mancuso! Reden, Häppchen, schlechte Witze in endlosen Reden.“ – „Mit Tzenkthi, Klingonen und Romulaner!“

„Hören Sie doch auf. Sie erwarten doch immer, von irgendjemanden beschossen zu werden.“ – „Weil auch ständig irgendjemand auf mich schießt, Dinge nach mir wirft oder sonst wie versucht, mich umzubringen!“ – „Vielleicht sollten Sie Ihre soziale Interaktion überdenken!“ – „Commander…“

 

Die Stimmung drohte zu kippen. Rua sah eine Million kleine, mittlere und große Reparaturen auf sich zukommen. Er hatte einfach keine Lust, zur Befriedigung von Mancusos neuen Machtgelüsten seine Techniker eine Dekompressionsübung durchführen zu lassen. Captain Suval und Commander Momoa hielten das aber für eine gute Idee. ‚Warum nicht im Holodeck?‘, hatte der Chefingenieur gefragt. Mancuso sprach von zu wenig Realismus. Wenn die Leute wissen, dass es eine Übung ist, verhalten sie sich auch so. Es fehle die tödliche Gefahr. Genau das fand Rua ja auch gut und richtig. Allerdings hatte der Captain Mancuso zugestimmt und mehr oder weniger grünes Licht gegeben. Doch hinsichtlich der Explosion – und ja, verdammt, es war, ist und wird immer eine sein! – hatte sie bestimmt weder eine Ahnung noch würde sie das gutheißen.

 

Rua winkte ab. „Ich bau Ihnen etwas. Aber Sie verantworten alles, was folgt!“ – „Herzlichen Dank, Commander. Wenn Sie mich nun entschuldigen… ich muss ins Holodeck. Qwiaa führt dort eine dieser Übungen.“ Mancuso deutete auf einen der Monitore hinter sich.

 

Die Schlacht tobte. Die simulierte Schlacht tobte. Sternenflottentruppen verteidigten sich gegen Jem’Hadar in irgendeiner felsigen Wüste. Immer wieder sah man die Infanterie des Dominion die befestigten Stellungen der Föderation angreifen. Reihenweise fielen die Jem’Hadar. Doch immer wieder gelang es einigen dieser Kampfmaschinen in die Stellungen einzudringen und einige Verteidiger in blutige Nahkämpfe zu verwickeln.

 

Captain Suval und Commander Momoa traten gemeinsam ein und schienen ein Gespräch zu beenden oder wenigstens zu unterbrechen.

„…wie diese. Die Botschafterin will deswegen mit uns beiden reden. Aber das hat bis heute Abend Zeit.“ – „Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal geschlafen, Captain.“

Suval schüttelte den Kopf – das Thema war für sie damit beendet.

„Guten Morgen Chief“, grüßte sie den Sicherheitschef zuerst. Immerhin war dies sein Büro. „Commander Rua“, schloss sie die Runde ab.

„Wie macht sich unsere Verstärkung, Chief?“ – „Richtig gut, Commander. Qwiaa leitet gerade ein Verteidigungsszenario. ‚Last Man Standing‘, sozusagen.“ – „Sind das Jem’Hadar?“ – „Korrekt. Aber Sie kennen meine Meinung zu diesen Holodeckfirlefanz.“ Momoa seufzte. „Ja, es fehlt Ihnen das…“, er schnipste mit den Fingern, „…je ne sais pas. Haben Sie es so genannt?“

Suval unterdrückte ein Schmunzeln.

Mancuso überging die Bemerkung einfach. „Ich habe mit Commander Rua eine weitere Simulation besprochen. Er bastelt mir eine Simulationssunterstützung…“

Suvals Blick richtete sich auf Rua, fragend.

„Bis dahin darf ich Sie bitten, mich zu entschuldigen. Ich möchte mich gern auf dem Holodeck sehen lassen. Sie können gerne weiter von hier aus beobachten.“

 

Kaum war Mancuso verschwunden, holte Rua Luft, um seinem Unmut freien Lauf zu lassen.

