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Trinity - #02

Hier gehts jetzt weiter.

Die Topics sind jetzt etwas kürzer als früher, so dass wir immer nach 10 Postings ein neues Topic anfangen, bevor die 2. Seite aufgeht.

Liebe Grüße und frohe Ostern euch allen.

SD 2417.199, 00:30, Krankenstation

Das Balzverhalten von Humanoiden war doch fast immer gleich, selbst wenn die Völker verschieden waren. Oft scheiterte es jedoch an der Sturheit oder dem Unwissen des einen Partners, wie auch in dem Fall der beiden Crewman. Das Weibchen war daran bedacht dem Objekt der Begierde zu gefallen und setzte verschiedene Mittel ein um das Ziel zu erreichen. Es begann mit dem Klassiker: dem Augenaufschlag und endete mit der „Pasta Bewegung“ der Finger in den eigenen Haaren. Dabei wickelte sie ihre Haare gekonnt um Zeige- und Mittelfinger und versuchte damit ihr Interesse Kund zu tun.

Ihr Gegenüber, geschuldet der Evolution oder des mangelnden Intellekts, schien diese offensichtlichen Signale jedoch nicht wahrzunehmen. Sein Gesichtsausdruck schwankte zwischen debil und dem Aufblitzen von sexuellem Verlangen.

Man konnte Geoffrey Home vieles nachsagen: Ignorant, Zyniker und auch das Wort was dem Ende des Afters in den Übergang des Sphinkters bezeichnete. Aber eines war er sicherlich nicht, ein Romantiker. Und so beschloss er, rustikal und liebevoll wie man ihn kannte, dem Ganzen ein Ende zu bereiten. Schließlich war dies hier die Krankenstation und keine Herzblatt- Show für Anfänger. Das Ergebnis war: Zwei Crewman die beleidigt und äußerst angesäuert die Krankenstation verließen, er war sich sicher auch das ominöse Wort gehört zu haben, und ein Arzt der sich dem Nichtstun wieder hingab.

„Ähm Doktor, ich sollte eigentlich wieder in den Maschinenraum.“ Ein junger Ensign hatte sich aus der Schlange der Wartenden gemeldet.

Home stützte sich auf seinen Gehstock und musterte den jungen Mann. „Niemand hat gesagt das sie hier warten müssen. Nun husch, husch zu Mami in den Maschinenraum.“ Seine freie linke Hand machte eine wedelnde Bewegung, ähnlich wie wenn man Hühner über den Hof scheucht.

„Und damit Sie es alle wissen, ich mache Pause. Wer Lust hat nimmt einen der medizinischen Trikorder und scannt seinen Nachbarn. Und bitte, vergessen Sie nicht die Daten abzuspeichern.“ Ohne sich nochmal umzudrehen hinkte er zurück ins Büro des leitenden medizinischen Offiziers, der glücklicherweise nicht da war, setzte sich und schwang sein rechtes Bein auf den Schreibtisch und half seinem linken behebe in dieselbe Position. Er hasste Routineaufgaben, warum sollten es die Anderen nicht spüren?

SD 2417.199, 00:42, Krankenstation, auf den Weg in Behandlungsraum 2

„So alle die jetzt hier warten, sie können noch eine Stunde warten oder gehen. Der Captain ist nun dran.“
„Wie Bitte. Ich warte hier schon fast eine Stunde und soll noch eine Stunde warten, ich glaube…“ Die schrille Stimme eines weiblichen Unteroffiziers echauffierte sich.
„Was Sie glauben meine Liebe, ist mir herzlich egal!“ Home ließ ihr keine Möglichkeit ihren Satz zu beenden.
„Wenn Sie eines Tages Captain sind, und ich dann hier immer noch diensttun sollte, dann bekommen Sie auch eine Vorzugsbehandlung. Ach ja und weitere Beschwerden, richten Sie bitte an Captain Suval. Ich wünsche eine gute Nacht.“ Ein schelmisches Grinsen lag auf seinen Lippen.

Krankenstation, Behandlungsraum 2

„Na schon frei gemacht“?
„Wie meinen?“ Suvals Gesicht wirkte alles andere als entspannt und Geoff wusste nun die Grenze war erreicht oder gar schon leicht überschritten.
„Ein Medizinerscherz“, schob er schnell nach und hoffte die Lage etwas zu entspannen.
„Computer, Beginn der Aufzeichnung Routineuntersuchung Captain Suval“, er griff sich einen medizinischen Trikorder und begann den kommandierenden Offizier zu scannen.
„Vitalparameter in Ordnung, Datenübertragung abgeschlossen“. Nun war dem Sarkast, der Arzt gewichen, welcher fachlich (und das nicht nur seiner Meinung nach) auf einem sehr hohen Level operierte.
„Leiden Sie unter Anspannung?“
„Wieso?“
„Ihr Serotoninwert ist 30% über der Norm. Schlafverhalten?“ Er bemerkte wie sich Suval minimal um die Antwort drückte.
„Gut.“
„Ah ha, wenn Sie es sagen“. Home übertrug noch zwei weitere Werte von dem Trikorder in den Hauptcomputer und von dort in die medizinische Akte.
„Sie lügen furchtbar.“ Fasste Home zusammen.
„Ich darf ja wohl bitten Doktor.“ Suval wirkte gereizter, das Thema schien ihr unangenehm.
„Verzeihen Sie“, seine Stimme klang unfassbar weich und schien auch den Captain zu irritieren.
„Aber ich darf auch wohl bitten das Sie mich nicht belügen.“ Das Weiche war nun dem harten Unterton gewichen.
„Ich möchte das Sie für die nächsten 7 Tage ein Schlafprotokoll führen. Wenn ich merke das Sie mogeln, bekommen sie einen der kleinen Monitore an ihre Stirn getackert!“

Beteiligt: Suval und NPC’s

SD 2417.199 12:30, Büro des taktischen Offiziers

Genüsslich biss Alan von seinem Sandwich. Das Brot war reichlich belegt mit Schinken, Käse, Eiern, Salat und Gurken. Andorianische Senfsoße würzte das ganze Spektakel herzhaft ab. Toni Bretano und er hatten vor einer guten Stunde die Aufgabenverteilung besprochen. Toni würde sich in nächster Zeit mehr um die Jägerstaffeln kümmern, Alan damit mehr um die Routine- und Alltagsaufgaben des taktischen Offiziers. Zufrieden biss er das nächste Stück ab, die verschiedenen Geschmäcker bildeten eine wahre Sinfonie.
„Ich hoffe ich störe Sie beide nicht.“ Schmunzelnd stand die Barkeeperin des Schiffes im Türrahmen des Büros.
„So lange Sie nicht abbeißen wollen, sicher nicht.“ Ihm war es vollkommen entgangenen dass jemand das Büro betreten hatte und fast war es ihm auch schon peinlich.
„Keine Sorge, ich esse später.“ Irini lächelte immer noch über beide Backen. Bisher hatte er nur wenig Zeit gehabt sich mit der Barkeeperin zu unterhalten. Sie schien jedoch für viele eine Art Vertraute zu sein.
„Ich habe eine Einladung für Sie heute Abend“, sie legte die kaffeebraune Karte auf dem Schreibtisch ab.
„Nie hat man eine Serviette, wenn man eine braucht“, Alan versuchte das Sandwich abzulegen und sich an irgendetwas die Hände abzuwischen. Irini schien dies nicht zu entgehen.
„Keine Sorge, sie können es nachher lesen. Aber essen Sie nicht mehr zu viel, es gibt genügend heute Abend.“ Die letzten Worte hatte sie bereits beim Verlasen des Büros gesprochen und die Türen schlossen sich hinter ihr.

„Da hast du ja einen tollen Eindruck hinterlassen Double- A“, redete er mit sich selbst und nahm den nächsten Bissen.

Beteiligt: Irini

"Zum Lügen gehören immer zwei, einer der lügt und der andere der es glaubt." Homer J. Simpson

SD 2417.199, 13:30 Uhr, Quartier von Suval

Nach dem Gespräch mit Mancuso hatte sich die Kommandantin kurz in ihr Quartier zurück gezogen, um sich frisch zu machen. Darüber hinaus gedachte sie, sich kurz auszuruhen, befand hierfür aber die Couch in ihrem Bereitschaftsraum als angemessener. Die Abgeschiedenheit und Privatsphäre ihres Quartiers empfand sie gegenwärtig als belastend, es verstärkte die gewisse innere Unruhe, die sie nicht leugnen konnte und lud darüber ein, sich Gedanken zu machen. Gedanken über die Fragen, welche sich in Bezug auf die Mission stellten, weit hinaus gehend, befähigt, die persönlichen Geister der Vergangenheit sich manifestieren zu lassen.
Die Unterhaltung mit Breel hatte da einen wesentlichen Anteil.
Mehr und mehr gewann sie den Eindruck eines sie begleitenden Schattens, der mit jeder Minute an Realität und Konsistenz gewann. Ein malträtiertes und misshandeltes Abbild ihrer selbst, ausgezehrt, gedemütigt, gebrochen, mit dunklen Flecken und Platzwunden am ganzen Körper und Abschürfungen an den Handgelenken. Ein Schatten, den man immer nur aus dem Augenwinkel wahrnahm, aber stets wusste, dass er da war.
In diesem Zusammenhang lag Irini einem Trugschluss auf, denn Heilung konnte es für sie nicht geben. Heilung bedeutete Vergessen und ein Vergessen war unmöglich. Das hatte ihr Irini dereinst schon mitgeteilt, noch bevor die Selbsterkenntnis dazu gereift war. Man konnte das Erlebte nur als Chance nutzen, den Schmerz als Erinnerung, seine Fehler nicht zu wiederholen und seine daraus entstandenen Ziele und Prioritäten nicht aus den Augen zu verlieren.
Suval war es in den vergangenen Jahren unter Anleitung der vulkanischen Meister gelungen, sich endgültig und mit aller Intensität ihrem Dämon zu stellen, sich zu arrangieren, zu festigen und schlussendlich die Kontrolle zurück zu erlangen.
In diesem Bewusstsein blickte sie selbstsicher in den Spiegel und besann sich ihrer Professionalität als Kommandantin, die ihr einen großen Teil der notwendigen emotionalen Distanz zusichern sollte. Sie war Offizier, sie trug die Uniform über alle persönlichen Widrigkeiten hinweg aus Überzeugung und sie hatte einen Befehl erhalten, den es auszuführen galt, auch wenn sie einen großen Unwillen dagegen verspürte.
So entschied sie, den Schatten sich selbst zu überlassen, da dieser bestrebt war, ihre Erfolge der Vergangenheit in Frage zu stellen, sie gar herauszufordern. Entschlossen griff sie nach den vier Pins und dem Kommunikator auf der Ablage unter dem Spiegel, zog die Uniform glatt und verließ ihr Quartier in Richtung Hauptwissenschaftslabor.

Die vorgesehene Auszeit musste warten und konnte sie aus ihrer Sicht auch, auch wenn Doktor Home sicher anderer Ansicht gewesen wäre. Sie hatte sich im Laufe der vergangenen Monate wieder einen anderen Schlafrhythmus angeeignet, der mehr der vulkanoiden Physiologie entsprach. Der Vorteil bestand darin, dass durch die Reduzierung der Ruhezeiten auf das notwendige Maß die Konzentration und Leistungsfähigkeit erhöht wurde, da Körper und Geist nicht in unnötiger Bequemlichkeit versanken. Der sich daraus ergebende Nachteil lag in einer temporär erhöhten Serotoninproduktion, die sich aber mit der Gewöhnung an den veränderten Rhythmus langfristig wieder normalisierte. Hinzu kam ihr verstärktes mentales Training, welches sich auf die Bildung des Hormons auswirkte.
Doch diese Details würde sie erst zu gegebener Zeit mit Home diskutieren.