Momoa kam ihm zuvor. „War das ein Sturmgewehr der Jem’Hadar, was er da versuchte, hinter seinem Rücken zu verstecken?“

 

 Beteiligte Charaktere: Cpt Suval; Cmdr Momoa; LtCmdr Rua

 

 

SD 2417.199, 11:30 Uhr, USS Iowa, Holodeck 3

 

„Gar nicht mal übel, gar nicht mal so übel“, freute sich Mancuso und lobte die dritte Gruppe, die den Hügel gegen die Jem’Hadar gehalten hatte. „Sie können sich auf neue Situationen gut einstellen.“

„Au‘ wenn es ni‘ ‘eden ‘ag ‘o‘ommt, da‘ ei‘ ‘aster Chief mit ein‘ Jem’Hada‘‘affe ein‘ ins ‘sicht ‘ieft“, beschwerte sich ein Petty Officer. Mancuso hatte sich eingemischt. Dabei hatte er mit der – natürlich entschärften – Dominionwaffe um sich geschossen und Betäubungen verteilt.

„Das Prickeln und Lähmung verschwinden ja gleich wieder. Es sei denn, Sie wollen zu Doktor Home?“

Der Petty Officer zeigte Mancuso den Vogel mit dem Mittelfinger. Dieser grinste. „Dann kann es ja nicht so schlimm sein… Wegtreten zum Mittagessen. Ihre Nachfolger warten schon.“

 

Vor dem Holodeck hatten sich zehn weitere Mitglieder der Sicherheit eingefunden und warteten. Der Buschfunk hatte schon verbreitet, dass der Sicherheitschef ein Irrer sein musste. Simulierte Übungen waren Standard in der Sternenflotte. Oft genug waren sie in der Ausbildung schon gegen alle möglichen Gegner angetreten. Die meisten der Neulinge waren aber nicht mehr so neu, dass sie noch nie im Einsatz gewesen waren. Oft kannte sich die Gruppen seit Jahren und hatten mehr als einen gemeinsamen Kampfeinsatz hinter sich gebracht und überstanden. Deswegen freute es die Truppe nicht, wie grüne Rekruten durch eine Grundausbildung geschickt zu werden.

 

Vor wenigen Minuten war auch ein Zivilist aufgetaucht und hatte angefangen, mit den Soldaten zu reden. Er gehörte zum Botschaftspersonal und wollte die Leute kennen lernen, die sein Leben retten würden, haha.

Dann trat Mancuso aus dem Holodeck, sah Breel von Andor und die Temperatur versuchte, noch unter den absoluten Nullpunkt zu kriechen. Es war ein Wiedersehen der weniger herzlichen Art.

„Wahnsinn, was für ein Zufall“, flüsterte Mancuso und legte die Waffe in seiner Hand auf Breel an.

„Auch ich freue mich, Sie wiederzusehen“, meinte der Andorianer und blieb bemerkenswert gelassen beim Blick in die Waffe. „Die Freunde ist ganz Ihrerseits“, stellte der Mensch fest und näherte sich langsam.

 

Es blitzte hell, ein lauter Knall jagte durch den Korridor und Rauch füllte die Luft überraschend schnell.

Beinahe sofort leuchtete der Gang in rotem Licht und die Sirenen heulten. Es gab kaum ein schlimmeres Signal – Dekompressionsalarm.

Erst nahmen Mancusos Ohren die Warnung leise war, ein Rauschen verhinderte das deutliche und klare Hören. Auch alle anderen schüttelten die Köpfe und fingerten an ihren Ohren herum, als ob jemand den Knopf für die Lautstärke runter gedreht hätte.

„Dekompression!“ brüllte Mancuso. „Zu den Schleusen! In die Schutzanzüge.“

Er packte Breel am Kragen und schleifte ihn mit.

Das Hören ging besser – ein Fauchen lag in der Luft, das mit einem sehr bedrückenden Tremolo immer leiser wurde.

 

Natürlich war Mancuso vorbereitet gewesen, denn mit Rua war alles abgesprochen. Der Chefingenieur hatte aber mehrfach damit genervt, wie unsicher er war, ob die Bombe (seine Worte) den gewünschten Effekt haben würden. Er hatte mehrfach gewarnt, dass das Holodeck zu nah an der Außenhülle lag, dazu in der Nähe von mehreren strukturschwächeren Bauelementen.

„Offenbar hat der Idiot Mist gebaut“, fluchte Mancuso. Trotz der dünner werdenden Luft blieb Kraft zum Fluchen. Er griff in eine der Notfallluken und warf Breel einen Schutzanzug zu.