SD 2417.199, 13:50 Uhr, Hauptwissenschaftslabor

Leise zischend schloss sich hinter ihr die Tür und sperrte das Licht des Ganges aus, woraufhin das im sonst abgedunkelten Raum schwebende Hologramm die einzige Lichtquelle darstellte. Nach flüchtiger Einschätzung handelte es sich um die Darstellung von Isograven zweier kollidierender Singularitäten, doch Suval war nicht hier, um sich mit den aktuellen Forschungsthemen der wissenschaftlichen Abteilung zu befassen.
Die Augen derer, die um die Projektion herum standen, konzentrierten sich auf sie.
"Captain, womit können wir helfen?"
"Würden Sie mich mit Commander Medeba und Commander Barclay bitte kurz allein lassen?" Ihr Tonfall war neutral, beinah freundlich, doch weder die Höflichkeit ihrer Worte noch ihr Habitus täuschten darüber hinweg, dass es sich um einen Befehl handelte. Und während die Angesprochenen das Hologramm deaktivierten und die Beleuchtung des Raums wieder normales Niveau erreichte, wandten sich die beiden Wissenschaftsoffiziere, die an zwei der hinteren Konsolen gesessen hatten, ihrem Gast zu.
"Captain...", meinte Barclay und wirkte so blass wie immer. Medebas Körperfarbe hingegen gewann an Intensität und und stellte neben seiner Masse so noch intensiver den Kontrast zu dem schmalen Menschen dar.
"Gehe ich Recht in der Annahme, dass Ihre gegenwärtigen Forschungen keiner Dringlichkeit unterliegen?"
"Doch."
"Nein."
Die beiden Wissenschaftler antworteten gleichzeitig, wobei sich Barclay einen prüfenden Blick beider Nichtmenschen einfing.
"Nein, Ma'am", korrigierte er sich schließlich. Medeba zog vier der sechs auf seinen Kollegen gerichteten Augenstiele wieder ein.
"Dann werden Sie Ihre Kapazitäten für eine besondere Aufgabe nutzen", setzte Suval an, trat näher an die Bedienkonsole und begann etwas aus der Datenbank aufzurufen, dass einer komplexen Entschlüsselung bedurfte. "Mit Überqueren der Grenze zum Raum der Tzenkethi werden wir ein paar Kommunikationssatelliten absetzen, um die abhörsichere Verbindung zum Oberkommando zu gewährleisten." Eine dreidimensionale Darstellung des tzenkethischen Hoheitsgebiets erschien in der zentralen Projektion, während sich die beiden Wissenschaftler fragten, weshalb sie mit dieser nicht ihrem Ressort zuzuordnenden Routineaufgabe betraut wurden. "Sie werden hierfür die wissenschaftlichen Sonden entsprechend ausrüsten." In dem Hologramm leuchteten zahlreiche Punkte quer über das ganze Territorium verteilt auf. "Und das sind die Ziele der Sonden."
"Wofür brauchen wir Kommunikationssatelliten, die gar nicht zwischen Tzenkethi Prime und der Erde liegen?" wollte Barclay wissen, als ihm auch schon ein Licht aufging.
"Die primäre Aufgabe der Sonden besteht gar nicht in der Kommunikation", stellte der Sulamide ergänzend fest.
Suvals Antwort bestand aus Schweigen.
"Ist das nicht Spionage?" Barclay wirkte nervös.
"Ich nenne das Aufklärung", erwiderte die Rihanna. "Darüber hinaus wird dem erbetenen diplomatischen Personal wohl niemand den direkten Draht zur eigenen Regierung verwehren können."

[Beteiligte: Medeba, Barclay]

SD 2417.199, 19:40 Uhr, USS Iowa, Deck 3, Holodeck 3

Irini stand in der Mitte des maurischen Innenhofs neben dem traditionellen Brunnen, aus dessen Mittelsäule vier Wasserstrahlen leise plätschernd in das geschwungene Marmorbecken fielen. Ein zarter Rosenduft entströmte dem parfümierten Wasser. Sie ließ ihren Blick prüfend schweifen und nahm mit Befriedigung wahr, dass alles perfekt war.

Dieses Diner zum Empfang der  Botschafterin, obwohl informell – das heißt, ohne steifes Protokoll und großes Ornat – sollte dennoch zur Zufriedenheit des Captains ausfallen.

Sie musterte den matten Glanz der großen Platzteller aus weißem Porzellan, den satten Schimmer des antiken Silberbestecks, das Glitzern der verschiedenen, auf Hochglanz polierten Gläser und die makellose Reinheit des leinenen Damast-Tafeltuchs. Auf Tischschmuck war bewusst verzichtet worden, die Farben der Speisen sollten durch nichts in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden. Es war wirklich alles perfekt und doch verspürte die Elaurianerin eine vage Unruhe.

‚Irgendetwas fehlt noch‘, sinnierte sie. Sie konnte nichts entdecken, doch die Unruhe blieb.

Mr. Beddoes, gekleidet in die traditionelle Uniform des englischen Butlers einschließlich weißer Handschuhe, stand abseits und beobachtete seine Chefin. Er wartete still, wusste er doch genau, dass in solchen Momenten, kurz vor einem Empfang, die Protokollbeauftragten ziemlich frei drehen und das exekutive Personal, wie Köche und Kellner, zum Wahnsinn treiben. Nur hier war niemand zum in den Wahnsinn zu treiben. Der alte Beddoes war viel zu erfahren, um sich davon beeindrucken zu lassen und den Rest erledigte der Replikator. Er musterte zum wiederholten Mal das Ambiente. Er fand die Idee schön, den Innenhof eines maurisch-andalusischen Riads zu verwenden. Die Rundbögen auf ihren zierlichen Säulen, die vielen Grünpflanzen und der lange ovale Tisch, der 14 Personen reichlich Platz bot und andererseits auch Gespräche ermöglichte, erfreuten seinen Sinn für Ästhetik. Ja, es war perfekt.

Das Holodeck war jedoch nicht nur auf das Ambiente programmiert worden. Mit einem kleinen Trick hatte Irini eine Art Nebenstation geschaffen, die wie ein Replikator arbeitete. Diese stand abseits im umlaufenden Säulengang und von dort sollte das Essen aufgetragen werden. Und auch die größte Herausforderung, die Sitzordnung, war gemeistert worden. Selbstverständlich saßen die Botschafterin als ranghöchster Gast und Suval als Gastgeberin an den Enden des Tisches. Die engsten Mitarbeiter, Mr. Watson und Mr. Momoa an der Seite ihrer Chefinnen. Und den Rest hatten Irini und Mr. Beddoes sinnvoll gemischt. Mr. Mancuso, der sicherlich nicht viel von gepflegtem Smalltalk und diplomatischem Geschwätz hielt, wie er es bezeichnen würde, hatte als Nachbarn den Tellariten Naarg, und ihm gegenüber sollte die junge Andorianerin Jhamel neben Varella sitzen. Dass sich dieses Gegenüber nicht als absolut glücklichste Wahl für Jhamel erweisen sollte, zeigte sich gleich zu Beginn des Empfangs.

 

Fünf Minuten vor 20 Uhr, immer noch überzeugt, dass irgendetwas fehlte, verließ Irini mit der Protokollmappe (die gehört nun mal dazu) das Holodeck und traf vor dem Eingang auf die Teilnehmer der Iowa. Erst auf den zweiten Blick bemerkte sie das Fehlen Mancusos.

„Guten Abend, Captain“ grüßte sie die Kommandantin und verteilte ein Lächeln an alle Anwesenden.

„Ich hoffe, es wird alles zu Ihrer Zufriedenheit ausfallen, Madam. Ihre Vorgaben waren diesbezüglich sehr präzis.“ Suval nickte bestätigend.

Unvermittelt wechselte die Barkeeperin in Vulkanisch, das außer ihr nur noch Suval und Lorek verstanden.

„Willkommen, Botschafterin Talera.“

Irini sparte sich Aussagen über Freude und dergleichen. Das wäre bei Vulkaniern nur Luftverschwendung.

Die Botschafterin nickte unbewegten Gesichts einen Gruß in Richtung Suval und trat entspannt zur Seite. Es blieb weniger als eine Minute bis zum offiziellen Beginn.

‚Nun könnte Mancuso aber wirklich kommen‘ dachte Irini stirnrunzelnd. Da bog er auch schon um die Ecke.

„Schön, dass Sie es einrichten konnten, Mr. Mancuso“ raunte sie ihm entgegen und war erleichtert.

Die Andorianerin drehte sich im selben Moment um und erstarrte. Irini folgte ihrem Blick und betete, dass der Sicherheitschef nicht durch was auch immer den Captain blamieren würde.

Und dann erstarrte sie ebenfalls, aber vor Überraschung. Unauffällig hob sie einen Daumen in Mancusos Richtung und nickte ihm anerkennend zu. Die Dekoration seiner Frontseite war schließlich nicht zu übersehen.

„Captain Suval hat Sie eingeladen, Botschafterin Talera und ihren Stab auf der Iowa willkommen zu heißen. Da nun alle Geladenen erschienen sind, bitte ich Sie, Mr. Beddoes zu Ihren Plätzen zu folgen. Er wird sich auch persönlich um Ihre Bedürfnisse kümmern, welcher Art auch immer sie sein mögen.“

Wie auf ein Stichwort öffnete sich das Portal des Holodecks und Mr. Beddoes trat heraus … und Mr. Beddoes trat heraus … Schließlich In 14-facher Ausführung.

Erstaunte, verblüffte, überraschte Blicke rundum, die hilfreich waren, die doch etwas steife Stimmung zu lockern. Irini nahm sogar von der Botschafterin eine leicht amüsierte Aura wahr.

„Wenn Sie mir bitte folgen wollen“ erklang es in 13-facher Wiederholung.

Zu Naarg sagte Mr. Beddoes jedoch: “Ich bin zwar schon ganz schön alt und nicht mehr der Schnellste, aber ich bezweifle dennoch, dass Sie mir mit Ihren rudimentären Stelzen folgen können. Versuchen Sie es trotzdem. Auf geht’s!“ Die freche Ansprache trug ihm ein erfreutes Grunzen ein und der Tellarit trippelte flott hinter Beddoes her und wurde neben Mancuso platziert. Mancuso murmelte etwas und der Tellarit quiekte amüsiert.

Der Anfang hat schon mal geklappt‘ dachte Irini erleichtert.

Jeder Mr. Beddoes geleitete seinen Gast zu seinem Platz und blieb hinter ihm stehen.

Irini war inzwischen zum Replikator gegangen und nahm nur am Rande wahr, das Captain Suval einige Worte an ihre Gäste richtete. Dann marschierten die Butler in geteilter Prozession durch die Durchgänge an den Enden des Tisches in den Umgang, nahmen am Replikator die ersten Gerichte in Empfang und reihten sich wieder in die Prozession ein. Ein vollkommenes, harmonisches Bild. Irini war zufrieden und der echte Mr. Beddoes, der letzte in der Reihe, grinste sie verhalten an. Auch ihm machte das Ganze viel Spaß.

Sie sah den interessierten Blick Mancusos auf seinen Suppenteller, auf dem in einer dunklen Brühe ein großer Kloß badete. „Leberknödel in Kraftbrühe, Sir“ sagte Beddoes leise zu Mancuso und erntete ein gezischtes „Nennen Sie mich nicht Sir!“ Worauf der Butler entgegnete „Sehr wohl, Sir. Wie Sie wünschen Sir.“

Mancuso beschloss, das alles zu ignorieren und nach einem verzweifelten Augenrollen widmete er sich der köstlichen Suppe, untermalt von Medebas begeistertem Schlürfen und Naargs enthusiastischem Grunzen. Und es war ihm unangenehm, dass die junge Andorianerin vor Ehrfurcht kaum zu essen wagte. Irini bemerkte das sehr wohl und es tat ihr herzlich Leid für beide.

Die Suppe war verzehrt, der Salat wurde aufgetragen, vegetarisch für die Vulkanier, Meeresfrüchte für Jhamel und Medeba, für diesen allerdings roh, und eine ordentliche Portion Carpaccio  für den Sicherheitschef. Irini war sicher, dass er das Hauptgericht, rare gebratenes Kobe Rind, und die Tellersülze als Abschluss ebenso schätzen würde.

Ein Blick in die Runde zeigte, dass alle zufrieden ihre Aufmerksamkeit den Speisen widmeten und diese Zufriedenheit gelegentlich durch entsprechende Lautäußerungen bekundeten.

Mancuso und Naarg amüsierten sich königlich. Ja, der neue Sicherheitschef beherrschte perfekt die Höfliche Sprache, nur dass die Offiziere der Iowa das anders nennen würden. Insubordination wäre da ein Beispiel.  Jhamel hatte sich inzwischen auch etwas entspannt und schwatzte mit Varella, Dr. Lorek plauderte locker mit der Botschafterin, was wiederum Watson zu einer entspannteren Haltung verhalf und Mr. Olifant haute herzhaft rein.

‚Das ist mit Sicherheit etwas anderes, als Ihr mit psychedelisch bunten Soßen garniertes Kleckersandwich‘ sinnierte Irini und freute sich über die Begeisterung.

Das Hauptgericht kam und wurde mit ungebrochener Freude verputzt, gefolgt vom Dessert bzw. dem Nachtisch, der nicht für Jeden süß ausfiel. Die Ordonnanzen flitzten emsig umher, um Getränkewünsche zu erfüllen und Irini erfreute sich an den Farben des Diners und der Getränke. Das Orange der köstlichen Plomeeksuppe, das satte Korallenrot oder matte Taubengrau der Meeresfrüchte, das Türkis des romulanischen Ales, das dunkle Braun des riesigen Steaks, die bunten Gemüsefarben wurden durch das Weiß des Tafeltuchs und des Porzellans gehoben und waren auch ein Fest für das Auge.

Irini war zufrieden. Ein Blick ging zu Suval. Was meinte sie dazu? Irini konnte ihre Gedanken nicht mehr erkennen. Die Rihanna war buchstäblich eine Blackbox geworden. Na, sie würde es beizeiten erfahren.

 

Beteiligte: alle Geladenen

SD 2417.199, 20:15 Uhr, Holodeck III

Nachdem die Rihanna ein paar unverbindliche Worte an die Anwesenden gerichtet hatte, nahm sie wieder Platz und bemühte sich, ihren Vorsatz in die Tat umzusetzen. Sie wollte sich entspannen, das Essen mit ihren Kollegen in diesem angenehmen Ambiente genießen und die Mühe, die sich Irini und Beddoes gemacht hatten, entsprechend würdigen - wenngleich der Anlass dieses Essens und die vier nicht ihrer Crew zugehörigen Gäste das Vorhaben zumindest teilweise von vornherein sabotierten. So griff sie nach ihrem Glas und lehnte sich zurück, kurzzeitig dem Blick ihres Stellvertreters begegnend, der offenbar ähnliches dachte wie sie.
Obwohl es in den vergangenen Jahren zahlreiche vergleichbare Ereignisse diplomatischer Natur gegeben hatte, die allesamt ohne Katastrophe überstanden worden waren - mit einer Ausnahme, die allerdings nicht selbst verschuldet war - und damit die Befähigung im Umgang mit solcherlei Situationen hinreichend bewiesen war, zählten solche Empfänge bei beiden kommandierenden Offizieren nicht zur Lieblingsbeschäftigung und wurden nur realisiert, weil es das Protokoll verlangte. Doch dieses Dinner gehörte zu den kleineren, unkomplizierteren Hindernissen, die es im Umgang mit Diplomaten zu umschiffen galt - dessen war sich Suval sicher. Die Frage bezüglich der echten Herausforderungen war nicht, ob sie sich ergaben, sondern wann. Und ihre Aufmerksamkeit blieb für einen Moment an Talera hängen.

Als der erste Gang gereicht wurde, ließ sie ihren Blick über die Tafel schweifen, um ihre Kollegen etwas eingehender zu beobachten, und war gespannt, ob sich die etwas steife Atmosphäre im Laufe des Abends lockern würde, zumal sie selbst enorme Schwierigkeiten mit Smalltalk hatte. Ihre Zweifel dahingehend verflogen allerdings recht schnell, als ausgerechnet die beiden Männer mit den subjektiv schlechtesten Manieren - dem Einen diktierte es seine Lebenserfahrung und dem Anderen schlicht sein Naturell - das Eis brachen und in eine gemütliche, teils amüsierte Plauderei verfielen.

Dreieinhalb Stunden und ein perfektes Vier-Gänge-Menü später hatte sich die Tafel gelichtet. Die Botschafterin und ihr Attaché hatten sich vor Kurzem verabschiedet, ebenso wie Badu, Rua und Varella. Die verbliebenen Anwesenden schienen auch langsam mit der Müdigkeit zu kämpfen - die einzelnen Gespräche versiegten allmählich, vielleicht gingen aber auch nur die Themen zur Neige.
Für Suval als Gastgeberin, die zum wiederholten Mal binnen der letzten halben Stunde auf ihren Chronometer geblickt hatte, war es die Gelegenheit, sich der Etikette angemessen zu verabschieden.
"Ich bitte Sie, mich zu entschuldigen", meinte sie in die Runde, als sie sich erhob und im Anschluss die beiden Mitarbeiter der Botschafterin gesondert bedachte: "Die Pflicht ruft."
Damit wandte sie sich ab, um sich noch kurz mit Irini zu unterhalten, als sie im Hintergrund wahrnahm, dass Naarg eine Frage die Tzenkethi betreffend an die noch anwesenden Sternenflottenangehörigen stellte - wohl um zu eruieren, wer von ihnen bereits persönliche Erfahrungen mit diesem schwierigen Volk gesammelt hatte. Es erschien ihr interessant, dass er bis jetzt damit gewartet hatte, das Gespräch auf dieses Thema zu lenken - entweder weil die Situation nun ungezwungener erschien, da weder die Botschafterin noch die Kommandantin der Iowa am Tisch verweilten, oder aus anderen Gründen - doch alles, was über das anfängliche Schweigen als Antwort hinaus ging blendete sie einfach aus, als Irini und Mister Beddoes auf sie zutraten.

"Ich danke Ihnen beiden. Es war ein äußerst gelungener Abend. Das Essen war ausgezeichnet und das Ambiente perfekt gewählt."
"Nur die Sitzordnung war im Nachgang etwas unglücklich", kommentierte Irini, die sich über das Lob sichtlich freute und doch etwas zerknirscht wirkte ob dieses kleinen Fauxpas.
"Machen Sie sich nichts draus, Irini. Beide haben die Situation doch gut gemeistert", meinte sie und ließ ein Zucken ihren Mundwinkel begleiten.

SD 2417.200, 00:10 Uhr, Brücke der Iowa

Für einen kurzen Augenblick erhellte das Licht aus dem Turbolift das nächtliche Ambiente der Kommandozentrale, bevor sich die Tür nach dem Durchtreten Suvals wieder schloss. Gewohnheitsmäßig verzichtete der wachhabende Offizier, in diesem Fall Lieutenant Chibcha, auf die Meldung der Anwesenheit des Captains und übergab lediglich mit einem Nicken das Kommando an seine eigentliche Inhaberin. Zügig erhob er sich aus dem Stuhl in der Mitte, doch Suval hatte nicht das Bedürfnis, sich zu setzen. Stattdessen trat sie an Varella heran, die wie üblich auch in dieser Nacht und trotz ihrer Teilnahme an dem Empfang für die Botschafterin an der Steuerung saß.
"Wir erreichen wie erwartet in zehn Minuten die Grenze zum Territorium der Tzenkethi", meldete die Navigatorin. "Bisher gibt es keine Anhaltspunkte, dass wir unser Ziel nicht pünktlich erreichen würden." Die Denobulanerin drehte sich kurz herum und schaute der Rihanna mit einem verhaltenen Lächeln ins Gesicht, die mit steinerner Miene und einem wortlosen Nicken die Kenntnisnahme signalisierte. Schließlich wandten sich beide Frauen wieder voneinander ab, als die Turbolifttür abermals auf- und wieder zuglitt, um Commander Oliphant auf die Brücke zu entlassen.
Suval war kurzzeitig überrascht, dass der junge Taktiker offensichtlich außerplanmäßig seinen Dienst versah, maß dem aber keine größere Bedeutung bei. Er würde seine Gründe haben.
"Mister Oliphant, melden Sie der Patrouille unseren gegenwärtigen Status und das wir in Kürze die Grenze überschreiten", wies die Rihanna an, als der Angesprochene seine Station übernommen hatte. Die erwähnte Patrouille bestand aus zwölf kleineren Schiffen, die über eine Entfernung von mehreren Lichtjahren an der Grenze postiert waren und im Zweifelsfall eine Rückendeckung gewährleisten sollten. Die Iowa war also mitnichten allein unterwegs, wenngleich sie auf ihrem Weg nach Tzenkethi Prime niemand direkt begleitete. Dies unterstrich einmal mehr die Herangehensweise der Sternenflotte an diese überraschende Situation - man kam der Einladung aufs diplomatische Parkett mit allem notwendigen Respekt und unter Zugeständnis der angegebenen Forderungen nach, wollte dabei aber auf alles vorbereitet sein - wie auch die Aufrüstung von Schiff und Crew eindrucksvoll bewies.

"Captain, die Destiny meldet, dass sie vor vierzehn Stunden kurzzeitig Sensorenkontakt zu einem klingonischen Verband hatte", teilte Oliphant nach einigen Minuten mit. "Das größte Schiff - nach dem Sensorecho mutmaßlich eine Negh'Var-Klasse - hatte einer Extrapolation zufolge Kurs auf Tzenkethi Prime, die Begleitschiffe haben vor der Grenze abgedreht und sind wieder verschwunden." Ganz offensichtlich hatten die klingonischen Gesandten einen kleinen zeitlichen Vorsprung.
"Wo ist die Destiny?" verlangte Suval zu wissen, woraufhin auf dem Hauptschirm eine taktische Darstellung erschien.
"Sie ist das südlichste Schiff auf Patrouille." Der Taktiker hob die Position der angesprochenen Einheit hervor. Für einen Augenblick sah die Kommandantin gebannt auf den Hauptschirm, dann nickte sie und wandte sich um.
"Gehen Sie auf gelben Alarm, Commander", entschied sie schließlich nach einem Moment des Überlegens.
Natürlich war es eine diplomatische Mission und die Botschafterin würde diesen Befehl vielleicht für unnötig oder gar provokant halten, vermittelte er doch auch nach außen sichtbar ein recht deutliches Signal. Doch der Schutz der Delegation lag in Suvals Verantwortungsbereich und das Letzte, was sie wollte, war eine Überraschung erleben zu müssen, die vermeidbar gewesen wäre. Zudem sollte man diesen ... Verhandlungspartner niemals unterschätzen, wie die Erfahrung gelehrt hatte.
Und die Intention dieser Einladung war schließlich nach wie vor fraglich.
Nach kurzem Zögern, das der Rihanna nicht entgangen war, wurde der Befehl schließlich ausgeführt und die entsprechenden Protokolle gestartet.
"Captain", setzte der Schotte an, als ihm Suvals Blick anläßlich seines Innehaltens gewahr wurde, "rechnen Sie denn mit einem Angriff?" Deutliche Beunruhigung begleitete seine Worte.
"Hinsichtlich der Tzenkethi sollte man mit allem rechnen, Commander."

SD 2417.200, 10:25 Uhr, Konferenzraum der USS Iowa

Die von der Botschafterin kurzfristig für heute morgen angesetzte Besprechung mit den Führungsoffizieren der Iowa hatte keine zehn Minuten gedauert und war recht einsilbig verlaufen. Talera hatte lediglich die weitere Vorgehensweise erläutern wollen, nachdem nur eine Stunde zuvor der Kanzler der Tzenkethi sich in einem Kommunique mit letzten Details zum bevorstehenden Treffen an die diplomatische Delegation gewandt hatte. Für den Anschluss hatte Suval mit Nachdruck um eine vertrauliche Unterredung mit Talera gebeten, bei der allerdings neben den beiden Vulkanoiden auch deren beide menschliche Stellvertreter anwesend waren.
"Ich muss protestieren, Botschafterin", setzte Momoa an, nachdem sich die Tür zum Konferenzraum wieder geschlossen hatte. "Die Protokolle..."
"Mir sind die Sternenflottenprotokolle in Bezug auf Außeneinsätze von kommandierenden Offizieren durchaus bekannt, Commander", unterbrach Talera den Ersten Offizier emotionslos. "Da es sich hier aber um eine diplomatische Mission handelt, gehe ich davon aus, dass das Oberkommando diesbezüglich über ein protokollwidriges Verhalten hinweg sehen wird."
"Bei allem Respekt, Botschafterin", versuchte nun Suval eine andere Taktik und konnte dabei ihre Verärgerung nur zum Teil verbergen, "eine Bitte kann man auch ablehnen!"

Die Bitte des Kanzlers bestand darin...
"... dass Sie mich und meinen Stab zur Vereidigung der Regierung begleiten, Captain."
Die einzige Reaktion hatte in einem mehrfachen Blickwechsel bestanden, obwohl mindestens drei der Anwesenden spontan hatten Einspruch einlegen wollen. Alle waren jedoch klug genug, es nicht zu tun - gegen die Autorität eines Botschafters, der die Mission quasi leitete, konnten sie nur den Kürzeren ziehen - inklusive der Kommandantin. Und diese Blöße wollte sie sich nicht geben.

Im vertraulichen Miteinander jedoch - ihr Erster Offizier gehörte für Suval eindeutig dazu - sah die Sache anders aus.
"Captain Suval", entgegnete die Vulkanierin nun mit deutlich wahrnehmbarer Missbilligung, "dieser Bitte nicht Folge zu leisten, käme einem Affront gleich. Und ich bin nicht gewillt, die Verhandlungen von vornherein wegen Ihrer Antipathie zu gefährden. Demzufolge befehle ich Ihnen, mich zu der Vereidigung zu begleiten!"
Die Rihanna verengte die Augen und biss die Zähne zusammen, während sie ihren ersten Kommentar hierzu herunterschluckte.
"Darf ich offen sprechen, Botschafterin?" erbat sie schließlich, nachdem sie einmal tief durchgeatmet hatte, und Talera nickte zustimmend. "Ich halte es für einen großen Fehler, ausgerechnet die Iowa auf diese Mission zu schicken."
"Ich hatte Ihnen eingangs bereits erläutert, was der Grund hierfür ist."
"Nichtsdestotrotz..."
"Die Iowa hat auch aus Sicht der Föderation eine große symbolische Bedeutung in diesem Sektor, die wir uns zunutze machen wollen." Talera erhob geringfügig die Stimme als sie die Kommandantin harsch unterbrach.
"Symbolik hin oder her - Sie können doch nicht glauben, dass die Tzenkethi ernst meinen, was sie sagen!"
"Meine persönliche Meinung ist von untergeordneter Bedeutung, Captain."
"Ihnen muss doch angesichts der vorliegenden Einzelheiten klar sein, dass die Tzenkethi etwas anderes vorhaben, als Verhandlungen zu führen!"
"Diese Annahme begleitete sämtliche Planungen bezüglich dieser Mission. Aber die Möglichkeit der Verhandlungen an sich rechtfertigt die Risiken."
Die beiden kommandierenden Offiziere wechselten einen zweifelnden Blick.
"Und welche Rolle spielen die Klingonen und die Rihannsu in dieser Geschichte?" mischte sich nun auch Momoa wieder in das Gespräch ein.
"Das wird sich zeigen. Und bis dahin, Captain, bemühen Sie sich, Ihre Aversion hinten an zu stellen."
Für einen kurzen Moment zeigte sich der empfundene Zorn offen in Suvals Zügen. "Vielleicht hätte Sie jemand bezüglich meiner... Aversion vorwarnen sollen."
"Ich wurde vorgewarnt, sehr umfangreich sogar. Angesichts Ihres Dossiers ging ich jedoch davon aus, dass Sie sich kooperativer zeigen würden, als angekündigt." Die Vulkanierin legte nun wieder den typischen Stoizismus an den Tag, der hart an Arroganz grenzte. "Aber ganz offensichtlich habe ich mich dahingehend getäuscht."
"Ich hoffe für uns alle, dass es die einzige Fehleinschätzung Ihrerseits bleibt."