Gemeinsam versuchten sie, sich vor dem Druck- und Temperaturverlust zu schützen. Breel reagierte auf den fallenden Luftdruck mit großer Irritation. Offenbar sandten die empfindlichen Fühler jede Menge Signale, die ein koordiniertes Vorgehen seinerseits unmöglich werden ließ.

Dann veränderte sich das rote Licht. Genaugenommen erlosch es. Für einen Moment herrschte Finsternis. Dann kroch ein giftig-grünes Leuchten heran. Das war kein Licht, das war Plasma. Genaugenommen ein Plasmafeuer. Offenbar hatte Ruas Bombe nicht nur zum Bruch einer EPS-Leitung geführt, sondern gleich noch ein Feuer ausgelöst, das sich durch das Deck fraß. Die Übung war beendet, das war bitterernst.

 

Mancuso stieß Breel in die Luftschleuse am Ende des Ganges. Auch Deck drei besaß die Möglichkeit, in den freien Raum zu gelangen. Deswegen gab es echte Luftschleusen.

Die zehn anderen Leute, die vor dem Holodeck gewartet hatten, hatten glücklicherweise den Ernst der Lage begriffen und ebenfalls die Schutzanzüge angelegt. Anders als Breel waren sie darin geübt und halfen dabei, den Andorianer in die Luftschleuse zu bringen.

Die Verriegelung funktionierte. Sicherheit – vorerst.

 

„Was für eine verdammte Scheiße auf diesem Schrottkahn! Ich wollte nicht ohne Grund auf die Orville“, fluchte ein Bolianer mit den Rangabzeichen eines Petty Officer 3rd class.

Zwei andere setzten Breel den Helm auf. Bei zwölf Personen in der Luftschleuse sank der Sauerstoffgehalt rapide ab. Die autonomen Versorgungssysteme hielten für eine Stunde. Dann würde es übel werden.

„Kann jemand Verbindung mit der Brücke oder sonst jemanden herstellten?“ fragte Mancuso. „Mein Kommunikator ist tot…“

Ein kurzer Abgleich führte zu dem Ergebnis, dass niemand mit dem Universum außerhalb der Luftschleuse kommunizieren konnte.

„Master Chief, verstehen Sie das bitte nicht als Beschwerde oder Gemecker. Doch ich bin mir fast sicher, dass Sie die Information benötigen, um unser weiteres Vorgehen zu planen. Die Tür wird wärmer… um nicht zu sagen, heiß“, meldete sich der Bolianer.

„Ich weiß das sehr zu schätzen, Orville“, knurrte Mancuso. „Das wird das Plasma sein. Keine Ahnung, wie lange es benötigt, um sich durch die Luke zu fressen. Damit bleibt uns ein Weg…“ Er deutete auf die weltraumseitige Luke.

„Bitte? Bei Warp da raus? Verzeihung, aber sind Sie bescheuert?“ – „Sie können sich auch gern den Arsch im Plasmafeuer braten lassen.“ – „Aber bei Warp! Die Atome unserer Körper werden sich über mehrere Sonnensysteme verbreiten!“ – „Nicht, wenn wir nah beim Schiff bleiben.“ – „Wir haben keine zwei Meter Spielraum. Bei Warp!“

Mancuso deutete zur Luke, der die Hitze irgendwie anzusehen war.

„Plasmafeuer – Arsch. Arsch – Plasmafeuer, wenn ich vorstellen darf.“

 

Beteiligte Charaktere: Breel, LtCmdr Rua

 

SD 2417.199, 11:45 Uhr, USS Iowa, Hauptquartier der Sicherheit (Mancusos Höhle)

 

Währenddessen schaute Suval erneut fragend zu Rua. „Jetzt?“ - „Captain, er hat mich mehrfach einen Idioten genannt. Ich würde Ihn gerne noch ein wenig braten.“ – „Denken Sie an die anderen elf…“

Unausgesprochen blieb die Feststellung, dass diese es wahrlich nicht verdient hatten.

„Na gut… Matthews, Nikomedia, legen Sie den Plasmaschweißer zur Seite und holen Sie die Helden aus der Luftschleuse, bevor wirklich noch etwas schief geht…“

 

 Beteiligte Charaktere:  Cpt Suval, Cmdr Momoa, LtCmdr Rua

SD 2417.199, 11:55 Uhr, USS Iowa, vor Holodeck III

Das grüne Leuchten der Plasmaschweißgeräte verglomm und kurz darauf aktivierte sich wieder das normale Licht im Gang. Die beiden Techniker sicherten die Geräte, um sie beiseite zu legen, legten die Schutzkleidung ab und traten schließlich an die Luke der Luftschleuse. Beim Blick durch das kleine Fenster drängte sich der Vergleich einer Sardinenbüchse förmlich auf. Matthews klopfte gegen die Scheibe und während Nikomedia herzlich nach drinnen winkte, konnten sich beide Techniker ein Grinsen nicht verkneifen. Von dem augenscheinlich hoch kochenden Ärger insbesondere eines Mannes in der Luftschleuse unberührt nahmen sich die beiden die Zeit, abzuklatschen, ehe sie die Luftschleuse öffneten und sich ein Schwall Sternenflottenangehöriger in Schutzanzügen in den Gang ergoss. Der Sicherheitschef begann sich zu echauffieren, noch während er an den Verriegelungen des Helms hantierte, wodurch das Gesagte ungehört verpuffte - zumindest für die beiden Adressaten. Es zischte mehrfach vernehmlich, woraufhin die große Erleichterung der meisten Teilnehmer dieser speziellen Übung zu vernehmen war - und eine Folge wüster Schimpfwörter seitens Mancuso, die selbst gestandenen Persönlichkeiten die Schamesröte ins Gesicht trieb.

"Wenn Sie dann fertig sind, Master Chief", war die klare Stimme Suvals durch den Gang zu hören, die den Soldaten langsam verstummen ließ. Den beiden Technikern, die ihre sieben Sachen anpackten, um in den Maschinenraum zurück zu kehren, nickte sie anerkennend zu und bestätigte dem Sicherheitschef damit, dass diesmal er das Opfer seines zwanghaften Hangs zum Realismus in Sicherheitsübungen geworden war - mit Wohlwollen von allerhöchster Stelle. Die Rihanna deutete ein Lächeln an und beobachtete aus ein paar Metern Abstand die Gruppe, wie sie alle bemüht waren, sich aus den Anzügen zu schälen.
"Die Anzüge werden in der Sicherheitsabteilung auf ihre Funktion geprüft, bevor sie wieder verstaut werden", erhob Mancuso belehrend die Stimme. "Die Auswertung der Übung erfolgt um 13 Uhr. Wegtreten!" Daraufhin machten die zehn Delinquenten kehrt, nicht ohne nochmal zurück gepfiffen zu werden. "Und hilft jemand ihm da aus dem Anzug raus!" Breel war immer noch mit dem Verschluss des Helms beschäftigt und schien der Panik nahe.

"Ist das auf Ihrem Mist gewachsen?" fragte Mancuso mürrisch, als er einige Schritte auf die Kommandantin zu trat, die Einzelteile seines Anzugs unterm Arm.
"Nein." Sie machte eine kurze Pause, in der die Zufriedenheit über den gelungenen Coup recht deutlich mitschwang. "Ich rate Ihnen aber dringend, sich in Zukunft mit Beleidigungen gegenüber Offizieren zurück zu halten. Anderenfalls könnte es passieren, dass ich Commander Rua das nächste Mal nicht daran hindere, Sie bei Warp aussteigen zu lassen." Mancuso war schlau genug, diesen Rat korrekterweise als Befehl zu interpretieren - ob er ihm nachkommen würde stand auf einem anderen Blatt - und nickte nur. Damit war dieses Thema erledigt.
"Ich darf Sie daran erinnern, dass noch zwei Personalentscheidungen Ihrerseits ausstehen", setzte die Kommandantin an.
"Das diskutieren wir vielleicht lieber in meinem Büro", und beide wandten sich zum Gehen.
"Commander Suval..." erscholl Breels Stimme mit einer unausgesprochenen Forderung darin, den Kopf endlich vom Helm befreit, während zwei Sicherheitsleute noch an dem Rest seines Anzugs hantierten.
Die Angesprochene blieb stehen und auch Mancuso verharrte. Sein Blick fragte, ob er bleiben solle, doch sie verneinte wortlos. Der Sicherheitschef - ehrlicherweise ein bisschen neugierig auf das, was nun folgen würde - wies daraufhin die beiden Helfer an, das Feld zu räumen, nachdem sie den Andorianer endgültig von dem Anzug befreit hatten.
Und kurze Zeit später waren sie allein.