 

Beteiligte:

1) alle zum Dinner Geladenen

2) Varella, Oliphant

3) Momoa; indirekt alle Führungsoffiziere

SD 2417.200, 10:55 Uhr, USS Iowa, Hauptquartier der Sicherheit

 

Missmutig betrat Mancuso die Zentrale des Sicherheitsdienstes an Bord der Iowa. Wäre die Tür nicht automatisch aus dem Weg gesprungen, er hätte sie eingetreten…

„Mahlzeit, Chief“, grüßte Qwiaa und biss in etwas, das irgendwie wie ein Sandwich aussah.

„Mein Gott, essen Sie das? Es stinkt erbärmlich. In meinem Büro“, beschwerte der Sicherheitschef sich. – „Käse. Sehr würzig. Mal probieren?“ – „Nehmen Sie diese biologische Waffe aus meinem Gesicht! Wenn Sie weiter als mein Stellvertreter agieren wollen, tun Sie das nie wieder!“ – „Was?“ – „Weg mit diesem Stinkbrot, sagte ich.“ – „Nein, das andere?“

Qwiaa blinzelte, realisierte, dass das von Mancuso verächtlich klassifizierte Lebensmittel in ihrer Hand immer noch wie ein Damoklesschwert – nun, als Orionerin fehlte ihr die humanistische Bildung, um Damokles zu kennen, aber hätte sie das carmina des Horaz gekannt, wäre ihr dieses Bild mit Sicherheit in den Sinn gekommen.

„Dass hier alle irre sind, vor allem die Spitzohren? Soweit war ich noch nicht gekommen in meinem Drang, alle an meinem Unglück teilhaben zu lassen.“

Qwiaa schaute ihn mit einem dieser Blicke an, der entweder völlige Verständnislosigkeit zum Ausdruck brachte, oder aber Mitgefühl für einen geistig Behinderten ausdrückte.

„Ach, das Stellvertreterding? Ja, Sie haben den Job. Sie werden es hassen, denn Sie müssen alles erledigen, was ich nicht erledigen will, zu Zeiten, zu den ich nicht will…“ – „Ich hab’s verstanden, danke. Und danke, ich werde mich würdig erweisen…“

Mancuso drehte sich schon um und winkte ab. „Weiß ich doch, sonst hätten Sie den Job nicht bekommen. Zurück zum Dienst, trommeln Sie die Abteilung zusammen, alles, was irgendwie und irgendwann mal meinem Kommando unterstand.“ – „Ärger?“ – „Ein riesengroßes Stinksandwich, und wir werden alle unseren Bissen abbekommen. Ich will die Schichtleiter, die Stellvertreter und jeden Gruppenführer in zehn Minuten hier sehen. Der Rest der Sicherheitsabteilung hält sich in erhöhter Alarmbereitschaft. Waffen werden geprüft und vorbereitet, verbleiben aber vorerst in der Waffenkammer. Jeder – und damit meine ich jeden – erhält seine PES und die Notausrüstung. Alles ist jederzeit am Mann zu führen.“ – „Oh…“ – „Ja, oh.“

 

Zehn Minuten später…

 

„Schön, dass Sie es alle einrichten konnten…“ – „Ich hab eigentlich dienstfrei und wollte mich gerade hinlegen, als Qwiaa hier das Treiben verrückt gemacht hat.“ – „Deswegen lieben wir auch sie…“, Mancuso nickte in Richtung Qwiaa, „… und nicht Sie, fertig mit dem Gemeckere, Petty Officer Second Class Jalak Kar? Denn zu unser aller großen Freude hat die Madame Botschafterin eine Idee gehabt.“

Frostige Stille und gespannte Aufmerksamkeit breiteten sich aus. „Natürlich will sie runter nach Tzenkethi Prime, wieso auch nicht, ist ja ihr Job. Aber sie will Captain Suval mitnehmen.“

 

Mancuso setzte eine bedeutungsvolle Pause.

„Deswegen die Modenschau mit der PES?“ – „Genau. Ich will, dass wir zu jeder Tages- und Nachtzeit in der Lage sind, den Wünschen der Botschafterin entsprechen zu können und gleichzeitig habe ich nicht vor, einen Captain zu verlieren, egal, welche Mühe sich die Botschafterin gibt.“

„Aber es sind doch nur die Tzenkethi, Chief. Sie haben uns eingeladen, und…“ – „Nur die Tzenkethi?“ Mancuso fiel der Quelle Kerran dieser dummen Bemerkung eiskalt ins Wort. Seine Augen verengten sich kurz und seine Stimme wurde gefährlich leise. „Das sind nicht ‚nur Tzenkethi‘, Petty Officer Third Class, sondern gnadenlose Spinner. Skrupellose Gotteskrieger, denen einer abgeht, für’s Vaterland zu sterben. Gerade Sie als Veteran sollten wissen, was das für Typen sind…“

Qwiaa legte ihm die Hand auf die Schulter. Er atmete tief durch. „Sei es wie es sei. Für mich sind das Feinde und wir kommen in ein Kriegsgebiet. Und da ich hier Chef bin, machen Sie alle sich diese Einstellung auch zu eigen, verstanden? Sie dürfen damit anfangen, Ihre Galauniform zu suchen und die Paradewaffen zu putzen. Und sie einsatzbreit zu machen, verstanden?“

 

 

SD 2417.200, 11:30 Uhr, USS Iowa, Brücke

 

Die Iowa pflügte weiterhin mit gemächlicher Warpgeschwindigkeit durch den Raum der Tzenkethi. Man wollte keine Hektik ausstrahlen, sondern Ruhe, Souveränität und Selbstbewusstsein. Natürlich war man zu einem bestimmten Termin an einen bestimmten Ort eingeladen worden. Fast imperativ eingeladen worden. Doch erstens wollte Captain Suval nicht über jedes Stöckchen springen, dass man ihr hinhielt und zweitens ist unter den Unpünktlichkeiten das Zu-früh-Erscheinen immer noch die größte Sünde.

Außerdem – und das möge man als Fußnote zu einer Anlage im Logbuch verstehen – waren der Start der Kommunikationssonden bei hektischer Warpgeschwindigkeit erheblich gefährlich als bei gemächlicher.

„Drei Minuten bis zum Absetzpunkt“, meldete Varella von der Navigation.

„Freier Raum und keine weiteren Schiffe im Bereich der Nahbereichssensoren“, ergänzte Medeba die Statusmeldung und nickte Barclay zu.

„Sonde bereit, Torpedokatapult eins geladen.“

„Auf den Befehl warten“, merkte der erste Offizier an.

„Arbeiten die anderen Sonden zuverlässig?“, fragte Suval wieder einmal. Seit Abwurf der zweiten Sonde hatten sich Ablauf und Gespräche ritualisiert.

„Telemetrie ist einwandfrei, Captain“, bestätigte Barclay nach einen kurzen Blick auf das vor ihm liegende Sensorfeld. „Verschlüsselungssysteme arbeiten einwandfrei. Das Hauptquartier bestätigt ein sauberes und starkes Signal. Die derzeitige Verzögerung in der Kommunikation beträgt drei Stunden und achtzehn Minuten. Die Redundanz liegt bei zwei Sonden.“

„Setzen Sie die Sonde aus, sobald wir den Punkt erreicht haben, Mister Medeba“, befahl Suval.

„Bestätigt. Dreißig Sekunden.“

 

Die fünfte Sonde wurde ausgesetzt. Ein kurzer Schub mit den chemischen Manövertriebwerken brachte sie aus der Warpblase der Iowa. Es folgte ein holpriger Übergang in den Normalraum, jede Menge Tscherenkow-Strahlung wurde frei, als Partikel des Subraums in den Normalraum im Kielwasser der Sonde eintraten, ihre überlichtschnelle Bewegung gnadenlos abgebremst und die überschüssige Energie als blaues Leuchten verging.

Kleinere Zündungen der Düsen stabilisierten die Lage der Sonde. Mehrere Kommunikationskanäle öffneten sich und stellten Verbindungen zu den Sonden drei und vier sowie mit der Iowa her.

Eine weitere Baugruppe aktivierte sich und prüfte die Position der Sonde im Rhythmus von fünfzehn Sekunden. Dabei wurden lokale astronomische Objekte sowie interstellare Objekte im Umkreis von fünf Lichtjahren aktiv mit den Sensoren erfasst.

 

Zumindest stand dies in den offiziellen Logbüchern der Sonde.

Ein anderer Teil der Sensoraufzeichnungen wurde in einem Akkon-Kristallspeicher abgelegt, der sich Beschädigung der Sonde, unsachgemäßem Ausbau oder dem Versuch eines unrechtmäßigen Zugriffs erst seine physikalische Struktur zerstörte und danach seine chemische Moleküle in die reinen Elemente zertrümmerte. Bergung und Wiederherstellung – unmöglich.

Dieser Teil der Sensoraufzeichnungen umfasste eine Sphäre von einhundert Lichtjahren und mithilfe der anderen Sonden war eine triangulatorische Positionsbestimmung von Objekten auf weniger als eine Million Kilometer genau am Perimeter möglich.

 

 

Beteiligte Charaktere: Suval, Momoa, Rua, Barclay, Varella

"Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeidrucken, die wir hassen." - Tyler Durden (Fight Club)

SD 2417.200, 14:10 Uhr, USS Iowa, Blueberry Bar

Wie üblich zum mittäglichen Schichtwechsel war viel Betrieb in der Blueberry Bar. Selbstverständlich machte sich der Umstand, dass die Crew seit dem Start von Aldebaran um 120 Personen größer war als sonst, recht deutlich bemerkbar - nicht nur, dass das Schiff generell voller wirkte, sondern auch das die Logistik bei der Mannschaftsversorgung an ihre Grenzen gelangte. Ein freier Platz am Tisch seiner Wahl wurde zur Mangelware und man musste ungewohnt lange auf sein Essen warten. Aber heute, so stellte Petty Officer Matthews beim Betreten der Bar erstaunt fest, hatte sich noch etwas grundlegend geändert und machte die Tatsache, dass sich das Schiff seit etwa vierzehn Stunden auf erhöhter Alarmbereitschaft befand, noch deutlicher, als es der ausgesetzte Tag-Nacht-Rhythmus in der Beleuchtung und der unterschwelligen Anspannung aller Besatzungsmitglieder je konnte: Sämtliche grün Uniformierten hatten ihre Standarduniform gegen die PES getauscht. Matthews ließ dies ein Schauer über den Rücken laufen, während er versuchte in der schwarzen Masse einzelne Gesichter zu erkennen. Dann hörte er einen leisen Pfiff, der seinen Blick in die Richtung dirigierte, aus welcher sein liebster Kollege ihm zu winkte. Auf dem Weg durch die beiden Schlangen, die anstanden, um ihr Mittag abzufassen, rempelte er aus Versehen mehrfach einige gepanzerte Gestalten an und holte sich den einen oder anderen blauen Fleck, ehe er es geschafft hatte, den Tisch zu erreichen und sich auf den letzten freien Stuhl fallen ließ.
"Man kommt sich ja vor wie im Kriegseinsatz", mokierte sich der Techniker und erntete im ersten Moment nur Schweigen von den drei schwarz Gekleideten.
"Chief Mancuso hat angedeutet, dass wir genau davon im Moment ausgehen sollen", kommentierte schließlich der Bolianer am Tisch und hörte kurzzeitig auf, in seinem Essen herum zu stochern. Matthews blickte ihn mit einer Mischung aus latenter Panik und "wer bist du eigentlich" an.
"Darf ich vorstellen - Petty Officer Third Class Orville", meinte Stevens und grinste, während sich das Gesicht des Bolianers dezent verdunkelte. "Einer unserer Neuen."
"Mein Name ist Bortus", stellte der Neue richtig und legte enerviert seine Gabel beiseite, um Stevens mit einem bösen Blick zu bedenken. Dieser scherte sich allerdings nicht um die Befindlichkeiten seines Kollegen und deutete auf den Techniker.
"Sein Name ist Steven Matthews."
Jetzt war es an dem Bolianer, ungläubig von einem zum anderen und wieder zurück zu blicken, bis auch Matthews zu grinsen begann.
"Ist nicht euer Ernst."
"Bedauerlicherweise doch", entgegnete Petty Officer Zito, der vierte am Tisch. "Aber wenigstens arbeiten beide nicht in derselben Abteilung."
"Damit könnten wir Mancuso in den Wahnsinn treiben", meinte Matthews und schien für einen Augenblick ernsthaft mit dieser verlockenden Idee zu spielen.

"Mal was anderes", meinte nach einer Minute des Schweigens Zito, als sich die Schlangen langsam lichteten und den Blick an den Tresen freigaben. "Der Typ da scheint ja trotz so früher Stunde jetzt schon ganz schön blau zu sein."
Im ersten Moment hielt wieder Amüsement am Tisch Einzug, als die drei Kollegen des Andorianers am Tresen ansichtig wurden. Doch beim zweiten Blick verschwand das Grinsen aus den Gesichtern, als ihnen klar wurde, dass der Bajoraner recht hatte. Drei geleerte Gläser standen vor dem Andorianer und er selbst hing mehr auf dem blank polierten hölzernen Tresen, als dass er an ihm saß.
"Ist das nicht dieser Journalist? Breel, oder wie er hieß?" fragte Stevens.
"Er ist der Pressesprecher der Botschafterin", korrigierte Matthews. "Und ich glaube, er saß gestern schon hier und hat sich volllaufen lassen. Die Dekompressionsübung schien ihn ganz schön mitgenommen zu haben." Wieder begann der Techniker zu grinsen.
"Ich glaube nicht, dass die Übung der Grund dafür ist", hakte Bortus ein und erntete fragende Gesichter. "Nach der Übung war er mit dem Captain aneinander geraten."
"Weißt du, worum es ging?" Neugierige Blicke richteten sich auf ihn, doch er schüttelte mit dem Kopf. "Chief Mancuso hielt uns zur Eile an, die Szene zu verlassen. Es muss wohl aber ziemlich pikant gewesen sein."
"Hm." Zito überlegte kurz. "Wir könnten ja rüber gehen und mit ihm reden", schlug er vor, doch Matthews winkte ab.
"Wenn ich das so sehe, kümmert sich Irini schon darum."
Denn just in diesem Augenblick war die El Aurianerin hinter dem Tresen aufgetaucht und sprach Breel an.

SD 2417.200, 17:20 Uhr, USS Iowa, Bereitschaftsraum

Vor knapp drei Stunden hatte sich die Kommandantin mit der Anweisung, nicht gestört werden zu wollen, in ihren Bereitschaftsraum zurückgezogen - offiziell um den lästigen bürokratischen Aufgaben nachzukommen, inoffiziell um zu meditieren, worüber sie letztlich eingeschlafen war. Den Elementen sei Dank war ihre Couch äußerst bequem, so dass sie sich trotz etwas beengter Platzverhältnisse einigermaßen ausgeruht fühlte. Nachdem sie sich erhoben hatte und nach der Inspektion ihrer Uniformjacke feststellte, dass es klüger gewesen wäre, diese vor dem Nickerchen auszuziehen, begab sie sich kurz an ihren Schreibtisch. Die offenen und halbfertigen Berichte, die anklagend auf dem hellen Bildschirm auf Fertigstellung warteten, schloss sie kurzerhand, da ihr ohnehin die Muße fehlte, diese jetzt fortzusetzen. Schnell noch ergänzte sie das Schlafprotokoll um die eben abgeschlossene Pause und dann verließ sie den Bereitschaftsraum.
Die Brücke betreten blickte sie sich kurz um, als Medeba auch schon den Platz in der Mitte frei machen wollte. Doch Suval hinderte ihn mit einem Handzeichen daran.
"Irgendwelche Vorkommnisse, Commander?"
"Keine. Wir haben zwei weitere Sonden ausgesetzt, das Netzwerk arbeitet einwandfrei und es gibt keine Signalstörungen. Die Kommunikationsverzögerung hat sich erwartungsgemäß auf drei Stunden vierunddreißig Minuten erhöht." Suval nickte zur Bestätigung.
"Wo ist Commander Momoa?"
"Er hat sich vor anderthalb Stunden abgemeldet und wollte Chief Mancuso bei seinen Planungen ein wenig unterstützen."
Die Rihanna überlegte kurz, was dies bedeuten konnte - entweder waren die beiden Soldaten in ihrem Element und planten einen mittelgroßen Feldzug, oder Mancuso versuchte sich allein daran und Momoa als Erster Offizier sah sich bemüßigt, relativierend einzugreifen. Eins wie das andere führte dazu, dass sie beschloss, der Sicherheitszentrale einen Besuch abzustatten.
So begab sie sich zum Turbolift, als dieser auch schon die Tür öffnete und Matthew Rua ihr entgegen kam.
"Captain..."
"Commander", und ein fragender Blick richtete sich auf den Menschen, als dieser kehrt machte und sich zu ihr in die Kapsel begab.
"Ich wollte gerade zu Ihnen." Zwischenzeitlich teilte sie dem Computer ihr Ziel mit.
"Haben Sie das, worum ich Sie gebeten hatte?" Und er hielt ihr eine kleine Schatulle hin, auf der ein Trikorder lag. "Sehr schön." Sie ergriff den Scanner und hielt ihn an die Schatulle. "Reichweite?"
"Passiv etwa 500 Kilometer, aktiv schätzungsweise zwanzigtausend Kilometer, vielleicht auch mehr. Das ist abhängig von Störquellen oder dem durchdrungenen Medium." Sie nickte verstehend und nahm die Schatulle entgegen.
"Vielen Dank."
Damit hatte der Turbolift sein Ziel erreicht und öffnete die Tür. Zügigen Schrittes begab sie sich nun in die Sicherheitszentrale, die beim Betreten einen noch geschäftigeren Eindruck erweckte als sonst. Leise wurde sie von einzelnen Anwesenden gegrüßt, als sie auch schon die Stimmen derer vernahm, die das Ziel ihres Besuchs waren. Sich einen Weg zum Büro des Sicherheitschefs bahnend nahm sie am Rande wahr, dass über einige der großen Monitore an der Wand diverse Nachrichtenprogramme der Tzenkethi liefen.

"Captain, hat sich die Botschafterin doch noch anders entschieden?" erfragte Mancuso, als Suval das Büro betrat. Etwas anderes als die Überbringung einer so bedeutsamen Nachricht konnte aus seiner Sicht ihr spontanes Auftauchen nicht erklären - immerhin war Momoa schon da und schaute ihm kritisch über die Schulter.
"Bedaure, Chief." Infolge dessen blickten beide Männer hinreichend unzufrieden - der eine, weil er gezwungen war, seinen Captain bestmöglich in der entstehenden Situation zu schützen, ohne auch nur annähernd alle beeinflussenden Kriterien abschätzen zu können und der andere, weil er in der Situation an Bord verbleiben musste, um das Kommando zu führen, obwohl er am liebsten und sofort mit Suval getauscht hätte.
"Ich habe hier aber noch etwas, das Sie in Ihre Vorbereitungen mit einbeziehen werden." Sie stellte die kleine Schatulle auf den Tisch und öffnete sie. Eingebettet in eine Art Schaumstoff waren in vier Reihen jeweils fünf kleine zylindrische Objekte zu erkennen. Momoa und Mancuso beugten sich darüber.
"Was ist das?" fragte der Sicherheitschef.
"Peilsender!" stellte der Erste Offizier fest und Suval nickte.
"Ein kleiner Gruß aus dem Maschinenraum. Niemand der regulären Crew wird das Schiff ohne einen von denen verlassen", erläuterte sie. "Denn wir genießen keine diplomatische Immunität - anders als die Delegation."
Mancuso griff nach einem der kleinen Zylinder, die kaum größer waren als eine Tablette.
"Nur für den Notfall", 'der hoffentlich nicht eintreten wird', setzte sie gedanklich hinzu. "Außerdem verbessert es erheblich die Transportererfassung."
"Ich nehme an, die Krankenstation kann uns bezüglich der Verwendung dieser Dinger weiterhelfen?"
Die Rihanna nickte. "So ist es. Und dort gibt es auch noch mehr davon, so dass es für alle Beteiligten reichen sollte."
Nun war es an den beiden Herren, bestätigend zu nicken, woraufhin sie zum eigentlichen Anlass ihres Besuchs kam.
"Wie sehen die Einsatzpläne aus?"

SD 2417.200, 19:35 Uhr, USS Iowa, Tactical Information Center

Anders als alle anderen Bereiche des Schiffes, die ob der bestehenden Alarmbereitschaft permanent normal beleuchtet waren, herrschte hier eine stetige Dämmerung, die allerdings ausschließlich der holographischen Darstellung geschuldet war. Mitten im Raum, über der zentralen Einheit, schwebte ein Raumausschnitt, welcher das Territorium der Tzenkethi darstellte. Darin leuchteten im Raster verteilt insgesamt acht Punkte, die die von der Iowa ausgesetzten Sonden darstellten. Um jede der Sonden symbolisierte eine schwach leuchtende Sphäre den Sensorperimeter, die sich weitgehend überschnitten und nur kleinere Raumbereiche unbeobachtet ließen.
"Gibt es neue Erkenntnisse, Mister Oliphant?" erfragte sie beim anwesenden taktischen Offizier, als sich dieser erhob und zu ihr an das Hologramm trat.
"Keine relevanten, Captain. Es sind so gut wie keine Flottenaktivitäten zu verzeichnen. Es gibt unregelmäßige Hinweise auf kleinere Patrouillenschiffe. Außerdem haben wir Signale von ein paar Frachttransportern aufgefangen, die nicht einmal alle eine Kennung der Tzenkethi aufweisen, sondern auch von bekannten Handelspartnern stammen. Einzige Auffälligkeit dabei ist, dass es eine Häufung der Signale in einem bestimmten System gibt." Der Taktiker zoomte an das betreffende System heran.
"Tonsimin", stellte Suval fest, noch bevor der Computer eine Beschriftung ergänzte, und Oliphant zeigte sich erstaunt. "Der einzig bewohnte Planet, Tonsimin II, war vor elf Jahren Schauplatz eines Kriegsverbrechens", erläuterte sie vage. "Sie haben vielleicht davon gehört." Oliphant nickte betroffen. Suval hingegen ersparte sich den Hinweis, dass zahlreiche heute noch aktive Crewmitglieder der Iowa, ebenso wie sie selbst - damals allerdings noch den vulkanischen Streitkräften zugeordnet - Augenzeugen dieses Massakers waren. "Und auch sonst haben der Planet und seine Bevölkerung keine rühmliche Vergangenheit, die vorwiegend durch Armut gekennzeichnet ist."
"Das dürfte die Transporteraktivitäten erklären."
"Und es ist wohl ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaft der Tzenkethi zumindest dort alles andere als floriert."
Ein kurzes, bedrücktes Schweigen war die Antwort, bevor auf eine Eingabe der Rihanna das Hologramm wieder den gesamten Raum der Tzenkethi darstellte.
"Wie ist Ihre allgemeine taktische Einschätzung der Situation, Commander Oliphant?"

Beteiligte:
1) Irini indirekt
2) Momoa, Mancuso, Rua, Medeba
3) Oliphant

NRPG: Nochmal ein Keks für alle, bevor wir ankommen. Die Ankunft bei Tzenkethi Prime würde ich dann in meinem nächsten Log beschreiben, diesen Zeitpunkt daher bitte noch nicht aufgreifen. Danke schön.

SD 2417.200, 14:10 Uhr, USS Iowa, Blueberry Bar

Es war das blanke Chaos, nicht nur in der Bar, sondern auf dem ganzen Schiff. Hier in der Bar fiel es aber am meisten auf, weil die neu an Bord gekommenen Personen offensichtlich alle die berühmte Bar der Iowa kennenlernen wollten. Sollten sie ja auch, überhaupt nichts dagegen einzuwenden, aber bitte nicht alle auf einmal. Und dass die Leute von der Sicherheit, Mancusos Truppe, auf einmal solch dickes Zeug anhatten, machte die klaustrophobische Enge nicht besser.
Aber jeder bekam sein Essen, der Replikator glühte regelrecht, und auch Getränke gingen reichlich über den Tresen, garniert mit den Hinweisen auf die zusätzlich in den Abteilungen installierten Replikatoren und eingerichteten Pausenräume. Aber die Elaurianerin hatte den Eindruck, ihre Hinweise dienten nur zur Prüfung der Durchgängigkeit von Ohren.