Da war er nun, der Moment, der sich vor etwa sechzehn Stunden angekündigt hatte. Ein Teil ihrer Gedanken hatte sich seitdem darum gedreht, wie sie ihm begegnen sollte - aus dem Weg gehen funktionierte nicht und war nicht ihre Art. Ihn offen anzusprechen war sie unwillig, soviel Aufmerksamkeit ihrerseits verdiente er nicht. Also hatte sie sich für die Gleichgültigkeit entschieden, sie ließ die Situation einfach auf sich zukommen. Hätte er sie eben nicht angesprochen, wäre sie einfach gegangen - doch er hatte sie angesprochen.
Wortlos wandte sie sich schließlich um, verschränkte die Hände auf dem Rücken und strahlte Unnahbarkeit aus - obwohl lediglich zwei Stunden gemeinsam verbrachter Zeit in der Jahre zurückliegenden Vergangenheit diese Äußerlichkeit Lügen strafte.

Breel musterte Suval aufmerksam und stellte fest, dass sie sich kaum verändert hatte.
"Bitte verzeihen Sie, Captain... die Geister der Vergangenheit scheinen manchmal doch real zu sein." Suval wußte, was er meinte - nur aus einem anderen Blickwinkel - und betrachtete ihn ihrerseits. Er hatte sich augenscheinlich sehr verändert und nicht nur hinsichtlich dessen, dass er in den vergangenen neun Jahren sichtbar gealtert war. Die Annahme, er wäre bei Icon rausgeflogen, weil er Partei ergriffen hatte, war falsch - er konnte den Job einfach nicht mehr machen. Das Problem saß tiefer und ließ sich weder durch den Wechsel zu FNN noch sonst etwas lösen.
Die Rihanna indes reagierte nicht auf seine Aussage und musterte ihn nur stumm weiter.
"Es scheint Ihnen gut ergangen zu sein. Mittlerweile kommandieren Sie das Raumschiff, von dem ich gehofft hatte, es nie wieder betreten zu müssen." Seine Hände zuckten und er verschränkte sie vor dem Bauch, was die Nervosität seiner Worte unterstrich.
"Es gibt etliche Dinge dieser Tage, die die Hoffnung vieler einfach so zerschlagen", erwiderte sie äußerst reserviert.
"Ich hab Ihre Drohung noch im Ohr... deswegen ist es mir wichtig, dass Sie wissen, dass ich nicht hier sein will."
"Offenbar interessiert manchen nicht, was andere wollen oder nicht. Eine Erkenntnis, die nur einem von uns beiden neu zu sein scheint."
Es war offensichtlich, dass vielfältige Emotionen in dem Andorianer miteinander rangen. "Ich weiß, Sie haben ein Problem mit mir - mit meiner Arbeit, mit meinen Entscheidungen..."
"Besonders mit einer Entscheidung!" Erst jetzt trat sie auf ihn zu, verringerte den Abstand, bis nur noch eine Armlänge beide voneinander trennte, und registrierte das Fragezeichen in seinem Gesicht.  "Diese eine Entscheidung, die Leben gekostet hat!"
"Ich weiß... Und Sie sind nicht die Einzige, die mir diesen Vorwurf macht."
"Die Staatsanwaltschaft oder das Oberkommando hat Ihnen diesen Vorwurf zumindest nicht gemacht, denn Sie sind ja unbehelligt aus der Sache heraus gekommen."
"Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich nicht an unsere gemeinsame Außenmission denken muss... wie Sie es nennen würden."
"Außenmission..." Ein angedeutetes und abschätziges Lächeln bemächtigte sich ihrer Züge. "Sie sind Journalist, Ihr Handwerkszeug ist die Sprache. Warum benennen Sie es also nicht als das, was es wirklich war?"
"Touché. Unseren gemeinsamen Überlebenskampf", korrigierte er sich und erntete ein artverwandtes Lächeln, was nur noch mehr Abscheu zum Ausdruck brachte.
"Ist Ihnen auch nur ansatzweise klar, dass diese Worte für mich wie Hohn und Spott klingen?"
"Gehen Sie etwa davon aus, dass ich freiwillig dort gewesen bin?" Breel trat nun seinerseits näher an sie heran, reduzierte den Abstand auf eine halbe Armlänge und flüsterte: "Sie haben keine Ahnung, was die mit mir gemacht haben." Pause. "Sie wollen auch gar nicht wissen, was die mit mir gemacht haben."
Aus diesem Blickwinkel hatte es Suval, die in diesem Zusammenhang viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen war, noch nie betrachtet - und sie gab sich einen Ruck, auch wenn sie über die sinnlosen Opfer aus ihren Reihen nicht hinweg sehen wollte.
"Was haben die denn mit Ihnen gemacht?" hinterfragte sie, die Intention dieser Frage offen lassend.
"Schlimme Dinge." Breel suchte intensiv nach Worten und gestikulierte hilflos. "Kurz gesagt, es war für mich ein Kampf ums Überleben. Und anders als für Sie, Captain, ist das nicht meine Welt... gewesen. In diesen Tagen hat sich viel für mich verändert. Ich habe mich verändert. Und anders als Sie, Captain, war ich damit allein." - "Waren Sie wirklich so naiv, zu glauben, Sie wären sakrosankt? In einem Krisengebiet, in dem die Sternenflotte trotz... offizieller Einladung nicht willkommen war und zum Ziel von Terrorismus wurde?" - "Ich weiß nicht, was ich geglaubt habe. Ich weiß nur, dass sich alles verändert hat. Aber eines weiß ich genau - die Sternenflotte hat ihren Job nicht gemacht." Er blickte in das fragende Gesicht der Kommandantin. "Sie haben mich nicht beschützt!"
Suval war sprachlos ob dieses Vorwurfs und Breel wandte sich ab, entfernte sich einige Schritte. Er wollte gehen.
"Sie sind damals freiwillig in den Tzenkethi Sektor geflogen", rief sie ihm hinterher und schloss zu ihm auf, nachdem er stehen geblieben war. "Sie haben sich eingemischt, von Anfang an, noch bevor Sie Partei ergriffen - weil das, was Sie erleben mussten, nicht in Ihr heiles Weltbild passte. Ja, Sie haben sich verändert, so wie wir alle infolge dieser Ereignisse. Aber Sie hätten damit nicht allein sein müssen - warum waren Sie es dennoch? Um Ihre Schuld zu begleichen?"
"Erzählen Sie mir nichts von Schuld. Ich weiß sehr wohl, dass vier Ihrer Crewmitglieder tot sind. Aber nicht ich habe sie getötet, sondern Esden."
"Für den Tod einer meiner Kameraden tragen Sie sehr wohl unmittelbar die Schuld." Sie trat noch einen Schritt näher, unterschritt nun die Fluchtdistanz, um ihm klar zu machen, was er immer noch nicht begriffen zu haben schien.  "Wir haben in der Haft taktiert, versucht unsere Leben zu retten, indem wir nicht mehr preisgaben als ohnehin bekannt war. Mit Ihren Interviews haben Sie das zunichte gemacht - Sie haben uns verraten und infolgedessen..." Den Rest des Satzes ließ sie ungesagt, denn Breel wußte auch so, was dort hin gehörte.
"Nein, das können Sie mir nicht anhängen!" Energisch schüttelte er den Kopf, wandte sich ab und ging.
Und diesmal hielt Suval ihn nicht davon ab. Das, was sie ihm hatte mitteilen wollen, war angekommen - dessen war sie sich sicher.
Doch das Gespräch war anders gelaufen, als erwartet - er war anders, als erwartet. Unerwartet anders.