Endlich hatte sich das Chaos etwas gelichtet, so dass die Barkeeperin wieder ihren eigentlichen Arbeitsplatz einnehmen konnte, auf der Stufe hinter dem Bartresen. Die Stasisbox war schon längst ausgeräumt, nur ein paar einzelne Reiskörnchen kündeten von der Vergänglichkeit der köstlichen Häppchen. Mehrere Pfützen  verschütteter Flüssigkeiten zierten die blank polierte Oberfläche des Tresens rund um den halb auf der Platte hängenden Andorianer.
„Noch mal dasselbe“ nuschelte dieser und schob Irini sein Becherglas hin, das dabei klirrend umfiel. Irini griff schnell danach, bevor es wegrollen konnte.
Mit Nachdruck stellte sie es vor Breel hin und meinte dazu: „Sie haben genug, zumal Sie das Zeug, was Sie da in sich hineinschütten, überhaupt nicht vertragen! Wo haben Sie das eigentlich her?“
„Hab’s hier in meiner Tasche.“  Mit diesen Worten zerrte er eine Stofftasche unter seinem Sitz hervor, zog den Verschluss auf und förderte eine Flasche saurianischen Brandy zutage.
„Und gleich hab ich das in meinem Glas.“
Daraus wurde aber nichts, weil er überhaupt nicht mehr zielen konnte und Irini beherzt nach der Flasche gegriffen hatte und sie ihm wegnahm.
„Ihnen wird es morgen überhaupt nicht gut gehen, wie wollen Sie denn überhaupt in diesem Zustand Ihre Arbeit machen. Als Pressesprecher der Botschafterin hätte ich etwas anderes von Ihnen erwartet.“
„Immer erwarten alle etwas von mir. Keiner fragt mich, was ich eigentlich will. Ich will gar nicht hier sein.“
Der blauhäutige Mann bot einen jammervollen Anblick, wie er da so über den Tresen hing und sich krampfhaft an der Stange festhielt. Auch seine Fühler hingen traurig und reglos herunter.
„So, und das ist ein Grund, sich sinnlos zu besaufen und sich selbst zu bemitleiden?“
„Genau so isses!“ lallte der Journalist und bemühte sich um sein Gleichgewicht.
„Aber das kann sie mir nicht anhängen, nich das…“
Irini wirkte kurzzeitig irritiert. Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Suvals Drohung, falls Breel sich jemals wieder auch nur in der Nähe der Iowa zeigen sollte. Mit seinen Interviews hatte er damals großen Schaden angerichtet, an dem einige Besatzungsmitglieder einschließlich Suval noch immer zu kauen hatten.
„Nein“ entgegnete sie nun bedachtsam, „Sie haben Recht, Mr. Breel. Das kann Sie Ihnen nicht anhängen, weil es schon an Ihnen hängt und das wird es bis an Ihr Lebensende.“ Mit diesen Worten wandte sich Irini ab und sah nicht, wie ein am Boden zerstörter andorianischer Pressesprecher wankend die Bar verließ. Ein Häuflein Elend wirkte froher dagegen.

Beteiligt: Breel

SD 2417.200, 19:00 Uhr, USS Iowa, Wissenschaftslabor

Barclay hatte nicht aufgeschaut, als er aus dem Augenwinkel seinen Chef durch den langen Laborgang huschen sah. Er sah ihn nicht genau, war nur etwas verwundert wegen der offensichtlichen Eile.
Aber er legte die Beobachtung im internen Speicher ab und widmete sich wieder seiner Aufgabe. Es waren noch 6 Sonden umzurüsten und die Arbeit wurde durch in die Gegend glotzen nicht weniger.
Es waren diffizile Teilschritte erforderlich, um den Wunsch des Captains zu erfüllen. Dabei war das Einrichten der Kommunikationskanäle eine der leichteren Übungen. Jede wissenschaftliche Sonde besaß einige davon für die verschiedenen Frequenzbereiche und Reichweiten, einschließlich Subraumfunk.
Auch die hochpräzise Telemetrieeinheit machte keine Schwierigkeiten und sie würde wie vorgesehen funktionieren. Dem Astrophysiker der Iowa war bisher noch nicht zu Ohren gekommen, dass eine dieser neuen, sich in Gravitationspotentialen verankernden, Telemetrieeinheiten versagt oder in ihrer Genauigkeit nachgelassen hätte. Nein, das eigentliche Problem lag in dem Zusatzmodul, das einzubauen sie beauftragt worden waren.
‚Also doch Spionagesatelliten‘ hatte Barclay gedacht, als er die ersten Akkonspeicher aus dem Maschinenraum bekommen hatte. Diese hochempfindlichen Kristallspeicher waren so sensibel, dass sie einem in der Hand zerbröseln konnten, wenn sie unsachgemäß behandelt wurden. Und diese wollte Captain Suval in die modifizierten Wissenschaftsonden eingebaut haben.

Das war auch der Grund, weshalb Barclay so hochkonzentriert arbeiten musste. Er konnte sich keinen Fehler erlauben, Matt würde ihn steinigen, wenn einer dieser mühsam hergestellten Kristalle Schaden nehmen würde.

Allmählich regte sich Besorgnis in Barclay, weil Medeba nicht wieder aus seinem Büro kam, um zu sehen, wieweit sein Mitarbeiter gekommen war.
„Commander Medeba, Sir, Captain Suval möchte die Maschen C3 bis C8 des Sondengitters geteilt haben. Sie sind wohl etwas größer geraten, als geplant. Dazu brauchen wir noch 6 Sonden. Ich habe die Kommunikationskanäle und die Telemetreieinheiten schon eingerichtet und justiert. Aber bei den Speichern könnte ich bitte Hilfe gebrauchen.“
Barclays Ruf verhallte ohne Reaktion seitens seines Chefs. Nur ein unidentifizierbares Glucksen war zu hören.
„Commander Medeba, könnten Sie bitte mal kommen, meine beiden Arme reichen hier nicht aus.“
Diese Ansage, geboren aus der Not, klang schon etwas verzweifelter.
Und wieder erfolgte nur ein unartikuliertes Glucksen.
Barclay befürchtete das Schlimmste, kündigte sich doch ob der äußerst unbequemen Haltung ein Krampf in seiner unteren Rückenpartie an. Wenn jetzt nicht unmittelbar in dieser Sekunde jemand eine helfende Hand reichte – und schon war es geschehen. Der Krampf im Rücken schlug zu, der Astrophysiker krümmte sich schmerzvoll und verdreht, der unbefestigte Speicher rutschte aus der  Halterung und krachte auf den Laborboden. Obgleich dieser mit einem federnden Belag versehen war, reichte dieser Stoß, um eine fatale Ereigniskette auszulösen. Ein feines Rauchwölkchen stieg über der Speichereinheit auf und ringelte sich lustig. Der Vorgang aber war jedoch keinesfalls lustig, denn hier leitete sich der Totalverlust eines teuren Equipments ein. Fasziniert beobachtete Barclay, wie aus den Gehäuseschlitzen ein feines glitzerndes Pulver rieselte. Exitus des Speichers.
„Matt wird mich umbringen“ stöhnte Barclay und rieb sich mit beiden Händen den unteren Rücken. Wahrscheinlich hatte er sich hierbei den Rückenmuskel gezerrt.
Aber noch besorgter war er um Medeba, der sich bis jetzt, auf auch den kräftigen Bumms hin, nicht aus seinen Büro herausgerührt hatte. Er musste nachsehen gehen. Vielleicht hatte den armen Sulamiden wegen der Anstrengung der vergangenen Stunden ein Herzinfarkt ereilt? Dann klatschte Barclay seine rechte Hand an seine Stirn. Sulamiden und Herzinfarkt, so ein Blödsinn.
Nun war er an der Bürotür angekommen und sah seinen Chef hinter dem Schreibtisch hocken und offensichtlich angestrengt auf den Monitor starren. Dabei war der obere Teil des Sulamiden vom Bildschirm verdeckt.
Barclay trat ein paar Schritte um die Schreibtischecke herum, weil er sehen wollte, was es dort gab.
Medeba starrte auf den Bildschirm mit sämtlichen Augenstielen, aber das war nicht, was Barclay erschreckte.
„Sir, was ist denn mit Ihnen los, wie sehen Sie denn aus? Sind diese hellblauen Kringel normal? Geht es Ihnen gut? Soll ich die Krankenstation benachrichtigen?“
Medeba kam wegen des Fragenschwalls, der auf ihn einprasselte gar nicht zum Antworten, wurde aber aus seiner Starre gerissen.
„Ich habe mich hinreißen lassen, mir eine Portion des blauen Salats, den die junge Andorianerin von Irini bekommen hat, zu essen. Und nun sehen Sie selbst. Ich habe himmelblaue Ringel bekommen, wie dieser Ringeloktopus von der Erde. Und die Kringel werden breiter. Ich weiß auch nicht, was das soll und vor allem, ob das wieder weg geht. So kann ich mich nie wieder zu Hause sehen lassen.“
„Das waren Eiswürmer, Commander. Ich habe Irini mal danach gefragt. Daher haben die Andorianer ihre blaue Hautfarbe. Dieses Pigment haben Sie nun aufgenommen und ich hoffe, es wird Ihnen nicht schaden. Sie sollten vielleicht doch die Krankenstation aufsuchen.“
„Ist vielleicht gar keine so schlechte Idee“ meinte der Sulamid.

Beteiligt: Medeba

SD 2417.200, 17:50 Uhr, USS Iowa, Sicherheitszentrale

 

Der Sicherheitschef schloss die Tür und dunkelte das Licht ab. Danach ließ er mehrere Kaffeetassen, ein paar PADDs und andere Dinge, die sich auf dem Tisch im Zentrum des Raumes angesammelt hatten, auf unelegante Art verschwinden.

Auf der Tischoberfläche erschien eine Landkarte.

„Die Hauptstadt auf Tzenkethi Prime“, erklärte Mancuso überflüssigerweise. „Der Bezirk mit den Botschaften befindet sich hier, gelb eingerahmt. Die Förderationsbotschaft war dieses Gebäude, blau. Mit größter Wahrscheinlichkeit ist es unbenutzbar.“

Momoa nickte und ergänzte. „Das bedeutet, dass eine Übernachtung auf dem Planeten erklärbar nicht möglich ist. Ebenso wie Beratungen an Bord der Iowa stattfinden müssen, da eine Abhörsicherheit nicht gegeben ist.“

Suval nickte. „An dieses Protokoll muss sich auch die Botschafterin halten…“

 

Mancuso fuhr fort. „Das Regierungsviertel ist violett gefärbt, der Regierungspalast, in dem der Empfang stattfinden wird…“

 

Mit kurzen, knappen Sätzen zeichnete er das Bild der Hauptstadt nach, beschrieb Verbindungswege, wichtige Orientierungspunkte, Entfernungen, potentielle Rückzugspunkte und mögliche Deckung. Dies war nicht die Vorbereitung eines Botschaftsempfangs mit allem denkbaren Chichi, sondern die taktische Planung eines Angriffs. Während der Ausführungen wirkte Momoa sehr zufrieden.

„Es besteht sogar die Möglichkeit, auf dieser Ost-West-Achse Shuttles mit Verstärkung landen zu lassen, während unsere Jäger Luftunterstützung geben“, fügte er hinzu. „Dennoch müssen wir bedenken, dass die Daten und Karten etwa acht Jahre alt sind. Die ältesten Luftbilder sogar zehn Jahre. Der Geheimdienst hatte keine besondere Priorität darauf gelegt.“

 

„Rufen wir die Tzenkethi oder eröffnen wir mit einem strategischen Erstschlag?“ fragte Suval.

„Nun, wenn Sie mir die Wahl lassen, Captain… au!“ Mancuso schaute Momoa vorwurfsvoll an. Dieser ignorierte den Blick und stellte sich wieder bequem hin, nachdem er einen Tritt verteilt hatte.

„Natürlich ist uns bewusst, dass dies eine friedliche und freundliche Mission ist. Trotzdem wollen wir alle Optionen einplanen.“ Er lächelte freundlich.

„Wir werden die Hauptstadt nicht lange halten können…“, ließ sich Suval auf das Spiel ein. „Außerdem wissen wir nichts über die Luftabwehr.“ – „Wir gehen davon aus, die entsprechenden Daten vor Ort zu erhalten. Außerdem müssen wir im Falle eine Evakuierung die Stadt nicht halten. Nur eine gewisse Zeit unter Kontrolle halten.“ – „Zehn Minuten, fünfzehn maximal. Und um unseren Rückzug zu decken, kommt immer noch ein Photonentorpedo in Frage.“

 

Suval musterte die beiden Männer an ihrem Sandkasten.

„Wenn wir da runter gehen, wie groß ist die Ehrenwache der Botschafterin?“ – „Protokollgemäß sollten es sechs Leute sein. Der besonderen Gelegenheit und dem gewünschten diplomatischen Eindruck haben wir uns für ein Dutzend entschieden“, erklärte Momoa.

„Elf meiner besten Handwaffenschützen unter meiner Führung. Selbstverständlich in vollständiger Galauniform und bewaffnet mit Ehrensäbel und Handphaser.“

„Geht in Ordnung… ich glaube, dies ist die Information, die Sie der Botschafterin zukommen lassen sollten. Noch Fragen?“ – „Ja, Ma’am. Zur Galauniform… was machen wir mit unseren Auszeichnungen aus dem Tzenkethi Krieg und von unserem ehemaligen Verbündeten, der Tzenkethi Allianz?“

Suval kniff die Augen zusammen und überlegte kurz. „Nun, es sind unsere Auszeichnungen, also tragen wir sie. Ich denke, wir haben genug dafür bezahlt.“

„Aye, Ma’am, danke Ma’am!“

 

Beteiligte Charaktere: Suval, Momoa

 

 

SD 2417.200, 18:30 Uhr, USS Iowa, Krankenstation

 

Mancuso betrat mit schwungvollerem Elan als sonst die Krankenstation und wurde von Leere und Stille gebremst. Keiner, wirklich keiner der Sanitäter oder Ärzte war irgendwo zu sehen. Dafür waren die Behandlungsräume in „Bitte nicht Stören“-Modus versetzt. Schallabsorbierende und blickdichte Kraftfelder sorgten dafür, dass hier draußen niemand erfuhr, was jemand da drin seinem Arzt des Vertrauens oder eben Doktor Home erzählte.

Eine grimmige Stimme zeigte an, dass Mancuso nicht allein war.

 

„…genug zu tun hätte. Bitte, schleusen Sie einhundert Neulinge durch die Krankenstation, von denen jeder ein Wehwehchen hat. Ein Tag reicht doch dafür aus! Himmelherrgott nochmal!“ Stille, gefolgt von einem tiefen Seufzer. „Ich hätte Anwalt werden sollen…“

„Oder Lehrer“, machte sich Mancuso bemerkbar.

„Wie lange stehen Sie hier schon rum?“ – „Lang genug, um über Ihr Selbstmitleid erfreut zu sein, Doc.“ – „Also den ganzen Monat? Dafür haben Sie bemerkenswert wenig abgenommen.“ – „Gefühlt zumindest.“

Home hinkte auf Mancuso zu. Er konnte dies bemerkenswert schnell und elegant. Manchmal hatte der Polizist, der hinter der Stirn des Chiefs wohnte, den Verdacht, der Arzt benötige den Stock gar nicht und behielt diesen aus taktischen Gründen.

„Nun?“ fuhr Home Mancuso an. „Womit wollen Sie mir die Zeit stehlen?“

„Damit!“ Er hielt dem Arzt den kleinen Peilsender unter die Nase.

„Ach, diese Dinger. Nicht meine Baustelle, ich darf an den geschätzten Kollegen Doktor Lorek verweisen.“ – „Dürfen Sie nicht! Ich hab nicht ewig Zeit, Sie sind hier und zufällig Arzt. Also?“

Home musterte Mancuso und las in seiner Miene eiserne Entschlossenheit.

„Gut, gehen wir in die Drei.“ – „Wohin?“

Home fuchtelte mit seinem Stock in die Richtung und hinkte voraus. „Na dann, Chief.“

„Na dann, was?“ – „Hose runter und über die Liege legen.“ – „Bitte?“ – „Was haben Sie gedacht? Sie schlucken das Ding einfach runter? Ersten benötigen Sie dazu keinen Arzt, zweitens würde sich der Piepser in der Magensäure auflösen und drittens wie soll es sich mit Ihrem Nervensystem verbinden?“

Mancusos Augen verengten sich. „Unter die Haut. Oberarm, hier.“ Er streckte seinen Oberarm in Richtung des Arztes.

„Zu wenig Nervenzellen. Gluteus Maximus, oder auch: Arschbacke, dort!“ Der Stock klatschte auf Mancusos Hinterteil. „Machen Sie schon.“

 

Kurze Zeit später.

 

„Ihr Feingefühl ist wie Ihr Taktgefühl – nicht vorhanden“, beschwerte sich Mancuso.

„Drin ist drin. Außerdem funktioniert es. Also kein Problem.“

 

Beteiligte Charaktere: Home

"Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeidrucken, die wir hassen." - Tyler Durden (Fight Club)

SD 2417.201, 12:20 Uhr, Sitzungssaal im Regierungspalast, Tzenkethi Prime

Mehr als zwei Stunden war es her, dass die konstituierende Sitzung des Parlaments begonnen hatte. Und bis hierhin lief alles genauso, wie man es sich vorzustellen hatte.
Die Anwesenden wurden durch einen protokollarisch beauftragten Mediator - der Älteste der Abgeordneten - begrüßt, die auswärtigen Diplomaten ausdrücklich separat willkommen gehießen. Der Wahlsieger wurde vorgestellt und gefragt, ob er die Wahl zum Kanzler annehmen würde - was er wenig überraschend auch tat. Es folgte die Vorstellung der zukünftigen Regierungsmitglieder nebst jeweiliger Vereidigung und eine kurze Anwesenheitskontrolle aller parlamentarischen Delegationen - die hier nicht aus Parteien sondern aus einer kleineren Reihe von Vertretern aller planetaren Systeme der Tzenkethi bestanden. Ganz offensichtlich war der gesamte Verwaltungs- und Regierungsapparat umstrukturiert - und damit noch mehr verkompliziert - worden. Doch genaueres ließ sich gegenwärtig und allein aus dieser Sitzung nicht schlüssig erkennen.
Stattdessen war es gerade Chief Mancuso, der eine andere Feststellung tätigte.
"Das Ganze hat was von einem Klassentreffen", murmelte er in Richtung Suval, die neben ihm stand und die Arme vor der Brust verschränkt hielt.
"Wie meinen Sie das, Chief?"
"Na, aus der Schule, Ma'am. Man erkennt 'ne ganze Menge von den alten Leuten wieder, fragt sich, was sie seit dem Abschluss so gemacht haben, obwohl es einen eigentlich nicht die Bohne interessiert und weiß auch ganz genau, warum man sich seitdem nicht wiedergesehen hat und eigentlich auch keine Lust hatte, hierher zu kommen."
Suval ließ sich das Gesagte einen Moment durch den Kopf gehen. Tatsächlich waren auch ihr einige bekannte Gesichter aufgefallen - ehemalige Generäle sowie frühere Mitarbeiter lokaler Regierungen - die jetzt einen Sitz in diesem Parlament hatten, obwohl deren Vergangenheit insbesondere hinsichtlich ihrer potentiellen Zugehörigkeit zu abtrünnigen Teilen des alten Militärs, Giaps Garde oder milizionärer bis terroristischer Vereinigungen höchst fragwürdig war. Angesichts der Öffentlichkeit der ganzen Situation sparte sie sich jedoch den Ansatz einer kritischen Diskussion. Dass die damalige Regierung im Zuge der Unabhängigkeitserklärung der Tzenkethi weder Mittel noch Interesse daran gehabt hatte, subversiven Elementen eine Strafverfolgung angedeihen zu lassen, war hinlänglich bekannt und auch innerhalb der Föderation ein offenes Geheimnis.
"Sehr treffend formuliert", entgegnete sie schließlich und verlagerte das Gewicht vom rechten aufs linke Bein, während sie den Blick durch den riesigen Saal schweifen ließ.
Es handelte sich tatsächlich weniger um einen Botschaftsempfang der üblichen Art. Vielmehr war es tatsächlich wie angekündigt die Teilnahme an der Konstitution des neuen Parlaments sowie der Regierung. Den hochrangigen, diplomatischen Gästen hatte man in trauter Einigkeit einen Teil der Parlamentssitze überlassen, während die militärische Begleitung der Delegationen nur billige Stehplätze Stehplätze im Hintergrund erhalten hatte. Das hatten sie allerdings mit den eindeutig den Sicherheitsbehörden der Tzenkethi Angehörigen gemein. Suval vermutete, dass diese Sicherheitsleute ausschließlich der Gäste und ihrer offensichtlichen Bewaffnung wegen anwesend waren.
"Aber Sie scheinen ja eine furchtbare Schulzeit gehabt zu haben, Chief", ergänzte sie nach einigen Momenten, sich dem Soldaten wieder zugewandt.
"Ich würde das jetzt ungern vertiefen, Captain." Mancuso machte plötzlich einen hinreichend zerknirschten Eindruck, als Suval bestätigend nickte und einen kurzen Blick nach rechts warf, wo sich erst die klingonischen und im Anschluss daran die rihannischen Begleiter der Diplomaten scheinbar langweilten. Und obwohl durch die rihannische Arroganz und die klingonische Aggressivität ansatzweise kaschiert, schien ihnen derselbe Gedanke durch den Kopf zu gehen wie den Föderationsangehörigen - es war ein Gefühl intensiven Unwohlseins, als ehemalige Besatzungsmacht, und im Falle der Sternenflotte auch Schutzmacht, hier zu sein und Zeuge dieser Demonstration zu werden. Doch Demonstration wovon?
"Halte ich für eine gute Idee."
Doch der Hinweis zu den alten Bekannten betraf bei weitem nicht nur die Tzenkethi...

Knapp drei Stunden vorher

Mit dem Abklingen des vertrauten Summens endete der Rematerialisierungsvorgang der insgesamt zwölf Föderationsbürger auf Tzenkethi Prime. Die eine Sechsergruppe bestand aus Talera, ihrem Attaché, Breel und drei Sicherheitsleuten der Iowa, während die andere Sechsergruppe sich aus Suval, Mancuso und weiteren vier Sicherheitsleuten zusammensetzte. Die Angehörigen der Sternenflotte begannen sofort, die Umgebung in Augenschein zu nehmen und auf etwaige Gefahren abzusuchen. Und auch die Kommandantin kam nicht umhin, sich als Erstes über die allgemeine Situation ein Bild zu machen - zu lange hatte sie selbst eine grüne Uniform getragen, um solche Details jetzt zu ignorieren - bevor sie ihre Aufmerksamkeit den beiden anderen, gerade eintreffenden Delegationen widmete.
"Es ist kein erhöhtes Gefahrenpotential erkennbar", fasste schließlich der Sicherheitschef zusammen, nachdem das Vorauskommando, bestehend aus den restlichen vier Sicherheitsleuten, die bereits vor zehn Minuten hinunter gebeamt waren, Meldung gemacht hatte. Eine Entspannung seinerseits trat angesichts dieses Faktes dennoch nicht ein. "Außer den Sicherheitsposten vor dem Gebäude scheint es keine zusätzliche polizeiliche oder militärische Präsenz zu geben. Es gibt einige Überwachungskameras, aber sonst nichts Auffälliges."
Für die Botschafterin war dies das Zeichen, sich in Richtung des Palastes zu begeben, wie es nun auch ihre Kollegen taten, indem sie sich aus dem Kreise der sie schützenden Militärangehörigen entfernten. Zurück blieb in der klingonischen wie auch der rihannischen Gruppe je ein Gesicht, dass Suval nur zu gut kannte. Angesichts dessen, dass ihr vor einer Stunde mit dem Eintritt der Iowa in den Orbit mitgeteilt wurde, dass es sich bei den Schiffen der beiden anderen Delegationen um die ChR Syzygy und die IKS Tzenkethischlächter handelte, hielt sich aber zumindest die Überraschung in Grenzen. Mancuso murmelte nur missmutig etwas Unverständliches.
"Lassen Sie uns kurz 'Hallo' sagen, Chief", meinte die Kommandantin der Iowa und schritt in Begleitung des Angesprochenen auf die klingonischen Offiziere zu. Aus deren Mitte trat mit einem breiten Grinsen ein etwas kleineres Exemplar seiner Spezies heraus, der die mangelnde Größe jedoch durch eine gehörige Portion Ansehen in Form einer Menge Orden an der Brust wett machen konnte. Suval erkannte zwei Orden der Tzenkethi-Allianz auf der insgesamt gut bestückten Uniform.
"Captain Suval", brummte er mit sonorem Bass, als sie vor ihm zum Stehen kam, und streckte ihr die Hand entgegen, welche sie zum Schütteln ergriff. "Schön, Sie wieder zu sehen." Sein Grinsen, von durchaus herzlicher und ehrlicher Natur, wuchs tatsächlich noch ein Stück in die Breite.
"Die Freude ist ganz meinerseits, Commander Garok. Und wie mir scheint sind Sie seit unserer letzten Begegnung die Karriereleiter noch ein wenig herauf gefallen", erwiderte sie und lächelte ihrerseits, wenn auch weitaus verhaltener.
"Unser kleiner Deal hat da sein Übriges getan, wofür ich Ihnen immer noch recht dankbar bin."
Suval neigte gefällig den Kopf zur Seite. "Es wird sich sicherlich irgendwann die Gelegenheit zur Revanche ergeben."
Beide beendeten ihr kleines Tête-à-tête, als sich zur Zweisamkeit die Kommandantin des rihannischen Warbirds hinzu gesellte. Aus dem Augenwinkel bemerkte Suval, wie Mancuso bemüht war, nicht die Hand auf seine Waffe zu legen. Eisiges Schweigen schloss sich an.
"Khre'Rionel t'Riuurren", überwand sich schließlich Suval und durchbrach die bereits unangenehm gewordene Stille, als deutlich wurde, dass sich die beiden anderen zumindest nicht direkt kannten. "Commander Garok", stellte sie sie einander vor und hoffte, dass sich beide nicht irgendwie schon mal auf dem Schlachtfeld gegenüber gestanden hatten - hier im Tzenkethi Sektor war die Wahrscheinlichkeit alles andere als gering dafür, zumal beide hier stationiert gewesen waren. Garok verzog angewidert das Gesicht.
"Commander." Die Ehrerbietung in der Anrede seitens Arrhae war so aufrichtig wie ihr Lächeln. Dann wanderte ihr Blick zu Suval und es schien, als würde der Klingone für sie nicht weiter existieren. "Captain..."
Die Angesprochene bemühte sich um einen möglichst neutralen Gesichtsausdruck und erwiderte den Gruß lediglich mit einem Nicken.
"Captain, wenn ich kurz stören darf...", meldete sich Mancuso zu Wort, wodurch es ihm auf unnachahmliche Weise gelang, etwas die Spannung aus der Situation zu nehmen. Suval dankte ihm insgeheim dafür und sah sich wieder einmal darin bestätigt, die Qualitäten des Soldaten eigentlich nicht hoch genug einschätzen zu können - auch wenn sie oftmals durch andere, störende Verhaltensmuster überdeckt wurden. "Die hiesige Presse scheint weniger Interesse an den Diplomaten zu haben, als vielmehr an uns", ergänzte er gerade so laut, dass es die mit Kameras und sonstigen Aufnahmegeräten bestückten Tzenkethi, die auf sie zukamen, vermutlich nicht vernehmen konnten. "Und mit 'uns' meine ich..." Das Kreisen seines Zeigefingers umschloss lediglich die drei Kommandanten, die sich nun der nahenden Meute zuwandten.
Schon während der Besatzungszeit war der mediale Aspekt bei den Tzenkethi ausgeprägt präsent gewesen und ganz offenbar hatte sich dies seitdem nicht wesentlich geändert. Die öffentlichkeitswirksame Darstellung von Ereignissen, begleitet durch eine gezielte Propaganda, gehörte zu den Tzenkethi wie ihre naturgegebene Aggression.