SD 2417.199, 11:40 Uhr, USS Iowa, Deck 3, Irinis Quartier

Leicht genervt löschte Irini die letzte Zeile.

‚So geht das nicht, das klingt ja furchtbar, viel zu geschraubt. Die erste Variante war doch noch die Beste. So mach ich‘s jetzt‘.
Sie speicherte den Entwurf ab und wollte die Datei soeben an ihren Replikator weiterleiten, der jetzt die Aufgabe eines Druckers erfüllen und vorher das Druckmedium auch noch herstellen sollte, als sie einen gedämpften Knall wahrnahm.
‚Ja, es ist ein Segen, dass die Sternenflotte sich die Schallisolierung der Quartiere einiges kosten läßt‘, dachte sie und wollte sich weiter ihrer Arbeit widmen. Doch das anschließende Heulen auf dem Gang, ein Alarmsignal, ließ sie wieder aufhorchen. Dann sprang ihr Blick zum Monitor. Dort hätte das Signal jetzt ebenfalls auftauchen sollen, genauso wie über ihrer Tür eine grelle Lampe blitzen und ein Ansager die notwendigen Anweisungen herunterleiern sollte. Aber nichts war zu sehen und zu hören, weder da noch dort. Seltsam.
Sie beschloss ihrer Neugier nachzugeben und nachzusehen.

Kaum hatte sie den Kopf durch die Tür gesteckt wurde sie auch schon von den verschiedensten Sinneseindrücken überrollt.
Rotes Alarmlicht färbte den wallenden Rauch blutrot, ein scharfes Pfeifen und Rauschen erfüllte den Gang, während allmählich Luftdruck und Temperatur fühlbar sanken, Atmosphäreverlust, Dekompression  suggerierend, und aus Richtung der Luftschleuse mehrstimmiges aufgeregtes Gebrüll zu hören war. Aber am eindrucksvollsten war das mentale Geschrei.
Dann verwirbelte der rote Rauch kurz und durch eine kleine Lücke erkannte sie Mancuso, das Gesicht erschrocken verzerrt, einen Andorianer am Kragen hinter sich her zur Schleuse schleifend. Beiläufig registrierte sie, dass es sich dabei um Breel handelte. DER Breel. Der dafür gesorgt hatte, dass ihn eine ganze Menge Leute der Iowa nie vergessen würden.
Nach einer Sekunden dauernden totalen Finsternis wechselte schlagartig die Farbe des Rauchs zu Plasmafeuergrün, die Schleusentür schlug dumpf schmatzend  zu und alle Geräusche im Gang verstummten augenblicklich. Dafür hörte Irini jetzt das Zischen mehrerer Plasmaschweißgeräte. Offensichtlich lief hier eine sehr real wirkende Übung. So real, dass selbst der hartgesottenen Mancuso darauf hereingefallen war. Und das Beste daran, entnahm die Elaurianerin seinen mentalen Emanationen, dass er sich genau so etwas gewünscht hatte.
Interessant, aber Irini war von jeher der Meinung gewesen, dass man vorsichtig sein sollte mit seinen Wünschen.
Sie zog sich wieder in ihr Quartier zurück und verpasste so die Ankunft Suvals, die das Ende des Schauspiels und besonders die Reaktionen ihres Sicherheitschefs aus nächster Nähe genießen wollte.

Zwanzig Minuten später nahm Irini die letzte Einladung aus dem Replikator und strich befriedigt über die kaffeebraune, samtig matte Oberfläche der kartonstarken Karte. Der mattgoldene Farbton der Schrift, die fast wie handgeschrieben aussah, harmonierte auf das vorzüglichste und verlieh ihrer Kreation eine edle Anmutung.
„Einladung“ stand auf der Vorderseite der Klappkarte. Es war die Einladung zum informellen Dinner, das die Kommandantin der Iowa für die Botschafterin, ihren Stab und die Senioroffiziere des Schiffes angesetzt hatte. Irini hätte die Einladungen über die schiffsinterne Kommunikation zustellen können, aber das wäre längst nicht so stilvoll.
Sie zählte noch einmal nach, nichts ist so peinlich, wie jemanden zu vergessen.
Botschafterin Talera, Attaché John H. Watson, die andorianische Assistentin Jhamel, der tellaritische Assistent Naarg; je ein Vertreter der vier Gründungsspezies der Föderation. Sie prüfte noch einmal – zum wiederholten Male – ob die Rechtschreibung und Grammatik der Texte korrekt waren, besonders das Tellaritisch war sehr diffizil.
Dann kamen die Senioroffiziere der Iowa: Suval, Momoa, Bretano, Olifant, Dr. Lorek, Medeba.
Sie konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als sie sich vorstellte, wie Talera wohl auf des Sulamiden seltsame Tischmanieren reagieren würde. Wahrscheinlich gar nicht, aber man konnte nie wissen. Schlimmer als die von Tellariten waren sie jedoch auch nicht, wenn man es recht betrachtete.
Mancuso, Rua, Badu, und das jüngste Brückencrewmitglied Varella.
‚Puh, keinen vergessen.‘ Es hatte doch mehr Zeit gekostet als gedacht
Auf Mancusos Karte schrieb sie noch ein paar Worte, schob den Stapel zusammen und machte sich auf den Weg.
Ja, sie wollte die Einladungen auch noch persönlich zustellen. Sie freute sich schon auf das Event um 20 Uhr, das sie gemeinsam mit Beddoes im Holodeck 3 vorbereitet hatte. Der alte Butler hatte dazu einige sehr interessante Vorschläge gemacht.