"Hier haben wir die Kommandanten der beiden Schiffe, die sich dereinst im Marhak-System in der letzten großen Schlacht der Besatzer einander gegenüber standen", intonierte eine weibliche Tzenkethi mit einem antiquierten Mikrophon in der Hand, für eine Vertreterin ihres Volkes auffällig geschminkt und mit dem Logo der Tzenkethi-Konföderation auf ihrer Jacke - offensichtlich gehörte sie zu einem staatlich kontrollierten Sender. Sie gestikulierte ausladend und alle Aufnahmegeräte waren auf sie gerichtet. "Die ehemalige romulanische Sektorenkommandantin Arrhae t'Riuurren und die heutige Kommandantin der USS Iowa Fvienn Suval." Die vermeintliche Journalistin machte eine theatralische Pause, in welcher sich die Kameras auf die beiden rihannischen Kommandantinnen richteten. "Möchten Sie etwas dazu sagen, dass Sie beide - und vor allem Ihre Schiffe - heute, nach elf Jahren, Seite an Seite hierher zurückkehren?"
Während Arrhae die Gestalt straffte und kurz zu überlegen schien, was sie antworten würde, verschwand auch Suval aus ihrem Wahrnehmungsbereich. Selbige hingegen ergriff kurzerhand als Erste das Wort, wenngleich es für den Moment auch nur ein einziges sein sollte...

Wieder in der Gegenwart

"Nein!"
Für weitere Informationen solle man sich bitte an die diplomatische Delegation wenden, sie selbst sei nicht zu weiteren Kommentaren befugt, hatte sie dem sich anschließenden überraschten Schweigen hinzu gesetzt, bevor Arrhae die Gelegenheit zur Selbstdarstellung zu nutzen gedacht hatte. Spontan fragte sich Suval, wer seitens des rihannischen Imperiums eigentlich die Verhandlungen führen würde - der Botschafter oder vielleicht doch die Kommandantin der Syzygy...

"Damit erkläre ich die Regierung für handlungsfähig und übergebe das Wort an den Kanzler", der sogleich den Platz am Rednerpult anstelle des Mediators einnahm.
"Ich bin kein Mann vieler Worte und möchte gleich zum ersten Punkt der Agenda dieser Regierung kommen." Suval vermutete zu Recht, dass es an der Zeit war, die geladenen Gäste einzubeziehen. "Werte Exzellenzen, ich bedanke mich, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind. Somit können wir Ihnen persönlich unsere Forderungen nach Reparationsleistungen zukommen lassen." Der Kanzler machte eine kurze Pause und ließ seine Worte wirken, bevor er in das betretene Schweigen einsetzte, um das Angedeutete etwas ausführlicher darzustellen. "Das rihannische Imperium, das klingonische Reich und die Vereinte Föderation der Planeten als Unterzeichner des IX. Vertrages von Nimbus und Besatzungsmächte der Tzenkethi Konföderation zwischen 2399 und 2406 werden hiermit von dieser Regierung aufgefordert, die in den genannten sieben Jahren der Besatzungszeit entstandenen Schäden am Volk und der Wirtschaft der Tzenkethi Konföderation zu begleichen." Er zählte eine ganze Reihe von Planeten auf, von denen sowohl Suval als auch Mancuso einige unangenehm bekannt waren, und umriss die angedeuteten "Schäden" recht grob - planetare Wirtschaftssysteme, denen jegliche Grundlage geraubt wurde, massive Umweltschäden aufgrund militärischer Interventionen, Einbruch des interstellaren Handels infolge von Sanktionen sowie diverse Seuchen. Er nannte emotionslos eine neunstellige Zahl an Todesopfern des eigenen Volkes, die während der Besatzung, infolge des Stellvertreterskrieges im Jahr 2406 zwischen den Besatzungsmächten und den daraus resultierenden Hungersnöten in den folgenden Jahren bis heute entstanden war. Und er stellte dem Genannten eine lächerlich hohe Summe gegenüber, die er durch die drei ehemaligen Besatzungsmächte beglichen sehen wollte.

Selten bis nie, so vermutete Suval, hatte es in den letzten mehreren hundert Jahren derartige Einigkeit zwischen den in ihrer Vergangenheit verhassten bis verfeindeten, und auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt alles andere als befreundeten Großmächten gegeben - auffallend symbolisch ausgedrückt durch das gemeinsame und entsetzte Schweigen.
"Wir geben Ihnen 48 Ihrer Stunden Zeit, eine Stellungnahme zu verfassen und diesem Parlament vorzulegen, Eure Exzellenzen. Bis dahin können Sie auf Ihre Schiffe zurückkehren."
Die Botschafter, selbst der klingonische, waren hinreichend konsterniert und erhoben sich.
"So viel zu den Verhandlungen", murmelte Suval, ohne Befriedigung darüber zu empfinden, mit ihren Zweifeln Recht behalten zu haben. Mancuso nickte verstehend und trieb die eigenen Sicherheitsleute an, wieder in Bewegung zu kommen, als der Kanzler überraschend noch einmal das Wort ergriff.
"Captain Suval", sagte er und mit einem Mal richtete sich die Aufmerksamkeit fast aller Anwesenden in dem großen Saal auf unangenehme Weise auf die Angesprochene. "Ihnen muss ich leider die Rückkehr auf Ihr Schiff verweigern, da gegen Sie ein Haftbefehl wegen Mordes vorliegt!"
Von einem Moment auf den anderen drohte die Situation zu eskalieren und Suval zeigte sich offen sprachlos.
Die seit Beginn der Parlamentssitzung anwesenden Militärangehörigen der Tzenkethi hatten ihre Waffen gezogen und die Sicherheitsgruppe der Iowa blitzschnell umstellt. Diese hielt ihrerseits sofort die einsatzbereiten Phaser in der Hand, um sich auf den alles entscheidenden Befehl hin sofort auf die Angreifer zu stürzen. Doch Suval, die nichts lieber getan hätte als sich dieser skurrilen Szene auf welche Weise auch immer zu entziehen, blieb diesen Befehl schuldig. Die kühle Logik teilte ihr mit, dass eine gewaltsame Auseinandersetzung mit den Tzenkethi hier und jetzt ein Blutbad und ein Totalverlust ihrer Leute nach sich ziehen würde - ohne dass sich etwas an ihrer eigenen Situation ändern konnte. Und so hob sie beschwichtigend die Hand in Richtung Mancuso und wandte sich mit fragendem Blick wieder dem Kanzler zu. Seinerseits stand noch eine Erklärung aus.
"Zu Ihrer Sternzeit 2410.075 ist an Bord der USS Iowa der Frachterkommandant Braktan durch bisher ungeklärte Umstände ums Leben gekommen. Da uns weder Tathergang noch Täter bekannt sind, sondern nur die Tatsache, dass dieser Angehörige meines Volkes einen brutalen Tod gestorben ist und wir angesichts der Vergangenheit der Iowa und ihrer Crew in Bezug auf das Volk der Tzenkethi daher nur von einem feigen Mord ausgehen können, werden wir Sie als zu diesem Zeitpunkt kommandierenden Offizier der USS Iowa zur Verantwortung ziehen und anklagen! Es sei denn sie wollen uns den wahren Täter benennen und ausliefern."
Schlagartig erinnerte sich Suval an diesen Vorfall, der sich nicht einmal einen Monat nach ihrer Kommandoübernahme ereignet hatte. Unbestritten war der genannte Mann in der "Obhut" der Besatzung der Iowa verstorben, doch die Ermittlungen des Oberkommandos hatten analog zu allen Aussagen einen Selbstmord festgestellt, auch wenn infolge des laufenden Einsatzes der Iowa Fehler aufgetreten waren, ohne die Braktan vielleicht überlebt hätte. Doch eine unmittelbare Schuld auch nur eines Besatzungsmitglieds hatte es nachweislich nicht gegeben.
"Es gibt niemanden auszuliefern!" entgegnete sie deshalb - unwissend, was das Oberkommando mit der Übergabe der Leiche an die Tzenkethi mitgeteilt hatte und was die Crewmitglieder Braktans ihren eigenen Behörden gegenüber ausgesagt hatten. Doch beides war für sie im Moment unwichtig.
"Captain!" versuchte Mancuso nun zu intervenieren, wurde jedoch vom Kanzler der Tzenkethi unterbrochen.
"Dann bleibt der Haftbefehl gegen Sie in Kraft!" Mit einer Handbewegung signalisierte er den beiden hinter Suval stehenden Sicherheitsleuten, sie zu entwaffnen und in Gewahrsam zu nehmen. Begleitet von einer schmerzhaften Erinnerung griffen die beiden nach ihren Handgelenken und fixierten ihre Arme auf dem Rücken. Handschellen klickten.
"Kanzler Kostan", schritt nun auch Botschafterin Talera ein und erhob sich, wurde aber ebenso harsch unterbrochen wie zuvor der Chief.
"Eure Exzellenz, ich habe die Hintergründe dieses Vorgehens erläutert. Darüber hinaus entspricht diese Maßnahme intergalaktisch gültigem Recht, demzufolge Angehörige fremden Militärs keiner diplomatischen Immunität unterliegen - auch nicht, wenn sie eine diplomatische Delegation begleiten."
Offensichtlich hatten sich die Tzenkethi auf dieses Schauspiel gut vorbereitet.
"Kanzler..."
"Morgen früh wird eine Anhörung stattfinden. Zu dieser Gelegenheit wird Captain Suval die Gelegenheit haben, sich zu äußern. Bis dahin verbleibt sie in Untersuchungshaft!"
Für den Kanzler schien die Angelegenheit damit erledigt zu sein. Ein Wink verdeutlichte den beiden Sicherheitsleuten, die Kommandantin fort zu bringen - wobei sich Burt Mancuso, Jalak Kar und Zito Mora demonstrativ in den Weg stellten.
"Chief, keine Interventionen. Sorgen Sie dafür, dass alle an Bord zurück kehren und informieren Sie Commander Momoa!"
Der Angesprochene erweckte den Eindruck, sich keinen Millimeter rühren zu wollen. Die Spannung stieg.
"Chief, das war ein Befehl!"
Augenscheinlich zähneknirschend rang er sich zu einem bestätigenden Nicken durch und trat einen Schritt zu Seite, woraufhin die beiden Tzenkethi mit Suval den Saal verließen.

 

[Beteiligte: Mancuso, indirekt Momoa]

 

NRPG: Bezüglich des weiteren Ablaufs gibts in Kürze noch ein paar konkrete Informationen.

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