SD 2417.199, 12:05 Uhr, USS Iowa, Deck 14, Mancusos Höhle

Irini konnte sich nicht erinnern, wann sie zuletzt hier unten gewesen war. Sie war nicht einmal sicher, ob es überhaupt schon jemals passiert ist. Auf dem Weg zum Büro des Sicherheitschefs kam sie an der Stellarkartografie vorbei, eigentlich auch ein Holodeck, wenn man es genau nahm. Nur war die Zielsetzung hier eine andere.
Die Tür zu Mancusos Höhle (wo hatte sie nur diese Bezeichnung aufgeschnappt - sicher in der Bar) öffnete sich quietschend, was zur Folge hatte, dass die beiden Personen im Raum ihr Gespräch unterbrachen und sich umdrehten.
„Captain Suval, Chief Mancuso“ grüßte die Elaurianerin und blätterte dann in ihrem Kartenstapel.
„Ich bringe Ihnen die Einladungen zum Galadinner, das Sie für heute Abend angesetzt haben, Captain.“
Mit diesen Worten reichte sie erst Suval und danach Mancuso die Umschläge. Mancusos Gesichtsausdruck sprach Bände, während er zögernd nach dem Umschlag griff, so als befürchte er, es könnte eine Klapperschlange heraus springen und ihn zu allem Überfluss auch noch in die Hand beißen. Suval zog eine Augenbraue hoch, enthielt sich aber jeden Kommentars.
„Sie werden mich bitte entschuldigen, ich habe noch reichlich zu tun.“
Irini nickte den beiden zu und verschwand wieder durch die nervig tönende Tür.
‚Ich dachte, die Iowa war in der Wartung. Sowas wie quietschende Türen ist wohl unwichtig?‘

SD 2417.199, 13:05 Uhr, USS Iowa, Deck 5, Blueberry Bar
„Hallo Mr. Beddoes, haben Sie die Speisenfolge soweit fertig?“ erkundigte sich Irini, als sie den Raum hinter der Bar betrat.
„Ja, Miss Irini. Suppe, Salat, Hauptgericht und Dessert. Für die Vulkanier vegetarisch, die Andorianerin und Medeba bekommen Fisch und Meeresfrüchte, alle anderen erhalten ihre Lieblingsgerichte, soweit sie uns bekannt sind. Und für Mr. Mancuso eine ordentliche Fleischportion. Eventuelle Allergien sind berücksichtigt. Es sollte also alles zur allgemeinen Zufriedenheit sein.“
„Sie sind ein Schatz, Mr. Beddoes“, lobte Irini.
„Ich weiß“ entgegnete dieser trocken, was der Barkeeperin ein herzhaftes Lachen entlockte.
„Wollen wir uns nun an die endgültige Gestaltung des Ambientes machen, Mr. Beddoes? Was halten Sie von dem Entwurf?“
„Eindeutig nicht englisch, aber durchaus stilvoll. Die Architektur ist ansprechend und harmonisch. Die Idee mit dem langen ovalen Tisch gefällt mir. So können durchaus Gespräche mit mehreren Personen gleichzeitig geführt werden. Die Ausstattung in Weiß und Silber ist ansprechend und nicht zu überladen. Ich werde aber auf gar keinen Fall Pluderhosen tragen.“ Die letzte Aussage, mit Mr. Beddoes distinguiertem englischen Akzent geäußert, ließ Irini erneut lachen, bis ihr die Luft wegblieb. Japsend atmete sie mehrmals tief durch, bevor sie wieder sprechen konnte, während der alte Herr, indigniert eine Augenbraue hochgezogen, wartete.
„Das brauchen Sie auch nicht, wirklich nicht, Mr. Beddoes. Obwohl ich mir vorstellen könnte…“
„Denken Sie nicht einmal daran, Miss Irini“ entgegnete er steif, wobei ihm allerdings der Schalk aus den Augen blitzte.
„Aber das wäre doch die Überraschung, meinen Sie nicht?“ Das Kichern ließ sich nicht unterdrücken.
„Nein, Madam, meine ich nicht.“
„Na gut. Ohne Pluderhosen.“
Nun musste auch Beddoes grinsen. Soviel Spaß hatten sie lange nicht mehr bei der Vorbereitung eines Essens gehabt.
Auch er freute sich auf den Abend.

Beteiligte: alle die eine Einladung erhalten haben

Links: